DFB-Sieg in Nordirland Qualifikations-Weltmeister

Die WM-Teilnahme ist souverän erreicht. Für Bayern-Spieler erweist sich die Nationalelf als Wellness-Therapie. Und Joshua Kimmich bewegt sich auf den Spuren von Berti Vogts. Alles Wichtige zum Spiel.


Souveräner Titelverteidiger: Neun Spiele, neun Siege, 38 Tore bei zwei Gegentreffern. Mit beeindruckender Dominanz pflügt die deutsche Nationalmannschaft durch die WM-Qualifikation. Lohn der Arbeit? Die frühzeitige Teilnahme an der WM in Russland 2018.

Das Ergebnis: Nordirland konnte nicht mit Deutschland mithalten. Mit einem klaren 3:1 (2:0)-Auswärtserfolg wahrt die DFB-Elf ihre weiße Weste. Hier geht's zum Spielbericht.

2 von 19: Im Laufe der Ausscheidungsrunde trafen 19 unterschiedliche Spieler für den DFB, Höchstwert unter allen europäischen WM-Qualifikanten. Gegen Nordirland erbrachten die Torschützen Sebastian Rudy und Sandro Wagner den Beweis, dass die Deutschen über zahlreiche Kader-Optionen verfügen.

Der "Experten-Fluch": Vor dem Spiel überraschte RTL-Sidekick Jens Lehmann gleich doppelt. Zuerst sorgte sein Tipp (1:1) bei dem einen oder anderen für Verwunderung. Anschließend bemängelte er die Leistung von Marvin Plattenhardt beim vorangegangen Qualifikationsspiel. Dumm nur, dass sich der ehemalige Nationaltorhüter nicht nur an den Gegner nicht mehr korrekt erinnerte ("Schlechtes Erlebnis in Norwegen oder Schweden..."), sondern auch, dass Plattenhardt dort gar nicht mitgewirkt hatte.

Spielverlauf: In der ersten Hälfte dominierte die DFB-Auswahl nach Belieben. Sebastian Rudy besorgte mit einem sehenswerten Außenrist-Schuss aus 20 Metern die frühe Führung (1. Minute). Sandro Wagner verpasste zunächst noch das 2:0 mit einem Pfosten-Kopfball (17.), ehe er aus 17 Metern doch traf (21.). Kurz vor der Pause scheiterte Correy Evans bei der ersten Chance des Heimteams aus fünf Metern an Marc-André ter Stegen (40.). Im zweiten Durchgang agierten die Nordiren offensiver. Doch Kimmich traf aus spitzestem Winkel zum 3:0 (86.). Nachdem Conor Washington deutlich aus zwölf Metern verzog (77.), köpfte Josh Magennis noch den verdienten Ehrentreffer (90.+3).

"Wohlfühloase DFB": Nach einer turbulenten Woche (inklusive deftiger PSG-Pleite und plötzlichem Trainerrauswurf), die durchaus am bajuwarischen Selbstverständnis gekratzt haben dürfte, war den Spielern des FC Bayern im Trikot der Nationalelf keinerlei Verunsicherung anzumerken. Jérôme Boateng feierte nach knapp einem Jahr DFB-Abstinenz ein souveränes Comeback an der Seite des soliden Mats Hummels. Thomas Müller brachte mit seinen unkonventionellen Laufwegen die nordirische Defensive ein ums andere Mal in Bredouille. Zudem traf Rudy per Traumtor nach 78 Sekunden. Der geschasste Trainer Carlo Ancelotti scheint derweil bereits einen neuen Arbeitsplatz gefunden haben...

