DFB-Präsidium tagt Zwanziger bleibt, die Schiedsrichter-Affäre auch

Theo Zwanziger ist bereit für eine dritte Amtszeit als DFB-Präsident. Der 65-Jährige will vor allem die Frauenfußball-WM noch als Verbandsboss erleben. Zuvor wartet allerdings noch die Aufarbeitung der DFB-Schiedsrichteraffäre auf ihn.

DFB-Boss Zwanziger: "Die Tendenz ist da" zum Weitermachen
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DFB-Boss Zwanziger: "Die Tendenz ist da" zum Weitermachen

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Am allerliebsten sieht sich Theo Zwanziger in der Rolle des Brückenbauers und des Versöhners. Aber jetzt hat es der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes DFB geschafft, selbst seine Familie zu spalten. Seine Söhne hätten ihm geraten, nicht für eine weitere DFB-Amtszeit zu kandidieren, seine Frau plädiere dagegen fürs Weitermachen, hat Zwanziger dem "Kicker" einen Tag vor der Sitzung des DFB-Präsidiums verraten. Und bei dieser Gelegenheit auch gleich durchblicken lassen, wessen familiären Rat er befolgen werde. "Die Tendenz ist da, erneut anzutreten", sagt er. Was ohnehin alle erwartet hatten. Zwanziger macht weiter und wird damit auch die schwelende Schiedsrichter-Affäre des DFB nicht los.

Amtsmüdigkeit hatte Zwanziger im Nachklang der Weltmeisterschaft angedeutet, von einer Phase des Nachdenkens gesprochen, eine "tiefe Sehnsucht nach dem Privaten" formuliert. Im Umfeld des DFB hatte es aber spätestens nach der verspätet gelungenen Vertragsverlängerung mit Bundestrainer Joachim Löw wenig Zweifel daran gegeben, dass Zwanziger sich im Oktober beim DFB-Bundestag für drei weitere Jahre zur Wiederwahl stellen werde. Ihn reizt vor allem die Frauenfußball-WM 2011 im eigenen Land, zudem sieht er mit einem Trainer Löw und dessen jungem Nationalteam genug Perspektiven, um sich 2012 oder spätestens 2014 doch noch als Präsident mit einem wichtigen Turniersieg zu schmücken.

Zuvor warten allerdings die Aufräumarbeiten des Schiedsrichter-Skandals aus dem Frühjahr. Zwanziger zeigte sich noch zuletzt angefasst von dem Vorwurf, er habe die Affäre um den ehemaligen DFB-Funktionär Manfred Amerell in der Öffentlichkeit schlecht gemanagt. Seine frühe Festlegung zugusten des vermeintlichen Opfers Michael Kempter hat nicht nur Amerell zum medial wirkungsvollen Widerspruch provoziert. Sie hat, so die Kritik, auch mit dazu beigetragen, dass die Affäre bis heute juristisch unaufgearbeitet ist.

Amerell will Schadenersatz vom DFB

Amerells rühriger Anwalt Jürgen Langer hat erst in dieser Woche allen Mitgliedern des DFB-Präsidiums die Forderung nach Schadenersatz für seinen Mandanten zukommen lassen. Bis zum 2. August hat das Amerell-Lager dem Verband Zeit gelassen, darauf zu reagieren. Danach werde man den Klageweg beschreiten. "Bisher haben wir überhaupt keine Signale erhalten, dass der DFB auf uns zukommen könnte", sagte Langer SPIEGEL ONLINE. Offiziell habe der DFB bisher nicht einmal mitgeteilt, ob das Thema überhaupt auf der Tagesordnung der Präsidiumssitzung vom Freitag steht.

Amerell und sein Anwalt sehen die Aufklärung der Affäre weiterhin als ungenügend an. So haben sie erst in dieser Woche darauf aufmerksam gemacht, dass der neue Schiedsrichter-Boss Herbert Fandel früher über die Affäre um Amerell und Kempter informiert war als bisher bekannt.

Demnach hatte Fandel schon im Januar den damaligen Schiedsrichter-Obmann Volker Roth gedrängt, die Vorwürfe der sexuellen Nötigung gegen Amerell der DFB-Führung zu melden. Roth wusste bereits seit Dezember 2009 davon, weil Kempter sich ihm offenbart hatte. Trotzdem ließ er die Affäre über Wochen unbearbeitet liegen und informierte auch Zwanziger nicht darüber. "Nachdem ich erfahren hatte, dass Kempter bei Roth gewesen war, habe ich zu Roth gesagt, dass das gemeldet werden muss. Und wenn er es nicht melden würde, dann würde ich das machen", hat Fandel die Informationen Langers bestätigt.

