DFB-Pokalfinale Schalke jubelt nach Gala gegen Duisburg

Schalke 04 hat seinen ersten Titel seit neun Jahren gewonnen. Das Team von Trainer Ralf Rangnick war im DFB-Pokalfinale dem MSV Duisburg in allen Belangen überlegen. Der Zweitligist wollte Geschichte schreiben - am Ende wurde es eine historische Niederlage.

AP

Von Jan Reschke


Hamburg - Er wurde Welttorjäger, Spanischer Meister, Champions-League-Sieger, Weltpokalsieger - und dennoch freute sich Schalkes Stürmer Raúl nach dem DFB-Pokalfinale gegen den MSV Duisburg, als hätte er soeben den ersten Titel seiner Karriere gewonnen. Gemeinsam mit seinen spanischen Landsleuten Sergio Escudero und José Manuel Jurado tanzte und sprang er nach dem Abpfiff durch das Berliner Olympiastadion. Und in gewisser Weise war es ja auch eine Premiere für Raúl, einen Landespokal hatte er schließlich zuvor noch nie gewonnen.

Nachdem Bundespräsident Christian Wulff schließlich S04-Kapitän Manuel Neuer den Pokal überreicht hatte, schritt Raúl mit der spanischen Fahne zum Siegerfoto. 5:0 (3:0) hatte Schalke Zweitligist MSV Duisburg durch Tore von Julian Draxler (18.), Klaas-Jan Huntelaar (22. und 71.), Benedikt Höwedes (42.) und José Manuel Jurado (55.) geschlagen. Es war der erste Titelgewinn seit 2002 und bedeutet gleichzeitig die Starterlaubnis für die Europa League in der kommenden Saison.

Sicher, "der Pokal hat seine eigenen Gesetze". Doch schon vor der Partie hatte es wenig Zweifel gegeben, wer am Ende die Trophäe in die Höhe halten würde. Auf der einen Seite Schalke 04, Champions-League-Halbfinalist und Inter-Mailand-Bezwinger, mit Stars wie Klaas-Jan Huntelaar, Raúl und Nationaltorwart Manuel Neuer. Auf der anderen Seite der MSV Duisburg, Zweitligist, mit Kapitän Ivica Grlic.

Rangnick konnte sich den Luxus leisten und in der Startelf auf Verteidiger Atsuto Uchida verzichten, der zuletzt etwas müde wirkte. Für ihn rückte Benedikt Höwedes aus der Mitte auf die Außenposition. Im Zentrum spielte dafür Kyriakos Papadopoulos neben Christoph Metzelder. Auch Sergio Escudero musste draußen bleiben, für ihn spielte Hans Sarpei.

Farfan starker Vorbereiter

Und zu Beginn der Partie entsprachen die Spielanteile den Kräfteverhältnissen auf dem Papier, Schalke machte Druck. In der siebten Minute setzte sich Jefferson Farfan auf der für ihn ungewohnten linken Seite durch, seine Flanke landete aber im Toraus.

Eine schöne Freistoßvariante führte dann zur bis dahin besten Schalker Gelegenheit: Farfan lupfte landete an der rechten Strafraumgrenze zu Raúl, dessen Flanke in den Strafraum verlängerte Metzelder auf Papadopoulos, der mit seinem Kopfball aber an Duisburgs Keeper David Yelldell (15.) scheiterte.

Nur vier Minuten später war der Ball aber doch im Netz. Farfan spielte einen Pass auf den erst 18 Jahre alten Julian Draxler und der drosch den Ball aus rund 16 Metern zum 1:0 ins Tor. Und nur drei Minuten später hatte Huntelaar auch schon auf 2:0 nach feinem Zuspiel erneut von Farfan erhöht.

Duisburg drohte ein Schützenfest.

In der 24. Minute reagierte sich Goran Sukalo ab und rammte Draxler seinen Ellbogen ins Gesicht - Gelbe Karte durch Schiedsrichter Wolfgang Stark. Immerhin, auch Duisburg kam einmal vor das Tor der Schalke, doch Neuer war vor Sefa Yilmaz am Ball (28.). Vier Minuten später spielte Farfan einen ungenauen Pass auf Huntelaar, der in der Mitte des Strafraums völlig frei stand. Das hätte die Entscheidung sein können.

Schon vor der Pause alles klar

Stattdessen hatte Schalke Glück, dass Olcay Sahan den richtigen Zeitpunkt zum Abschluss verpasste und den Ball am Ende über das Tor schoss (36.). Sein Mannschaftskollege Yilmaz machte es kaum besser. Auch er wartete zu lange, hätte eigentlich viel früher abschließen müssen, so hatte Neuer keine Mühe (40.).

Der fahrlässige Umgang mit den Chancen rächte sich nur drei Minuten später. Benedikt Höwedes köpfte eine Ecke zum 3:0 ins Tor. Vorbereiter - wer sonst - war Farfan, der auch schon die beiden Tore zuvor eingeleitet hatte. Dann war Halbbzeit.

Was konnte jetzt noch schief gehen?

