Angestellt oder selbstständig Schiedsrichter scheitert mit Klage gegen DFB

Schiedsrichter sind keine regulären Arbeitnehmer. Nach einem Urteil des hessischen Landesarbeitsgerichts muss der DFB seine Profi-Schiris nicht fest anstellen.

Der ehemalige Schiedsrichter Malte Dittrich
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Der ehemalige Schiedsrichter Malte Dittrich


Dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) bleibt eine teure Neuordnung seines Schiedsrichter-Wesens erspart. Der langjährige Drittliga-Referee und Bundesliga-Assistent Malte Dittrich ist vor dem Landesarbeitsgericht Hessen erneut mit seiner Klage gegen den größten Sportfachverband der Welt gescheitert.

Dittrich hatte zwar angekündigt, bei einer Abweisung der Klage vor dem Bundesarbeitsgericht (BAG) in Berufung gehen zu wollen, eine Revision ließ die Kammer jedoch nicht zu. Das Urteil ist damit rechtskräftig.

Der 35-Jährige Dittrich versuchte seit 2015 auf dem Rechtsweg durchzusetzen, dass Schiedsrichter beim DFB als feste Angestellte und nicht als Selbstständige geführt werden und deshalb auch nicht - wie in seinem Fall geschehen - von einer Saison zur nächsten nicht mehr im Profibereich angesetzt werden können.

Das Landesarbeitsgericht entschied aber wie schon das Arbeitsgericht Frankfurt 2016 in erster Instanz: Der geschlossene Vertrag zwischen dem DFB und einem Schiedsrichter in der Ersten, Zweiten und Dritten Liga sei "kein Arbeitsvertrag, sondern nur eine Rahmenvereinbarung". Dittrich sah auch diese "Kettenarbeitsverträge" als unzulässig an und forderte ein unbefristetes Arbeitsverhältnis für sich und seine Kollegen.

Dittrich hatte zwischen 2006 und 2015 64 Spiele der 3. Liga geleitet, war mehr als 100-mal als Assistent an der Linie in der 2. Bundesliga und als Vierter Offizieller in der Bundesliga im Einsatz. Im Juni 2015 war sein Jahresvertrag nicht verlängert worden.

krä/dpa/sid



insgesamt 3 Beiträge
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sielmann 15.03.2018
1. ist das dann nicht Scheinselbständigkeit?
Wenn die Argumentation dahin geht, dass es eine Rahmenvereinbarung ist und ich bei einem Profischiedsrichter unterstelle, dass der DFB der einzige Auftraggeber ist, handelt es sich dann nicht um Scheinselbständigkeit? Wie auch immer, wieder ein schönes Beispiel dafür, dass vom Leistenden maximale Flexibilität gefordert, aber vom Beauftragenden keine Verbindlichkeit entgegengebracht wird... Sehr traurig...
fx33 15.03.2018
2. Scheinselbständigkeit
Da der Selbständige nur für einen Auftraggeber gearbeitet hat und es auch keinen anderen Auftraggeber gibt, für den er abreiten könnte, liegt nach strenger Auslegung eigentlich eine Scheinselbständigkeit vor, da der Auftragnehmer keine Entscheidungsfreiheit über seine Auftraggeber hat. Wenn das an anderer Stelle passiert (z.B. Webdesigner arbeit als Freelance länger als ein Jahr nur für eine für eine Agentur), dann ist aber der Staat schnell zur Stelle und unterstellt Scheinselbständigkeit und klagt rückwirkend Steuern und Sozialabgaben ein. Nur der heilige Fußball, der bekommt mal wieder seine Extrawurst. Wie die Kirchen. Ist Fußball inzwischen in den Rang einer anerkannten Religionsgemeinschaft aufgestiegen?
wdiwdi 15.03.2018
3. Himmel, das war für ihn Nebenberuf...
wie andere Medien berichten. Er war kein Vollzeit-Profischiedsrichter (obwohl er Profispiele gepfiffen hat - aber da waren die Spieler die Profis, nicht er). Wenn eine langjährige nebenberufliche Tätigkeit mit Aufwandsentschädigung Scheinselbständigkeit begründen soll, wie andere Poster hier fabulieren, dann hätte das drastische Konsequenzen für Freizeitsporttrainer, niederes Parteivolk, Volkshochschulreferenten, etc. --- überall wo es eine Kleinigkeit auf die Hand gibt, würden sich massenhaft Leute einklagen, die man dann nie mehr loswird...
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