Der frühere Fifa-Referee Fandel, der nach dem Rücktritt Roths im Mai das Schiedsrichterwesen gänzlich neu ordnen soll, hat aber nicht nur die Amerell-Affäre noch auf dem Agenda. In dieser Woche wurde ein neuer Missbrauchsfall bei einem Schiedsrichter-Lehrgang publik. Demnach sollen in der Hermann-Neuberger-Sportschule im Saarland sieben Lehrgangsteilnehmer einen anderen Schiedsrichter mit einer Trinkflasche sexuell missbraucht haben. Der Betroffene, der sich nicht habe zur Wehr setzen können, weil er betrunken war, hat mittlerweile Strafanzeige gestellt. Fandel kündigte ein hartes Durchgreifen an. "Jemand, der anderen Schäden zufügt oder dabei zusieht, kann kein Schiedsrichter mehr sein", so Fandel.

Mit Material von dpa und sid

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Seite 1
Rudolf-63, 29.07.2010
1. Er sollte in Rente gehen!
Zitat von sysopTheo Zwanziger ist bereit für eine dritte Amtszeit als DFB-Präsident. Der 65-Jährige will vor allem die Frauenfußball-WM noch als Verbandsboss erleben. Zuvor wartet allerdings noch die Aufarbeitung der DFB-Schiedsrichteraffäre auf ihn. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,709042,00.html
So wie er in seiner aktuellen Amtszeit agierte (Trainerkrise, Schiedsrichterskandal), sollte er selbstkritisch genug sein und den Platz für intellektuell und moralisch frischere Kräfte freimachen. Aber wer erwartet von Herrn Zwanziger schon eine realistische Selbsteinschätzung? Er meint sicher unersetzlich zu sein, aber er ist nicht nur verzichtbar, sondern schlicht überflüssig (so wie Herr Blatter bei der FIFA). Die Frauen WM kann er dann ja gerne als Coach für die Ballmädchen/-jungen bestreiten.
DerBlicker 29.07.2010
2. das lag nicht an Zwanziger
Zitat von Rudolf-63So wie er in seiner aktuellen Amtszeit agierte (Trainerkrise, Schiedsrichterskandal), sollte er selbstkritisch genug sein und den Platz für intellektuell und moralisch frischere Kräfte freimachen. Aber wer erwartet von Herrn Zwanziger schon eine realistische Selbsteinschätzung? Er meint sicher unersetzlich zu sein, aber er ist nicht nur verzichtbar, sondern schlicht überflüssig (so wie Herr Blatter bei der FIFA). Die Frauen WM kann er dann ja gerne als Coach für die Ballmädchen/-jungen bestreiten.
eine Trainerkrise gab es nicht, es gab nur unverschämte Forderungen von Herrn Bierhoff, die Hr. Zwanziger zurecht abgelehnt hat, Es gab auch keinen Schiedsrichterskandal, sondern eine Affäre Amarell, der ist bekanntlich lange weg, damit ist das Thema durch. Täter Amarell wird vom DFB sowieso keinen Cent sehen, dafür gibt es keine Grundlage.
Rudolf-63, 30.07.2010
3. "BILD"-Leser wissen halt mehr
Zitat von DerBlickereine Trainerkrise gab es nicht, es gab nur unverschämte Forderungen von Herrn Bierhoff, die Hr. Zwanziger zurecht abgelehnt hat, Es gab auch keinen Schiedsrichterskandal, sondern eine Affäre Amarell, der ist bekanntlich lange weg, damit ist das Thema durch. Täter Amarell wird vom DFB sowieso keinen Cent sehen, dafür gibt es keine Grundlage.
Wer's glaubt wird selig! Ich sehe das mit Verlaub etwas anders, denn Bierhoff hin, Amarell her, Herr Zwanziger hat beide Fälle unprofessionell in die Öffentlichkeit gezerrt. Ist das in Ordnung? Klar, der Präsident muss sich auch für die Amateure im DFB einsetzen, doch muss er selber einer sein? Ich meine nicht und damit stehe ich sicher nicht allein. Aber vielleicht messen wir dem offensichtlich überbewerteten Herrn Zwanziger gar zu viel Bedeutung bei. Aufgrund der überschaubaren Zahl an Kommentaren zum SOL-Artikel zeigt sich, wie egal Herr Zwanziger den meisten Lesern wohl ist.
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