Absetzung der Fifa-Ethiker DFB-Chef Grindel nach Abstimmung in der Kritik

Reinhard Grindel hat im Vorfeld des Fifa-Kongresses viel von Reform und Transparenz gesprochen - bei der Abstimmung über die umstrittene Neubesetzung der Ethikkommission votierte der DFB-Präsident aber mit Ja. Warum?

DFB-Präsident Reinhard Grindel
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DFB-Präsident Reinhard Grindel


DFB-Präsident Reinhard Grindel muss sich gegen Kritik an seinem Abstimmungsverhalten bei der Absetzung der Chef-Ethiker beim Fußball-Weltverband Fifa zur Wehr setzen. "Es wurde nicht abgestimmt über die Absetzung von Cornel Borbely und Hans-Joachim Eckert. Fifa-Präsident Gianni Infantino hat eine Liste mit allen Neubesetzungen vorgestellt", sagte das neue Council-Mitglied im ZDF-Morgenmagazin: "Es wäre unfair und nicht respektvoll gewesen, gegen die anderen Persönlichkeiten zu stimmen, nur weil ich gegen die Ablösung von Borbely und Eckert war."

Die Fifa hatte am Mittwochabend bekanntgegeben, dass die Council-Entscheidung einstimmig gefallen sei. Das hatte Verwunderung ausgelöst, da Grindel stets betont hatte, gegen die Absetzung gewesen zu sein.

"Ich war gegen das Verfahren und gegen die Ablösung. Ich habe mich eindeutig im Council positioniert - das kann jeder meiner Kollegen bestätigen", sagte der Chef des Deutschen Fußball-Bundes.

Gleichzeitig vermied er aber ein klares Bekenntnis zu Eckert und Borbely und deren Arbeit. Stattdessen formulierte er zurückgenommen: "Ich habe vor der Entscheidung gesagt, dass es ein schlechtes Zeichen für den Reformprozess wäre, wenn sie nicht in ihren Ämtern verbleiben", sagte Grindel. "Und was ich davor gesagt habe, gilt auch danach. Und die Reaktionen in der Öffentlichkeit, was das Ansehen der Fifa angeht, bestätigen das."

Statutenbruch bei der Abwahl?

Ob die neue Ethikkommission ihre Aufgabe überhaupt antreten kann, ist dabei allerdings noch nicht sicher. Denn bei der Absetzung der bisherigen Ethikchefs könnte es dem Vernehmen nach zu einem Bruch mit den Statuten des Weltverbands gekommen sein. Die personelle Liste für die Besetzung der Kommissionen habe nicht wie in Paragraf 27 vorgesehen vier Monate vor der Wahl der Fifa-Generalsekretärin Fatma Samoura vorgelegen, bestätigten Fifa-nahe Quellen.

Dies wird damit begründet, dass es zu diesem Zeitpunkt nicht ausreichend Personalvorschläge durch die Konföderationen gegeben hätte. Eine Entscheidung des Kongresses könnte nach Ansicht von Experten damit angefochten werden.

Der Kongress hat davon unbeeindruckt die neue Kommission ins Amt gewählt. Die neue Besetzung der Kammern erhielt am Donnerstag jeweils 188 von 194 gültigen Stimmen. Der DFB hat sich nach eigenen Angaben diesmal der Stimme enthalten.

aha/sid/dpa



insgesamt 27 Beiträge
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Seite 1
prions.ku 11.05.2017
1. Habe ich das richtig verstanden?
Lese ich dies richtig, im vorliegenden Fall wird durch eine Person eine vorgefertigte Liste aller in Frage kommenden Kandidaten vorgelegt und die Stimmberechtigten haben nur die Möglichkeit, en Bloc mit "ja" oder mit "nein" zu stimmen. Falls dem so ist, ein tolles Beispiel für eine aufrichtige Personalauswahl durch den Präsidenten dieser ach so honorigen Gesellschaft!
lookinside13012 11.05.2017
2. Was für ein Sumpf..
Es ist an der Zeit diese "Vereine" als das zu betrachten was sie sind! DFB,FIFA und UEFA sind kommerzielle Steuerhinterziehungmaschinen! Dieser Sumpf sollte endlich trockengelegt werden. Außerdem könnten diese milliardenschwere Kommerz- und Unterhaltungsindustrie längst selber die Kosten übernehmen,welche sie der Gesellschaft,beispielsweise durch Polizeieinsätze,aufbürden. Ethikkommission,das ich nicht lache....:(
henrymeier3 11.05.2017
3. Nur noch lächerlich,
was Herr Grindel hier abzieht. Er sollte zurücktreten.
jujo 11.05.2017
4. ...
Seit wann ist es "respektlos" gegenüber "Persönlichkeiten" (?) eine eigene Meinung zu haben, diese, in diesem Fall, durch Wahlverhalten deutlich zu machen. Der Mann war mal im Bundestag, oder war es die DDR Volkskammer oder der chinesische Volkskongress, das ist nur noch zum Femdschämen.
kuschl 11.05.2017
5. FIFA und Ethik
FIFA und Ethik, das beißt sich doch per se schon mal. Aufklärer sind nicht erwünscht. Die Funktionärselite möchte weiter vor sich hin mauscheln.
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