DFB-Sportgericht Marko Rehmer wegen Dopings gesperrt

Herthas Ex-Nationalspieler Marko Rehmer ist wegen Verstoßes gegen die Anti-Doping-Regeln für neun Spiele gesperrt worden. Rehmer war nach der Bundesligapartie bei 1860 München positiv getestet worden. Da es sich um einen Verfahrensfehler, nicht aber um ein Dopingvergehen handelt, bleiben die Spielwertungen in der Bundesliga bestehen.


Marko Rehmer (r.): "Ich habe einen Fehler gemacht"
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Marko Rehmer (r.): "Ich habe einen Fehler gemacht"

Berlin - Rehmer war Anfang Mai dieses Jahres wegen einer Kieferverletzung ohne Wissen seines Vereins und seines Mannschaftsarztes von einem Hals-Nasen-Ohrenarzt mit einem Medikament behandelt worden, das das Glukokortikosteroid Betamethason enthielt. Ein entsprechender Befund war bei der Dopingkontrolle beim Bundesligaspiel zwischen München 1860 und Hertha BSC Berlin am 15. Mai (1:1) aufgetreten.

Rehmer war in der 77. Minute für Pal Dardai eingewechselt worden. Durch das 1:1 nach 90 Minuten hatte der Hauptstadt-Club den Klassenerhalt vorzeitig perfekt gemacht, 1860 musste eine Woche später den bitteren Gang in die zweite Liga antreten.

Die lokale Anwendung des Wirkstoffs ist erlaubt, allerdings hätte Rehmer die Einnahme der Nationalen Antidopingagentur (Nada) über den DFB anzeigen müssen. Der Spieler hat dem Urteil zugestimmt, es ist damit rechtskräftig. Auswirkungen auf Spielwertungen der Bundesliga können sich nicht ergeben, da ein Einspruch nur bei einem Dopingvergehen, nicht aber bei einem bloßen Verfahrensfehler möglich ist.

Neben den neun Spielen in der Bundesliga darf Rehmer auch in anderen Pflichtspielen der Berliner nicht eingesetzt werden. Über arbeitsrechtliche und disziplinarische Konsequenzen will sein Verein am Wochenende entscheiden.

Wütender Hoeneß

Der Verein erfuhr von diesem Vorfall erst am 8. Juni durch die Mitteilung des DFB. Zum Schutz des Spielers in seinem laufenden sportgerichtlichen Verfahren bewahrte Hertha BSC Stillschweigen. In einer Stellungnahme missbilligt der Verein das Verhalten von Rehmer. "Der Spieler hat mit seinem leichtsinnigen und pflichtwidrigen Verhalten in erheblichem Maße gegen seine Pflichten aus dem Arbeitsvertrag und seine Pflichten als Berufssportler gegenüber dem Verband verstoßen", heißt es.

"Das ist auf das Schärfste zu verurteilen, denn Marko ist keine 18 mehr, sondern ein erfahrener Spieler, ein Nationalspieler, der die Tragweite nicht erkannt hat", schimpfte Hertha-Manager Dieter Hoeneß, der die Mannschaft am Freitag im Trainingslager in Österreich über den Fall informiert hatte. "Ich habe einen Fehler gemacht, weil ich es dem Arzt nicht gemeldet habe", räumte Rehmer ein, der nicht von einer Entlassung ausgeht: "Ich muss zwar neun Spiele abbrummen, will mich aber im Training reinhängen, damit ich der Mannschaft am zehnten Spieltag wieder helfen kann."

Einen ähnlichen Fall hatte es bereits vor zwei Monaten gegeben. Damals war Kay-Uwe Jendrossek vom Zweitligisten FC Erzgebirge Aue für sechs Spiele gesperrt worden. Der Profi hatte wegen einer Fußverletzung einen Wirkstoff erhalten, der nicht auf der Anti-Doping-Richtlinie des DFB steht, jedoch angezeigt werden muss. Das hatte Jendrossek ebenfalls versäumt.

Vor Rehmer und Jendrossek waren bereits elf Fußballer in den deutschen Ligen des Dopings überführt worden, neun wurden gesperrt. Zuletzt war Abwehrspieler Raymond Kalla vom VfL Bochum wegen des Verstoßes gegen die Durchführungsbestimmungen für drei Spiele gesperrt worden.

Zuvor waren Christian Schmid (SC Pfullendorf), Daniel Gomez (Alemannia Aachen), Ibrahim Tanko (Borussia Dortmund), Quido Lanzaat (Borussia Mönchengladbach), Roland Wohlfarth (VfL Bochum), Petr Kouba (1. FC Kaiserslautern), Holger Gehrke (MSV Duisburg) und Thomas Ziemer (1. FC Nürnberg) vom DFB mit Sperren belegt worden. Thomas Ernst (VfL Bochum) und Manuel Cornelius (Tennis Borussia Berlin) waren nicht gesperrt worden, weil sie die unerlaubten Substanzen nicht vorsätzlich eingenommen hatten.



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