Spaniens Ligapräsident Tebas "Wenn Real anfragt, lehnt kein Weltmeister ab"

Ex-Weltmeister Spanien versagte in Brasilien, nun tritt er gegen Titelträger Deutschland an. Der spanische Ligapräsident Tebas erklärt, warum er an einen Sieg glaubt und die Bundesliga ein Vorbild ist.

Spanischer Ligapräsident Tebas: Spanien kann Deutschland schlagen
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Spanischer Ligapräsident Tebas: Spanien kann Deutschland schlagen

Ein Interview von


Zur Person
Javier Tebas Medrano, 52, ist seit April 2013 Präsident des der spanischen Ligaverbandes LFP. Von 1993 bis 1998 war er Präsident des SD Huesca, einem Fußballverein im Nordosten Spaniens. 2001 wurde zum Vorsitzenden der Nationalen Fußball-Liga gewählt, ab 2003 gehörte er der Vereinigung der 30 spanischen Profiklubs an.
SPIEGEL ONLINE: Señor Tebas, in Vigo spielt der alte Weltmeister gegen den neuen - wer gewinnt: Spanien oder Deutschland?

Tebas: Sie wollen jetzt hören, dass das nur Deutschland sein kann! Ich bin aber anderer Meinung. Spanien kann den Weltmeister sehr wohl schlagen. Schauen Sie sich die Mannschaft doch an, diese Mischung aus erfahrenen Spielern und Talenten. Um die spanischen Fußballer beneiden uns etliche Nationen.

SPIEGEL ONLINE: Das haben vor der WM auch viele gesagt, das Ergebnis ist bekannt. Was ist danach geschehen im spanischen Verband?

Tebas: Das Turnier in Brasilien hat wehgetan, den Fußballern, der ganzen Nation. Aber so etwas passiert immer wieder, da reicht ein kurzer Blick in die Fußballgeschichte. Es war klar, dass es nach den drei Titeln zuvor nicht ewig so weitergehen würde. Vielleicht brauchten wir das auch, um zu merken, dass sich etwas verändern muss. Und die gibt es: Junge, neue Spieler werden in die Mannschaft integriert, Juan Bernat etwa, Isco oder Koke.

SPIEGEL ONLINE: Gegen Deutschland werden aber einige wichtige Spieler fehlen, auch solche, die am Neuaufbau beteiligt sein sollen, Javier Martínez, Thiago und Diego Costa zum Beispiel. Sie bleiben dabei: Spanien kann gewinnen?

Tebas: Ja. Coach Vicente del Bosque macht noch immer einen guten Job, er wird ein starkes Team zusammenstellen.

SPIEGEL ONLINE: Der Trainer durfte trotz der WM-Pleite weitermachen und soll Spanien zur Europameisterschaft in zwei Jahren führen.

Tebas: Del Bosque wird in Spanien noch immer sehr respektiert. Was er für den Fußball dieses Landes getan hat, wird ihm niemand vergessen. Er hat die Chance verdient, an den Problemen zu arbeiten, das sind wir alle ihm schuldig.

SPIEGEL ONLINE: Klingt mehr nach Nostalgie als nach Problemlösung.

Tebas: Wir wissen, wo wir anpacken müssen, glauben Sie mir. Aber das wichtigste ist, wieder optimistisch zu werden, nach vorne zu schauen. Oder mal zur Seite: nach Deutschland etwa. Der deutsche Profifußball ist für uns ein Vorbild.

SPIEGEL ONLINE: Warum?

Tebas: Wir beobachten vor allem die Bundesliga sehr genau, nicht erst seit dem WM-Titel. Würde es nach wirtschaftlichen Aspekten gehen, nach Gehaltsstrukturen, Vermarktung und Transparenz, müsste jedes Jahr ein deutscher Klub die Champions League gewinnen. Im vergangenen Jahr war ich mit meinen Kollegen in Frankfurt zu Gast bei der DFL, wir waren beeindruckt, wie professionell der Vereinsfußball dort organisiert wird.

SPIEGEL ONLINE: Woran krankt es bei den spanischen Klubs?

Tebas: Die spanische Mentalität kennt die Transparenz nicht, wie sie im deutschen Fußball gang und gäbe ist. Es wurde jahrelang gemauschelt. Viele Vereine haben sich verschuldet, weil ihnen niemand auf die Finger geschaut hat. Jetzt prüfen wir die Bücher, wir haben klare Vorgaben für Spielergehälter. Ich hoffe, dass es am Ende unseres Fünfjahresplans allen Klubs wieder gut geht.

SPIEGEL ONLINE: Es wirkt, als sei das Ungleichgewicht in Spanien besonders groß: auf der einen Seite die Riesen Real Madrid und der FC Barcelona, auf der anderen Seite kleine Klubs, die ums Überleben kämpfen. Wie wollen Sie die Lücke schließen?

Tebas: Das ist schwierig. Real und Barça sind weltbekannte Marken, sie haben einen erheblichen Vorsprung. Aber ihre Strahlkraft hilft der Liga auch, durch sie kommen starke Spieler nach Spanien, was für die Vermarktung der Primera División von Vorteil ist. Wenn Real Madrid anfragt, lehnt niemand ab, auch kein Weltmeister.

SPIEGEL ONLINE: Sie spielen auf Toni Kroos an.