Nichts. Bereits eine Minute nach Wiederanpfiff hätte José Manuel Jurado treffen oder den Ball auf seinen besser postierten Mitspieler passen müssen. Aber nichts dergleichen geschah. Doch Schalke war an diesem Tag derart überlegen, da bekam Jurado in der 55. Minute die Gelegenheit, es noch einmal zu versuchen. Zweimal ließ er sich nicht bitten, eine tolle Vorarbeit von Huntelaar verwandelte er zum 4:0. "Ich glaube, am Ende habe ich nur noch gelacht. Denn spätestens mit dem 4:0 war ja alles klar", so Verteidiger Höwedes.

Die Partie war entschieden, und Schalke konnte es sich leisten, das Tempo ein wenig rauszunehmen. Trotzdem gelang noch ein Treffer. In der 71. Minute erhöhte Huntelaar auf 5:0. Trainer Rangnick sagte: "Wir haben sehr konzentriert gespielt. Deshalb war es am Ende auch eine klare Sache. Das war aber nicht so einfach heute. Eigentlich war es erst nach dem 3:0 klar." Für Rangnick war es der erste Titel in seiner Laufbahn.

Raúl war an diesem Abend zwar kein Treffer gelungen, beim Jubeln zeigte er dann aber seine Extraklasse: Auf einer Werbebande feierte er, winkte den Fans zu, holte seine Mannschaftskollegen heran. Anschließend durften alle Schalker Spieler einzeln mit dem Pokal vor den Anhängern posieren. Als Torwart Manuel Neuer, dessen Abschied zu Bayern München als sicher gilt, vor die Fans treten wollte, packte Raúl den Pokal mit an und lief gemeinsam mit Neuer vor die Fans. Denn Neuer hatte zuvor einige Pfiffe hören müssen. Doch an der Seite von Raúl gingen die Pfiffe im Raunen und Jubel unter.

MSV Duisburg - Schalke 04 0:5 (0:3)
0:1 Draxler (18.)
0:2 Huntelaar (22.)
0:3 Höwedes (42.)
0:4 Jurado (55.)
0:5 Huntelaar (71.)
Duisburg: Yelldell - Benjamin Kern (77. Exslager), Reiche (60. Trojan), Bajic, Veigneau - Banovic, Grlic, Sukalo - Yilmaz, Sahan - Schäffler
Schalke: Neuer - Höwedes, Papadopoulos, Metzelder, Sarpei (43. Escudero) - Kluge (81. Uchida), Jurado - Farfan, Draxler (72. Matip) - Huntelaar, Raúl
Schiedsrichter: Wolfgang Stark
Zuschauer: 75.708 (ausverkauft)

insgesamt 23 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
aseemic 21.05.2011
1. Bravo, Jan Reschke..
MSV Duisburg - Schalke 04 5:0 (3:0) 1:0 Draxler (18.) 2:0 Huntelaar (22.) 3:0 Höwedes (42.) 4:0 Jurado (55.) 5:0 Huntelaar (71.) :facepalm:
sirius08/15 21.05.2011
2. in der Liga versagt,
und gegen einen Gegner den Pokal gewonnen dessen Jahresetat wahrscheinlich nicht höher ist als das Gehalt eines Herrn Raúl. Herzlichen Glückwunsch!
UnitedEurope 21.05.2011
3. Perfekter Abend!
Der Star war heute ganz klar die Fans, die eine tolle Stimmung machten und hierbei ganz besonders die Duisburger, die feierten obwohl sie haushoch verloren haben. -Dann die Schalker Mannschaft, dass sie den Duisburgern Spalier standen und so ihren Respekt zollten. -Beiden Mannschaften allgemein, dass es über weite Strecken ein absolut faires und anständiges Fussballfest für alle wurde! - Wolfgang Stark und Co. mit einer quasi tadellosen Leistung, in einem sehr fairen Spiel.
stesoell 21.05.2011
4. oo
Schade Duisburg, aber aufgrund der Vielzahl von Verletzten war nicht mehr drin. Nun einen Abend das Blaue Pack aus GE ertragen und gut ist. Im Juli hauen wir das GEsindel aus der Turnhalle (Supercup).
tornadotom 21.05.2011
5. Glückwunsch an Schalke - MSV unterirdisch
Klar, der MSV war krasser Außenseiter. Sich jedoch derart emotionslos, kampflos und geradezu stümperhaft zu präsentieren, ist einfach dem Event, und vor allem den vielen zahlenden Zuschauern im Stadion gegenüber, völlig unangemessen und einfach nur peinlich! Beim 1:8 Erfolg der Bayern in St.Pauli sagte der ARD-Kommentator Steffen Simon sinngemäß: "...dem FC St.Pauli eine zweitligareife Leistung zu bescheinigen, beleidigt jeden Club der 2. Liga..." Dem MSV Duisburg eine ordentliche Leistung im DFB-Pokalfinale 2011 zu bescheinigen ist geradezu grotesk. Man kann ja verlieren. Man kann auch hoch verlieren. Was aber gar nicht geht, ist die Leistung, die der MSV heute dargeboten hat. Um es mit dem vorhin zitierten Sport-Journalisten Steffen Simon zu sagen: Diese Leistung ist eine Beleidigung für jeden Club, der im DFB-Pokal angetreten ist. Sie ist eine Beleidigung für alle Clubs die sich mühsam durch die Mühlen der Landespokale für die Teilnahme am DFB-Pokal qualifizieren. Trotz allem: Herzlichen Glückwunsch an den FC Schalke 04!!!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.