DFB-Urteil zum Skandalspiel Hertha hat den Abstieg verdient

Das DFB-Sportgericht hat den Einspruch von Hertha BSC abgewiesen, das Skandalspiel bei Fortuna Düsseldorf wird wohl nicht wiederholt. Gut so, denn die Ausraster von Fans und Spielern müssen bestraft werden. Mit ihrer juristischen Taktiererei schaden sich die Berliner selbst.

Ein Kommentar von


Hertha BSC hat in dieser Bundesliga-Saison so manches Spiel unglücklich verloren. Mal haderten die Berliner mit dem Schiedsrichter, mal nutzten sie zahlreiche Torchancen nicht. Die Niederlage an diesem Montag vor dem DFB-Sportgericht dagegen war hochverdient. Es wird wohl kein Wiederholungsspiel der Skandalpartie bei Fortuna Düsseldorf geben. Es ist die einzig vernünftige Entscheidung.

Dass die Hertha angesichts des Abstiegs aus der 1. Bundesliga dagegen in Berufung geht, ist selbstverständlich legitim. Aber es passt ins Bild, das der Hauptstadtclub in dieser Spielzeit abgegeben hat. Der Noch-Bundesligist beraubt sich damit der letzten Chance, sein - zugegebenermaßen schweres - Schicksal in Würde zu akzeptieren. Stattdessen wird auf verlorenem Posten weiter gestritten, was kein gutes Bild abgibt.

Die Mannschaft von Hertha BSC ist nicht am vergangenen Dienstag in Düsseldorf abgestiegen, sondern hat sich den Abstieg durch eine desaströse Rückrunde (nur elf Punkte) im Zusammenspiel mit einem verhängnisvoll agierenden Management selbst zuzuschreiben. Dass das Team mit der Teilnahme an der Relegation gegen den Zweitliga-Dritten überhaupt noch eine weitere Chance erhielt, hatte Hertha ausschließlich dem noch verheerenderen Zustand des Mitkonkurrenten 1. FC Köln zu verdanken.

Eskalation ging von den Berliner Fans aus

Fotostrecke

24  Bilder
Relegationsspiel Berlin-Düsseldorf: Bis zum bitteren Ende
Statt dies als sportliche Gnade anzunehmen, haben sich die Berliner Mannschaft und ihre Fans im entscheidenden Spiel bei der Fortuna deutlich daneben benommen. Die Eskalation dieses Abends ging zuerst von den Hertha-Fans aus:

  • Sie waren es, die nach dem 2:1-Führungstreffer der Düsseldorfer Pyrotechnik zündeten, Bengalos aufs Spielfeld warfen und damit Spieler, Ordner und Schiedsrichter gefährdeten.
  • Es waren anschließend die Hertha-Profis, die laut Aussage von Schiedsrichter Wolfgang Stark während der Spielunterbrechung im Kabinengang und auch nach dem Schlusspfiff regelrecht ausrasteten, den Unparteiischen körperlich angriffen und verbal beleidigten.

Dass so ein Verhalten von den zuständigen Sportrichtern des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) belohnt werden würde, konnte selbst der blauäugigste Hertha-Fan nicht erwarten.

Dazu kam der kraftmeierische Auftritt des Hertha-Anwalts Christoph Schickhardt in der Verhandlung. Der Jurist wollte bei den Berliner Profis "Todesangst" erkannt haben, er warf mit Vokabeln wie "drohendem Blutvergießen" um sich - und verstieß damit grob gegen jede Verhältnismäßigkeit.

Der Platzsturm der Fortuna-Fans war ein Ereignis, das man nicht bagatellisieren darf, so wie es mancher Düsseldorfer Verantwortlicher versucht hat. Manager Wolf Werner etwa fabulierte von Fans, die aus purer Freude aufs Feld gerannt seien. Tenor: Die wollen doch nur mitspielen.

Blut-und-Ballsport-Rhetorik

Eine hohe Strafe für Düsseldorf bis hin zu einem Geisterspiel oder Punktabzug wäre angebracht. Doch Todesangst musste wegen der Aktionen der Fortuna-Fans niemand haben. Das Verhalten der Anhänger, die in der Nachspielzeit den Platz geflutet hatten, war respektlos, bestenfalls naiv. Und es spiegelt eine Anspruchshaltung wider, die viele Fußballfans mittlerweile kultivieren.