Tebas: Zum Beispiel. Er kam von Bayern München, einem der besten Vereine Europas, vielleicht der Welt. Trotzdem muss er das Gefühl gehabt haben, dass er sich in Madrid verbessern kann - ob nun finanziell oder sportlich.

SPIEGEL ONLINE: Es kommen immer mehr Spanier in die Bundesliga, fünf spielen mittlerweile beim FC Bayern. Macht Ihnen das keine Sorgen?

Tebas: Es ist für uns immer schlecht, wenn gute Spieler gehen. Vor allem, wenn es junge, talentierte sind. Aber die Münchner Spanier sind ja vor allem wegen Josep Guardiola dort. Er ist zu einer ähnlich wichtigen spanischen Marke geworden wie Real oder Barcelona.

SPIEGEL ONLINE: Guardiola sieht sich selbst nicht als Spanier. Er ist Katalane und kämpft für die Unabhängigkeit Kataloniens. Ist das kein Widerspruch?

Tebas: Der spanische Fußball gehört zusammen. Das sehen Sie an der Nationalmannschaft, in der Katalanen, Madrilenen und Basken gemeinsam für etwas einstehen. Es wäre eine Katastrophe für den Sport, wenn das auseinanderbräche.

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insgesamt 79 Beiträge
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Seite 1
sylkeheimlich 17.11.2014
1.
Der Mann irrt sich, wenn er denkt, dass alle den Weg nach Madrid gehen würden. Vielleicht ein Kroos, weil bei ihm die Wertschätzung uebers Geld geht, oder ein Khedira, weil leider damals Van Gaal ihn nicht wollte, oder Oezil, weil nicht gut genug (vielleicht auch charakterlich) für Bayern. Aber der Schweini hat sich für die Bundesliga, für die Bayern entschieden, obwohl Morinho ihn damals gerne geholt hätte. Die spanische Liga ist finanziell ziemlich im A... Die Bundesliga arbeitet seriös. Ich wünsche Kroos, dass es immer gut läuft bei Real, denn dort kippt die Stimmung bekanntermaßen sehr schnell. Wenn man als Fußballer eine Kultfigur werden will, dann gehört dazu nicht des Geldes wegen seinen Verein zu wechseln. So hat es Bastian gemacht, richtig gemacht! Naja, der Spanier kann ja auch nichts negatives über seine Liga sagen, würde ich auch nicht machen. Soll er doch weiter träumen.
Alex8 17.11.2014
2. Arrogantes Real-Denken
Typisches, abgehobenes Real-Denken! Es gibt genug Spieler, die auch nicht für mehr Geld von Bayern zu Real gehen würden. Müller, Schweinsteiger oder Neuer würden niemals für diesen Zirkusverein auflaufen. Toni Kroos ist da eher die Ausnahme. Und seine Sprüche bei der der ersten PK ("Real größer als Bayern...") zeugen ja auch nicht gerade von Charakter. 1. Blödsinn 2. Schlechter Stil. Aber mit letzterem passt er ja bestens zu diesem aufgeblasenen "königlichen" Klub... --- Und bevor hier wieder die Bayernkeule kommt: Ich bin HSVer! ;-)
dr.nick 17.11.2014
3. Manchmal muss ich schon wundern...
Die Kluft zwischen Real und Barca zu den Anderen ist sehr groß? Stimmt, aber was ist mit den Bayern. Die sind spielerisch und finanziell auch mindestens eine Klasse über dem Rest der BL. Was das Spiel D gegen E angeht, so würde ich momentan auch eher auf Spanien setzen. Ich könnte jetzt wieder mit dem Löw Bashing anfangen, aber genauso wenig wie er der entscheindende Grund für den WM Titel war, ist er nicht der Entscheidende für die momentane Schwächelphase. Die Mannschaft ist bisher selten komplett und einige wichtige Leute(Lahm) sind weg. Was das Angebot zu Real wechseln angeht, so kann ich dass schon nach vollziehen. In der Bundesliga gibt es nur eine handvoll gute Trainer, die Spieler zur Weltklasse bringen können. Wenn man dann eine Chance bekommt, sich in Spanien zu beweisen, sollte man diese annehmen. Das Gleiche gilt für Italien oder England. Wobei die BL schon sehr stark geworden ist. Das ist aber eine Momentaufnahme.
brendan33 17.11.2014
4. Wenn Real ruft, ....
...dann müssen sie erstmal Geld bieten. Geld, das man nicht hat, leiht man sich. Wenn man Real Madrid heisst, leiht man es sich wohl bei spanischen Banken. Spanische Banken wackeln. Wenn spanische Banken umfallen, zahlt der EU Rettungsschirm. Wer ist überproportional am Rettungsschirm beteiligt ?
kloppskalli 17.11.2014
5. PS: Schweini und Kroos
sind unterschiedliche Hausnummern. Der eine war mit Mitte Zwanzig ein vielversprechender offensiver Mittelfeldspieler. der andere (Kroos) ist mit Mitte Zwanzig Weltmeister und spielt (meistens) WELTKLASSE im HIER und JETZT - Schweinsteiger hatte diesen Status erst mit Ende Zwanzig erreicht, auf einer defensiveren Position und waere schoen bloed gewesen seinen Status bei Bayern (in der Heimat) aufzugeben.
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