DFB-Schiedsrichterskandal Amerell zeigt sich selbst an

Nächste Runde im Streit zwischen dem Deutschen Fußball-Bund und Manfred Amerell: Der ehemalige Schiedsrichter-Funktionär hat Selbstanzeige beim DFB erstattet. Er erhofft sich damit eine öffentliche Klärung der Vorwürfe, die der Referee Michael Kempter gegen ihn erhebt.

Ehemaliger DFB-Funktionär Amerell: Selbstanzeige beim DFB
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Ehemaliger DFB-Funktionär Amerell: Selbstanzeige beim DFB


Hamburg - Die Auseinandersetzungen zwischen dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und dem ehemaligen Schiedsrichter-Funktionär Manfred Amerell nehmen kein Ende. Amerell hat am Mittwoch Selbstanzeige beim DFB-Kontrollausschuss erstattet. Damit reagierte er auf eine Aussage von DFB-Präsident Theo Zwanziger, der für eine Sperre des früheren Schiedsrichter-Beobachters durch den Kontrollausschuss des Verbandes plädiert hatte. Zwanziger wollte damit offenbar verhindern, dass Amerell, dem vom früheren Fifa-Referee Michael Kempter sexuelle Belästigung vorgeworfen wird, wieder in ein Ehrenamt des DFB zurückkehren kann.

"Bis zum heutigen Tage ist keine Anzeige gegen mich erfolgt. Weder der DFB-Präsident noch der DFB-Kontrollausschuss haben offensichtlich die Courage, ein Verfahren gegen mich einzuleiten. Um der öffentlichen Kampagne gegen mich entgegenzuwirken, habe ich mich dazu entschlossen, heute Selbstanzeige beim DFB-Kontrollausschuss zur Klärung noch offener Fragen zu erheben", sagte Amerell. Der 64-Jährige will nach Aussage seiner Anwälte mit der Selbstanzeige die ihm vorgeworfenen Amtspflichtverletzungen einer sportrechtlichen Klärung zuführen. DFB-Sprecher Ralf Köttker teilte allerdings am Abend mit, bisher sei noch keine Anzeige beim Kontrollausschuss eingegangen.

Am Dienstag hatte Amerell noch eine juristische Niederlage hinnehmen müssen. Das Landgericht Hechingen, vor dem der DFB-Schiedsrichterskandal derzeit verhandelt wird, hat ein Ablehnungsgesuch des Klägers Amerell gegen die Richter als "unbegründet" zurückgewiesen. Wie das Landgericht mitteilte, fasste die 1. Zivilkammer bereits am 20. April einen entsprechenden Beschluss. Damit wird eine Entscheidung im dem für viel Furore sorgenden Rechtsstreit wie bislang terminiert am 12. Mai verkündet.

Es lägen keine Tatsachen oder Umstände vor, die "vom Standpunkt des Ablehnenden aus bei vernünftiger Betrachtung die Befürchtung wecken" könnten, "die Richter stünden der Sache nicht unvoreingenommen und damit nicht unparteiisch gegenüber", heißt es in der Pressemitteilung. Der ehemalige Schiedsrichter-Funktionär Amerell hatte beim Landgericht Hechingen ein Ablehnungsgesuch gegen alle drei Richter gestellt. Einzelheiten zum Fortgang des Verfahrens sollen gesondert bekanntgegeben werden.

Der frühere Bundesliga-Referee Michael Kempter wirft Amerell, einst Schiedsrichter-Sprecher beim Deutschen Fußball-Bund, sexuelle Belästigung vor. Amerell bestreitet das und verlangt von Kempter 150.000 Euro Schadensersatz wegen Verletzung seiner Persönlichkeitsrechte. Der erste Prozesstag in dem Verfahren war am 10. Februar ohne Urteil zu Ende gegangen.

Im Zentrum des Falles steht die Frage, ob die intimen Kontakte zwischen dem 28-jährigen Kempter und dem 36 Jahre älteren Amerell einvernehmlich waren oder ob sie unter dem Druck des ehemaligen Schiedsrichter-Funktionärs zustande gekommen waren. Der Fall hatte vor einem Jahr den DFB-Schiedsrichterskandal ausgelöst.

aha/sid/dpa

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