DFB Sammer wird Sportdirektor, Schlappe für Klinsmann

Das DFB-Präsidium hat entschieden: Matthias Sammer wird zum 1. April neuer Sportdirektor. Nach der WM will der Verband Bernhard Peters dazuholen. Ob Jürgen Klinsmanns Wunschkandidat dann allerdings zur Verfügung steht, ließ er auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE offen.


Frankfur am Main - Sammers Vertrag soll nach Angaben des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) eine Laufzeit von fünf Jahren haben. Darauf verständigte sich das DFB-Präsidium bei seiner außerplanmäßigen Sitzung heute Nachmittag in der Verbandszentrale in Frankfurt am Main. Sammer stand als Spieler für den VfB Stuttgart, Inter Mailand und Borussia Dortmund auf dem Platz. Als Trainer arbeitete er nach seiner aktiven Karriere für Borussia Dortmund und den VfB Stuttgart.

Sportdirektor Sammer: Talentförderung des DFB optimieren
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Sportdirektor Sammer: Talentförderung des DFB optimieren

"Es ist eine tolle Herausforderung für mich, meine eigenen Erfahrungen in die Nachwuchsarbeit einbringen und dabei neue Impulse für den Fußball setzen zu können", erklärte Sammer, der ein umfangreiches Aufgabengebiet übernehmen wird.

Er soll als Junioren-Cheftrainer für alle Nationalmannschaften bis zur U20 fungieren, den DFB-Nachwuchstrainerstab leiten und die Talentförderung optimieren. Außerdem soll Sammer in enger Abstimmung mit Bundestrainer Klinsmann eine einheitliche Spielphilosophie für alle Junioren-Teams umsetzen, heißt es in einer DFB-Erklärung. Für die Mehrzahl dieser Aufgaben hatte Klinsmann Hockey-Bundestrainer Peters vorgesehen. Klinsmann hatte sich im Vorfeld klar für Peters ausgesprochen, aber auch klar gemacht, dass ein Scheitern seines Planes keine persönlichen Konsequenzen nach sich ziehen werde.

"Es ist enttäuschend, dass unserem Konzept mit Bernhard Peters keine Rechnung getragen wurde. Es wurde nicht über Inhalte gesprochen, sondern nur über Köpfe entschieden", sagte Klinsmann der dpa. "Es ist klar, wir akzeptieren die Entscheidung, aber wir teilen sie nicht. Wir schlucken diese Pille und werden uns nur noch mit sportlichen Dingen Richtung WM beschäftigen." Die Vorfreude auf die Zusammenarbeit mit Sammer hielt sich beim Bundestrainer in Grenzen. "Mit Sicherheit werden wir jetzt auch mit Matthias Sammer reden, auch wenn uns da einiges zuletzt nicht gepasst hat."

Auch Teammmanager Oliver Bierhoff war enttäuscht. "Erstmals ist das Präsidium unserem Wunsch leider nicht nachgekommen. Man kann das ruhig als Niederlage für uns bezeichnen", gestand er.

Eine zusätzliche Verpflichtung von Peters ist aber weiter möglich. "Der DFB wird Bernhard Peters zum 1. Oktober 2006 ein Angebot machen, um sein Wissen und sein Können aus dem Elitebereich eines anderen Sportverbandes zu nutzen", hieß es in einer DFB-Mitteilung. Ob Peters dann allerdings zur Verfügung steht ist fraglich. "Ich muss mir das jetzt erstmal in Ruhe überlegen", sagte Peters SPIEGEL ONLINE.

Außerdem bedauerte er in einer vom DFB verbreiteten Pressemitteilung, dass "das DFB-Präsidium nicht meinem Konzept, das ich gemeinsam mit der sportlichen Leitung der Fußball-Nationalmannschaft entworfen habe, gefolgt ist". Leider habe man sich gegen sein langfristiges systematisches Konzept und für den bekannteren Fußballkopf entschieden.

Der Geschäftsführende DFB-Präsident Theo Zwanziger betonte ausdrücklich, dass Sammer "kein Ersatz-Bundestrainer" ist. "Wir haben mit ihm nicht nur eine Persönlichkeit, die aus dem Fußball kommt, sondern eine, die dort auch für Innovation steht. Ich habe in Gesprächen mit ihm gespürt, mit welchem Eifer er bei der Sache ist", erklärte Zwanziger.

Hochzufrieden mit dieser Entscheidung ist Werner Hackmann, Präsident der Deutschen Fußball-Liga: "Wir haben uns von der Liga vehement dafür eingesetzt, dass die Position mit Matthias Sammer besetzt wird. Wir haben uns aber auch dafür eingesetzt, dass Bernhard Peters gewonnen wird, weil es wichtig ist, sich neuen Impulsen zu öffnen. Wir denken, dass Sammer sehr wohl Konzepte umsetzen wird. Und für die Liga ist es wichtig, dass diese Konzepte auch mit Akzeptanz umgesetzt werden. Akzeptanz in der Bundesliga und gerade in Verbindung mit den Leistungszentren ist ganz entscheidend."

Der DFB entschied außerdem, ein neues sportliches Leitungsgremium zu bilden, dem neben Klinsmann, dessen Assistenten Joachim Löw, Sportdirektor Sammer und U-21-Coach Dieter Eilts auch DFB-Chefausbilder Erich Rutemöller angehören. Das zentrale Gremium wird von Manager Bierhoff geleitet, dessen Funktion damit weiter aufgewertet wird.

Das DFB-Präsidium bekräftigte heute, auch nach der WM (9. Juni bis 9. Juli) im Sommer mit Klinsmann als Bundestrainer weiter arbeiten zu wollen, "soweit das sportliche Ergebnis der WM dies zulässt".

Pavo Prskalo/sid/dpa



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