DFB-Star Schweinsteiger: Die Rückkehr des Führungsspielers

Aus Charkiw berichtet

Vor dem Spiel gegen die Niederlande suchte er noch seine Form. Bei der Partie in Charkiw hat Bastian Schweinsteiger sie gefunden. Der Münchner war der Antreiber im Mittelfeld. Ihm kommt der neue Stil der Elf entgegen: bedachtes Aufbauspiel statt Hurra-Fußball.

DPA

Aus der Position der Stärke heraus fällt es leichter, Schwächen einzugestehen. Nach dem Sieg gegen die Niederlande, in dem er einer der Matchwinner war, hat Bastian Schweinsteiger sich jedes Triumphgefühl verkniffen. Vielmehr richtete der Münchner den Blick auf die vergangenen Wochen, als es nicht so gut für ihn lief. Erst bremsten ihn mehrere Verletzungen, dann kam die lange Suche nach der alten Topform. "Das war schwierig für mich. Ich hoffe, dass es damit jetzt vorbei ist", sagte er am Donnerstag.

Selbstkritisch und zurückgenommen - so präsentierte sich der 27-Jährige nach seinem nunmehr 92. Länderspiel. Einer Partie, die an den Schweinsteiger von der Weltmeisterschaft 2010 erinnerte, an das Turnier, bei dem der Mittelfeldspieler phasenweise mit Weltklasse-Leistungen überzeugte. Seit November des vergangenen Jahres, so Schweinsteiger nach dem Spiel, habe er immer wieder um den Anschluss kämpfen müssen, "ich habe immer gemerkt, dass der Körper weh tut, habe auch jetzt noch Probleme".

Seit Monaten habe er "den Schweinehund überwinden" müssen, in den Spielen "ging es dann irgendwie, sich zu präsentieren". So offen hatte der Bayern-Spieler in den vergangenen Wochen, in denen er sich stets als fit und gesund bezeichnet hatte, darüber noch nie gesprochen.

Die alte Präsenz ausgestrahlt

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Nationalspieler Schweinsteiger: Der Chef ist zurück
Gegen die Holländer strahlte Schweinsteiger wieder die Präsenz aus, die ihn groß gemacht hat. Seine beiden brillanten vorbereitenden Pässe zu den Treffern von Mario Gomez wollte er dabei gar nicht so entscheidend gewertet wissen: "Man sieht immer nur die Tore und die Vorlagen, aber genauso wichtig waren unsere Laufwege, dass wir defensiv wie eine Wand gestanden haben."

In den vergangenen Monaten waren diese Qualitäten der Mannschaft in der Bewertung etwas untergegangen. Die offensiven Fähigkeiten, das schöne Spiel - das war es, was die Öffentlichkeit wahrgenommen hat. "Aber bei einem Turnier ist die Defensive enorm wichtig. Es kommt derjenige weiter, der hinten gut steht", rückte Schweinsteiger die hinteren Regionen der Mannschaft wieder in den Fokus. Und damit wächst auch Schweinsteigers Verantwortung wieder - es war bezeichnend, dass er gegen die Niederlande im Mittelpunkt stand und nicht der Offensivkünstler Mesut Özil.

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DFB-Einzelkritik: Starker Schweinsteiger, cooler Khedira
Die Nationalmannschaft spielt bei dieser EM bislang einen realpolitischen Fußball. Kopffußball, dem Kalkül eher gehorchend als dem Rausch. Die Himmelsstürmer der Bundesliga wie Marco Reus oder Mario Götze sind derzeit weniger gefragt als die besonnenen Aufbaustrategen wie Schweinsteiger und Nebenmann Sami Khedira.

Den Blick schon aufs Dänemark-Spiel gerichtet

Sechs Punkte aus zwei Spielen gegen die Topteams aus Portugal und den Niederlanden - "das ist schon eine sehr starke Leistung", gestattete Bundestrainer Joachim Löw sich und dem Team ein kollektives Lob. Schweinsteiger richtet den Blick sofort wieder nach vorne: "Wir sind noch nicht durch. Gegen Dänemark wird es wieder schwierig, schließlich können auch sie sich mit einem Sieg noch qualifizieren."

Gegen die wackeren Skandinavier reicht dem DFB-Team am Sonntag in Lwiw (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) allerdings schon ein Unentschieden zum Gruppensieg. Das Team wird dabei zwangsläufig auf einer Position verändert: Rechtsverteidiger Jérome Boateng kassierte in der Partie gegen die Niederlande die zweite gelbe Karte und muss aussetzen.

Löw überlegte noch am Abend des Spiels in Charkiw die Variante, Kapitän Philipp Lahm auf rechts wechseln zu lassen und auf links dem Dortmunder Marcel Schmelzer eine Bewährungsprobe zu verschaffen. Aber auch der Leverkusener Lars Bender, auf den der Bundestrainer große Stücke hält, könnte seine Chance erhalten. Mit Benedikt Höwedes von Schalke 04 hätte Löw eine weitere Alternative für die rechte Seite zur Verfügung.

Wer am Sonntag auch auflaufen wird - nach Ansicht Schweinsteigers wird es den Rhythmus der Mannschaft in keiner Weise stören: "Wir haben keine gute Ersatzbank", hob er an, um dann, bevor sich jemand wunderte, zu ergänzen: "Wir haben eine sehr, sehr gute Ersatzbank." Von daher mache er sich darum "überhaupt keine Sorgen". Das gilt nach dem Auftritt gegen die Holländer auch für ihn selbst. Das Sorgenkind des Teams ist keines mehr.

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insgesamt 28 Beiträge
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1. acht Spieler von Bayern München im Spiel gegen Holland -
ulli7 14.06.2012
kein Wunder, dass die aufeinander eingespielt sind !
2. Die Steigerung
trick66 14.06.2012
Zitat von sysopDPAVor dem Spiel gegen die Niederlande suchte er noch seine Form. Bei der Partie in Charkiw hat Bastian Schweinsteiger sie gefunden. Der Münchner war der Antreiber im Mittelfeld. Ihm kommt der neue Stil der Elf entgegen: bedachtes Aufbauspiel statt Hurra-Fußball. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,838890,00.html
...von Schweinsteiger war - neben dem Sieg natürlich - wirklich die beste Nachricht des gestrigen Abends. In der Form der ersten Halbzeit kann man von unserer N11 noch viel erwarten.
3. taktisch sehr reif
peterg. 14.06.2012
ich fand schon das 1. Spiel gegen Portugal taktisch sehr gut, gestern aber eine Meisterleistung. In dieser Sauna 90 Minuten lang Hurrafußball zu spielen, kann absolut nach hinten losgehen.Da heisst es einteilen und gekonnt, punktuell zuschlagen! Die letzten 10 Minuten der Partie waren dann sehr reif und durchdacht: Ballkontrolle, Ecken rausholen und ins Leere laufen lassen. So kann das was werden und wenn Özil seine Momente auch noch umsetzen kann, Reuss, Schürle oder Götze frisch ins Spiel eingreifen können wenn sie gebraucht werden (Rückstand) dann haben wir alle Optionen offen!
4. Warum so viel Bayern?
ritotschka 14.06.2012
Schweinsteiger ist nicht der "Star". Gomez, für mich zu unrecht gescholten. Er soll Tore schießen, dass macht er. Er läuft nicht quer über das Feld, aber er ist zur richtigen Zeit am richtigen Platz.
5. @ Ulli
thokolosh 14.06.2012
Stimmt! Und einer der Besten gegen die Holländer war Robben.
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