Dauer(b)renner Kimmich: Der Fünfte im Bayern-Bunde, Joshua Kimmich, zählte zu den Aktivposten der Partie. Vor allem durch seine Flanken wurde er auffällig, beim 3:0 verdingte er sich als Präzisionsarbeiter. Die Vorarbeit zur Führung sprachen die Uefa-Statistiker Kimmich ebenfalls zu, was den Außenverteidiger zum besten Assistgeber in der laufenden WM-Qualifikation aufsteigen lässt. Dabei zählt er längst zu Löws Stammspielern, Verschnaufpausen gewährt der Bundestrainer ihm kaum. Nur bei seinem Debüt musste Kimmich nicht das gesamte Spiel auf dem Platz stehen, einzig Berti Vogts kann eine längere Serie vorweisen (zwischen März 1968 und April 1971 spielte er 34-mal hintereinander stets über 90 Minuten).

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DFB-Sieg gegen Nordirland: Der zähe Weg zum Gruppensieg



Enttäuschende Gastgeber: Und die Nordiren? Zeigten vor allem in der ersten Halbzeit herzlich wenig. Dabei waren sie mit einer breiten Brust ins Spiel gegangen: Zuvor hatten sie sechs der acht Qualifikationsspiele gewonnen, beim Hinspiel kassierte Michael McGovern seine einzigen beiden Gegentore. Im Rückspiel konnte auch der Torhüter die erste Pflichtspielniederlage der Nordiren im eigenen Stadion seit September 2013 nicht verhindern. Immerhin ließen sich die 20.000 Zuschauer in Belfasts Windsor Park nicht die Laune vermiesen, sie unterstützten ihr Team durchgehend und lautstark.

Nordirland - Deutschland 1:3 (0:2)
0:1 Rudy (2.)
0:2 Wagner (21.)
0:3 Kimmich (86.)
1:3 Magennis (90.+3)
Nordirland: McGovern - McLaughlin, Jonny Evans, McAuley, Hodson (46. Dallas), Chris Brunt - Norwood, Davis, Corry Evans (80. Saville) - Josh Magennis, Lafferty (69. Washington).
Deutschland: ter Stegen - Kimmich, Boateng, Hummels, Plattenhardt - Kroos, Rudy - Goretzka (67. Can), Draxler (72. Sané) - Müller (83. Stindl), Wagner.
Schiedsrichter: Makkelie (Niederlande)
Gelbe Karten: -/-
Zuschauer: 20.000 (ausverkauft)

insgesamt 36 Beiträge
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knightsde 06.10.2017
1. Lehmann
....sprach im Zusammenhang mit Plattenhardt nicht vom letzten Länderspiel, sondern vom Europapokalspiel seiner Hertha als internationalem Spiel, welches verloren wurde.
joG 06.10.2017
2. Es ist wunderbar...
....ein Spiel zu gewinnen. Ein wenig peinlich ist die Grösse der Freude aber vielleicht auch. Deutschland ist das mit Abstand grösste Land Europas. Nordirland ist ein Bundesland der UK und klein.
skeptikerjörg 06.10.2017
3. Erkenntnisse
Auf jeden Fall wurde gestern klar, warum Müller und Boateng in München derzeit nicht erste Wahl sind. Ok, Boateng hat ne Menge Rückstand und braucht Spiele, um wieder sicherer zu werden, aber Müllers Formkrise dauert schon über ein Jahr.
zhejianghz 06.10.2017
4. Deutschland...
Mit Abstand das größte Land in Europa? Spanien ist größer. Frankreich ebenso und auch die Ukraine. Meinen Sie vielleicht die Einwohnerzahl? Auch ist Nordirland kein Bundesland. Jeder Nordire wuerde Ihnen fuer einen solchen Kommentar auf die Nase hauen. Ich freue mich fuer unser Team. Gratulation!
peos_g 06.10.2017
5. Putzig!
Liebe Inge-P1, anscheinend befindet der Weltmeister- Trainer der deutschen Nationalmannschaft das „Mittelmaߓ einer Mannschaft für besser als die Spitzenkräfte des Tabellenführers. Wer weiß, wenn sich Herr Zorc ordentlich aufregt darf vielleicht auch einer seiner Schützlinge ran. P.S. Mit Müller kann ich Ihnern teilweise zustimmen.
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