Relegationsskandal: DFB verhängt Rekordstrafe gegen Kobiaschwili

Das Sportgericht des DFB hat Levan Kobiaschwili bis zum Ende des Jahres gesperrt. Der Hertha-Kapitän hatte den Schiedsrichter Wolfgang Stark nach der Skandal-Relegationspartie gegen Fortuna Düsseldorf körperlich attackiert. Bei der Verhandlung gestand der Georgier seine Tat.

Hertha-Kapitän Kobiaschwili: Strafe für Schiedsrichter-Attacke Zur Großansicht
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Hertha-Kapitän Kobiaschwili: Strafe für Schiedsrichter-Attacke

Hamburg - Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bunds (DFB) hat harte Strafen gegen die angeklagten Hertha-Profis ausgesprochen. Demnach wird Hertha-Kapitän Levan Kobiaschwili, der zugab, Schiedsrichter Wolfgang Stark angegriffen zu haben, bis zum 31. Dezember 2012 gesperrt. Bis dahin darf er weder Pflicht- noch Freundschaftsspiele für Hertha absolvieren.

"Ich werde dieses Urteil akzeptieren, damit ich weiter Fußball spielen kann. Meine Familie und ich haben in der letzten Zeit sehr gelitten, daher bin ich jetzt sehr froh, dass das Verfahren abgeschlossen ist", sagte Kobiaschwili. Sein Vertrag in Berlin läuft noch bis Ende Juni 2013. Die Rückrunde der kommenden Saison könnte der fast 35-Jährige damit noch für die Hertha spielen.

Torhüter Thomas Kraft muss vier Spiele pausieren. Andre Mijatovic wurde mit drei Spielen Sperre belegt. Auch diese beiden hatten ihre Verfehlungen zugegeben. Das Urteil gegen Christian Lell, dem vorgeworfen wird, den Düsseldorfer Assani Lukimya-Mulongoti angespuckt zu haben, wurde noch nicht gesprochen. Damit ist laut DFB aber noch in dieser Woche zu rechnen.

Sowohl bei Kobiaschwili als auch bei Kraft und Mijatovic blieb das Gericht unter den Forderungen des DFB-Kontrollausschusses. Der hatte für Kobiaschwili ein Jahr, für Kraft fünf und für Mijatovic vier Spiele Sperre gefordert. Gegen die Strafanträge hatte Hertha Einspruch eingelegt.

Sportgericht berücksichtigt Kobiaschwilis Geständnis

"Wir haben uns gemeinsam mit unseren Spielern unter Berücksichtigung der Sachverhalte und einer rechtlichen Einschätzung dazu entschlossen, diese Strafen zu akzeptieren. Damit ist das Sportgerichtsverfahren für die Spieler abgeschlossen, und wir können uns auf die neue Saison konzentrieren", sagte Herthas Manager Michael Preetz. In welcher Liga die Berliner spielen werden, steht allerdings noch nicht endgültig fest. Nach wie vor offen ist, ob der Club vor dem Ständigen Schiedsgericht gegen die Wertung des Relegations-Rückspiels Einspruch einlegt.

"Bei der Bemessung der Sperre für Lewan Kobiaschwili wurde insbesondere sein Geständnis berücksichtigt, das auch auf das Strafverfahren und einen möglichen Zivilrechtsstreit ausstrahlen kann", sagte Hans E. Lorenz, der Vorsitzende des DFB-Sportgerichts. Referee Stark hatte Kobiaschwili noch in der Schiedsrichterkabine wegen Körperverletzung angezeigt.

Kobiashwili hatte nach der Skandal-Relegationspartie gegen Fortuna Düsseldorf Stark auf dem Treppenabgang des Spielertunnels von hinten mit einem Faustschlag am Hinterkopf getroffen. Stark hatte von einer regelrechten "Hetzjagd" auf das Schiedsrichtergespann und üblen Beschimpfungen seitens der Berliner Spieler berichtet.

Für einen so langen Zeitraum wurde in der Bundesliga-Geschichte noch nie ein Spieler wegen einer Tätlichkeit aus dem Verkehr gezogen. Timo Konietzka hatte in der Saison 1966/1967 eine Sperre von sechs Monaten erhalten.

