DFB-Präsident Niersbach soll Zwanziger-Nachfolger werden

Die Nachfolge von Theo Zwanziger ist verbandsintern geklärt: Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE soll DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach neuer Präsident des Deutschen Fußball-Bundes werden. Das wollen die Mitglieder am Mittwoch beschließen - sehr zum Ärger von Zwanziger.

DFB-Generalsekretär Niersbach: "Er muss sich erklären"
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DFB-Generalsekretär Niersbach: "Er muss sich erklären"

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Das Rätselraten dauert seit Freitagabend an: Wer wird Nachfolger von Theo Zwanziger als Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), der vor vier Tagen seinen Rücktritt im kommenden Jahr bekanntgab? Nun ist die Antwort klar: Es wird Wolfgang Niersbach. Der 61-Jährige, noch bis 2016 Generalsekretär des Verbands, wird wohl im Laufe des Mittwochvormittags zum Nachfolger Zwanzigers erklärt.

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE haben die Präsidenten der einzelnen Landesverbände bereits am Montag ein internes Votum für Niersbach verabschiedet. "Jetzt kommt es in erster Linie darauf an, was Niersbach selbst will. Er muss sich erklären", sagt DFB-Vizepräsident Hans-Dieter Drewitz. Niersbach steht offenbar bereit. Im Beisein von Zwanziger und Erwin Staudt, dem zweiten Präsidentschaftskandidaten, soll er am Montag erklärt haben, dass er sich für das Amt bereit fühle, so ein DFB-Mann.

Zuvor war der Kreis der Anwärter nach und nach kleiner geworden. Reinhard Rauball, Präsident der Deutschen Fußball Liga (DFL), winkte als Erster ab. Kurz darauf meldete sich auch Uli Hoeneß. Der Präsident des FC Bayern München sagte sogar stellvertretend für alle anderen Funktionäre des Rekordmeisters ab. Auch Rainer Koch, Präsident des Bayerischen Fußball Verbandes, sah sich nicht in der Lage. Lediglich Staudt, der ehemalige Präsident des VfB Stuttgart, bekundete sein Interesse. Eine Chance scheint er jedoch nicht zu haben.

Niersbach löst mit Aussage zum DFB ein Erdbeben aus

Im Gegensatz zu Niersbach. Der hatte sich in den vergangenen Wochen sehr mit öffentlichen Aussagen zu seiner Person und zum DFB generell zurückgehalten. Der ehemalige Journalist, der unter anderem elf Jahre als Redakteur beim Stadionmagazin von Fortuna Düsseldorf tätig war, meldete sich weder zu Wort, als es um die Probleme des DFB mit der Causa Amerell/Kempter ging, noch als die Debatte um Pyrotechnik und Stadiongewalt entbrannte. Niersbach schwieg auch zum Steuerskandal, der mehr 70 deutsche Schiedsrichter betrifft und zum Suizidversuch von Referee Babak Rafati.

Lediglich einmal redete Niersbach über den Verband: "Mit dem Bild, dass der DFB derzeit öffentlich abgibt, bin ich natürlich nicht zufrieden", sagte er der "Welt" vor wenigen Wochen - und löste damit ein internes Erdbeben aus. "Spätestens an diesem Punkt war das Verhältnis zwischen ihm und Zwanziger beendet. Zwanziger tobte über diesen Satz", sagt ein hochrangiges DFB-Mitglied. Zwanziger soll sich durch die Aussage Niersbachs in seiner Position geschwächt gefühlt haben, nahm den Satz des Generalsekretärs als offenen Affront gegen die eigenen Entscheidungen auf.

Verhältnis zwischen Zwanziger und Niersbach schon länger angespannt

Doch der Bruch zwischen den beiden Funktionären kam nicht überraschend. Bereits seit Monaten gärte es zwischen Zwanziger und Niersbach. Letzterer, so sagen es DFB-Beobachter, galt zuletzt noch als einer der wenigen, die Zwanzigers Hang zum Aktionismus zu verhindern versuchten. Immer wieder soll Niersbach Zwanziger gebeten haben, er solle sich mehr um das Tagesgeschäft und weniger um Medien und die Politik kümmern, sagt ein ehemaliger DFB-Mann. Zwanziger, der in seiner Amtszeit immer wieder bemüht war, soziale und integrative Themen im Bereich des Fußballverbandes zu positionieren, warf Niersbach das Versäumnis eben dieses Feldes vor.