"Uns gehört der Verein, wenn die Spieler nicht spuren, rücken wir ihnen auf die Pelle", lautet das Motto. Doch das alles rechtfertigt in keiner Weise das überzogene Szenario, das Anwalt Schickhardt vor Gericht an die Wand malte. Mit seiner Blut-und-Ballsport-Rhetorik trat der Anwalt seiner Klientin, der alten Dame Hertha, keinen Gefallen.

Hertha BSC müsste jetzt vieles tun. Der Verein müsste

  • in einer schonungslosen Analyse die Fehler, nicht nur die der vergangenen Spielzeit, aufarbeiten,
  • sich ab sofort um neue Spieler für die zweite Liga kümmern,
  • sich bemühen, schnell eine tragfähige Mannschaft zu basteln, die in der Lage ist, um den Wiederaufstieg mitzuspielen.

Der Club, der mit Jos Luhukay immerhin schon einen Nachfolger für den scheidenden Aushilfscoach Otto Rehhagel verpflichtet hat, kann es sich schließlich angesichts seiner schlechten finanziellen Ausstattung nicht erlauben, jahrelang in der Zweitklassigkeit herumzudümpeln.

Doch stattdessen marschiert der Verein mit seinem wenig erfolgreichen Manager Michael Preetz an der Spitze in die nächste Instanz und verspielt ohne große Erfolgsaussichten Renommee und wertvolle Zeit für den Neuaufbau. Wenn es nach Preetz ginge, würde Hertha vom DFB wahrscheinlich noch eine Wiederholungssaison verlangen.

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 278 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
gruenerfg 21.05.2012
1. Fakten
Zitat von sysopDPADas DFB-Sportgericht hat den Einspruch von Hertha BSC abgewiesen, das Skandalspiel bei Fortuna Düsseldorf wird wohl nicht wiederholt. Gut so, denn die Ausraster von Fans und Spielern müssen bestraft werden. Mit ihrer juristischen Taktiererei schaden sich die Berliner selbst. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,834282,00.html
Ob man sie will oder nicht, die Berliner hatten nur 88 Minuten Spielzeit. Und in den letzten zwei Minuten ein Tor zu schießen, das wäre für jeden Berlilner lebensgefährlich gewesen. Mal nicht so Sympathien verschieben - einfach an Fakten halten ist angebrachter.
bulettenbert 21.05.2012
2. optional
Ein klasse Beitrag, der den Nagel 100%ig auf den Kopf trifft. Hertha ist nicht in den letzten, strittigen 90 Sekunden abgestiegen, sondern durchweg in der Rückrunde! Ein unfähiger "Manager" allerhöchster Garde ist dafür verantwortlich! Selbst die neuerliche Niederlage, jetzt vor Gericht, ist an Peinlichkeit eines Herrn Preetz nicht zu überbieten! Hertha steigt zurecht ab!!!
GetulioV 21.05.2012
3.
Zitat von sysopDPADas DFB-Sportgericht hat den Einspruch von Hertha BSC abgewiesen, das Skandalspiel bei Fortuna Düsseldorf wird wohl nicht wiederholt. Gut so, denn die Ausraster von Fans und Spielern müssen bestraft werden. Mit ihrer juristischen Taktiererei schaden sich die Berliner selbst. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,834282,00.html
Vielen Dank für diesen treffenden Kommentar! Besser kann man es nicht auf den Punkt bringen.
SirJazz 21.05.2012
4. optional
Sehr schlechter Artikel. Jedes normale Ligaspiel wär SOFORT abgebrochen worden nach soeiner Aktion INNERHALB der Spielzeit. Nur weil es hier um die Relegation ging, wurden andere Regeln angewendet. Der Verfasser dieses Artikels sollte sich mal die letzten Spielabrüche in der Bundesliga angucken, für was alles schon ein Spiel abgebrochen/wiederholt wurde. Zum Schluss: ich bin _kein_ Fußballfan. Besitze nur einen Verstand und kann ein Regelwerk lesen.
kingston007 21.05.2012
5. Ganz...
richtig wer nicht Gewinnt verliert! Zum Thema. Campino über das Fan-Chaos in Düsseldorf | NDR.de - NDR Info - Programm - Sendungen - Interviews (http://www.ndr.de/info/programm/sendungen/interviews/campino181.html) Und bitte auf den Kommentar achten, die Spielerfeier wird komplett schlecht geredet! Hertha BSC - Fortuna Düsseldorf Randale-Relegation 2. Sturm aufs Spielfeld - YouTube (http://www.youtube.com/watch?v=TcWPGFJBLaM&feature=related)
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.