Der DFB-Kontrollausschuss hatte auch für den Düsseldorfer Andreas Lambertz zwei Spiele Sperre gefordert. Der Fortuna-Profi hatte nach der Partie auf dem Rasen ein bengalisches Feuer in der Hand gehalten. Lambertz, der die Sperre akzeptiert hat, muss auch eine Geldstrafe in Höhe von 5000 Euro zahlen.

bka/sid/dpa

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insgesamt 142 Beiträge
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1. Obwohl
zickezackehoihoihoi 04.06.2012
Zitat von sysopREUTERSDas Sportgericht des DFB hat Levan Kobiaschwili bis zum Ende des Jahres gesperrt. Der Hertha-Kapitän hatte den Schiedsrichter Wolfgang Stark nach der Skandal-Relegationspartie gegen Fortuna Düsseldorf körperlich attackiert. Bei der Verhandlung gestand der Georgier seine Tat. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,836818,00.html
mir beide Mannschaften eigentlich egal sind, beschleicht mich das Gefühl, dass Hertha bestraft wird und Düssledorf ungeschoren aus der Sache rauskommt. Bin mal gespannt, ob es wenigstens noch einen saftigen Punktabzug für die Fortuna gibt. Weil irgendwie kann man das in der Form eigentlich nicht stehen lassen.
2.
scholi3 04.06.2012
Zitat von zickezackehoihoihoimir beide Mannschaften eigentlich egal sind, beschleicht mich das Gefühl, dass Hertha bestraft wird und Düssledorf ungeschoren aus der Sache rauskommt. Bin mal gespannt, ob es wenigstens noch einen saftigen Punktabzug für die Fortuna gibt. Weil irgendwie kann man das in der Form eigentlich nicht stehen lassen.
Hm, der neue DFB Präsident ist bekennender Fortuna Fan... aber diese Gedankengänge sind bei einer demokratischen und offenen Organisation wie dem DFB nicht angebracht!
3. Klare Linie
logikerhh 04.06.2012
Zitat von zickezackehoihoihoimir beide Mannschaften eigentlich egal sind, beschleicht mich das Gefühl, dass Hertha bestraft wird und Düssledorf ungeschoren aus der Sache rauskommt. Bin mal gespannt, ob es wenigstens noch einen saftigen Punktabzug für die Fortuna gibt. Weil irgendwie kann man das in der Form eigentlich nicht stehen lassen.
Ich denke, man sollte diese zwei Ereignisse unabhängig voneinander bewerten: Der Angriff auf einen Schiedsrichter wurde auch in der Vergangenheit immer konsequent hart geahndet. Man denke daran, dass für einen Becherwurf eines Bierbechers auf St. Pauli zuerst ein komplettes Geisterspiel angedacht war weil ein Linienrichter getroffen wurde, während Fankrawalle nach Spielende in Frankfurt im Stadion mit zahlreichen Verletzten erheblich milder bestraft wurde. Insofern ist diese Strafe lediglich konsequentes Handeln. Sie besagt "wer sich mit dem Schiedsrichter anlegt, der wird hart bestraft". Es sagt nichts darüber aus, wie andere Fankrawalle bewertet werden. Zumal der Platzsturm der Düsseldorfer kaum unter "Krawall" laufen kann, da er komplett friedlich verlief - wenn man mal von den Bengalos auf dem Platz absieht, aber die sind ja eh ein Thema für sich und werden ja vermutlich vom Gericht auch noch einmal behandelt werden.
4. stein und bein
mussdochnichtsein 04.06.2012
hat er geschworen, mitglieder des präsidiums haben sich weit aus dem fenster gehangen, haben bestritten nun hat also doch europas fairster spieler zugeschlagen, vermutlich natürlich in todesangst und leichenblass mit zitternden knien
5. Konzessionsentscheidung
Der_Mahner 04.06.2012
Ein lächerliches Urteil, das eher die Hertha ruhigstellen soll. Ein Spieler, der einen Schiedsrichter tätlich angreift, hat für deutlich länger nichts mehr auf dem Platz verloren als diese Kasperl-Strafe. Aber die ganze DFB-Gerichtsbarkeit stinkt zum Himmel, warum soll es hier anders sein?
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