Als Zwanziger nun im Hessischen Rundfunk auf Niersbach als Nachfolger angesprochen wurde, sagte er: "Er muss sich selbst entscheiden. Und er muss auch wissen, ob ihm diese Aufgabe liegt. Es geht im Grunde schon darum, auch den Verband in seiner gesamten Gemeinnützigkeit und Ehrenamtlichkeit zu präsentieren und Vorbild für Ehrenamtlichkeit zu sein für 26.000 Vereine."

Zwanziger schien Niersbach diese Aufgabe in den vergangenen Monaten immer weniger zuzutrauen. Sein klarer Wunschkandidat, mit dem er nach eigener Aussage bereits seit Monaten über dieses Amt verhandelte, ist Staudt. Doch dieser hat keine Rückendeckung bei den Landesverbänden. Und auch die DFL, in der Staudt im Aufsichtsrat sitzt, steht nach Informationen von SPIEGEL ONLINE keineswegs geschlossen hinter einer möglichen Präsidentenwahl des 63-Jährigen.

"Wolfgang Niersbach ist der Beste", sagte Franz Beckenbauer. Ob dies tatsächlich der Fall ist, wird Niersbach wohl ab Oktober 2012 unter Beweis stellen müssen. Denn der Generalsekretär ist zwar sowohl bei der DFL, dem DFB als auch beim Weltverband Fifa und dem europäischen Verband Uefa sowie in zahlreichen Medienhäusern hervorragend vernetzt. Den Charme und die Aura eines führenden Präsidenten verströmt er jedoch selten. Vielmehr gilt er als gekonnter Moderator, der ungern harte Entscheidungen trifft.

Ab Mittwochnachmittag kann Niersbach sich wohl knapp ein Jahr auf seine neue Herausforderung vorbereiten.

insgesamt 9 Beiträge
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Seite 1
fullspeed 06.12.2011
1. Diese Wahl...
Zitat von sysopDie Nachfolge von Theo Zwanziger ist verbandsintern geklärt: Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE soll DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach neuer Präsident des Deutschen Fußball-Bundes werden. Das wollen die Mitglieder am Mittwoch beschließen. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,802118,00.html
...ist die bestmögliche, absolut. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.
adam68161 06.12.2011
2. wäre ja noch schöner,
wenn der unsägliche Zwanziger den erfolglosen Staudt durchgesetzt hätte.
Germanenkrieger 06.12.2011
3. -
Zitat von sysopDie Nachfolge von Theo Zwanziger ist verbandsintern geklärt: Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE soll DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach neuer Präsident des Deutschen Fußball-Bundes werden. Das wollen die Mitglieder am Mittwoch beschließen. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,802118,00.html
Weniger Charme und Aura als dieser Zwanziger kann er ja schon mal nicht haben. Ich finde Niersbach gut und kompetent Gratulation
ovhaag 06.12.2011
4. Generationswechsel verpasst!
Zitat von sysopDie Nachfolge von Theo Zwanziger ist verbandsintern geklärt: Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE soll DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach neuer Präsident des Deutschen Fußball-Bundes werden. Das wollen die Mitglieder am Mittwoch beschließen. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,802118,00.html
Eigentlich wäre es Zeit für einen Generationswechsel. Dann brüchte man allerdings andere Kandidaten.
joellle 06.12.2011
5. unglaubliche inkompetent!!!
Zitat von adam68161wenn der unsägliche Zwanziger den erfolglosen Staudt durchgesetzt hätte.
Was für eine Aussage! Ich als Stuttgarter und wahrlich kein Fan von Staudt aber stetiger Beobachter seiner politischen Geschicke als Präsident des VFB Stuttgart finde es einfach lächerlich ihn mit so einem banalen Satz einfach unqualifiziert abzukanzeln. Er war in seinen Äußerungen als Präsi sicher nicht immer glücklich, aber im operativen Geschäft ausserst professionell (was er bei IBM definitiv auch unter Beweis stellte). Also bleibt locker und neutral in euren Bewertungen, wenn ihr keine Ahnung von Tutrn und Blasen habt und die Bild als eure einzige Nachrichtenquelle bzw. Bibel bezeichnet! (der Seitenhieb musste sein...) Es grüsst joe
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