Von Jan Reschke
Hamburg - Bayerns Präsident Uli Hoeneß hatte es geahnt: "Ein Trainingsspiel bei Bayern, Team A gegen Team B, ist besser bestückt als das Spiel gegen Australien", soll er vor der 1:2 (1:0)-Niederlage der DFB-Elf im Test gegen die "Socceroos" gesagt haben. Zwar betonte Bundestrainer Joachim Löw anschließend ausdrücklich, wie wichtig derartige Partien für die Entwicklung junger Spieler seien. Doch dem Zuschauer brachte die Begegnung vor allem eines: Langeweile. Stimmung im nur mit 30.152 Zuschauern besetzten Stadion: Fehlanzeige.
Löw wird derlei Dingen nur am Rande Aufmerksamkeit geschenkt haben. Für ihn hatte die Partie von vorneherein reinen Experimentiercharakter. Nur drei Spieler aus dem EM-Qualifikationssieg gegen Kasachstan waren in der Startelf dabei: Der Kölner Lukas Podolski sowie die Bayern-Profis Bastian Schweinsteiger und Thomas Müller.
Der DFB-Elf merkte man die ungewohnte Zusammensetzung an. Zwar gab es gefällige Kombinationen, doch die Feinabstimmung fehlte. Pässe landeten im Nichts. "Vieles hat nicht geklappt, weil wir nicht eingespielt waren", sagte André Schürrle. Standardsituationen waren zunächst die einzigen Mittel, den Ball gefährlich in den Strafraum der Australier zu bringen. Doch egal, wer zu den zahlreichen Ecken und Freistößen antrat, der Ball fand keinen Abnehmer. Dabei wurde gegen Kasachstan schon die neue Stärke bei Standards gepriesen, zwei Tore fielen da noch nach ruhenden Bällen.
Die Australier hatten ebenfalls viel Mühe, ein kontrolliertes Offensivspiel aufzuziehen. So verlebte die komplett neu formierte deutsche Abwehr, in der Stuttgarts Christian Träsch rechts, Wolfsburgs Arne Friedrich und Mats Hummels vom BVB in der Mitte und links dessen Mannschaftskollege Marcel Schmelzer aufliefen, eine ruhige erste Halbzeit.
Zwei Gegentore binnen drei Minuten
In der zweiten Halbzeit blieb das Niveau so schwach wie zuvor. Doch dann kam in der 61. Minute überraschend Leben in die Partie. Erst glichen die Australier durch David Carney aus, es war in der DFB-Geschichte das 1000. Gegentor. Dann sah Schiedsrichter Lannoy auch noch ein Foul im Strafraum von Träsch an Harry Kewell und entschied auf Strafstoß, den Luke Wilkshire verwandelte (64.). Binnen drei Minuten lagen plötzlich die Gäste vorne. "Wir haben ohne richtige Torchance für den Gegner das Spiel in drei Minuten hergegeben", sagte Hummels.
Löw reagierte mit zwei Wechseln: Für Schweinsteiger und Müller kamen Bayern-Profi Toni Kroos und BVB-Talent Mario Götze - und damit etwas Leben in das deutsche Offensivspiel. Götze passte auf Schürrle, der scheiterte aber an Torwart Mark Schwarzer (69.).
In der 73. Minute sollte es dann Bayern-Stürmer Miroslav Klose richten, er wurde für Gomez eingewechselt. Und nur fünf Minuten später wäre er seinem Ruf als DFB-Torgarant fast gerecht geworden, doch nachdem er auf Keeper Schwarzer zugelaufen war, landete sein Schuss neben dem Tor. Bis zum Schlusspfiff tat sich auf beiden Seiten nicht mehr viel. Außer einer Gelben Karte, die Klose für eine angebliche Schwalbe sah. Der kritisierte mangelnde Einstellung in seinem Team: "Man kann sich sehr gut vorbereiten, aber dann lässt man es doch etwas locker angehen. Das sollte normal nicht so sein", sagte Klose.
So blieb es bei der enttäuschenden Niederlage, die von den Fans mit Pfiffen quittiert wurde. "Die Reaktionen der Zuschauer muss man verstehen, denn es ist heute teuer, sich Fußballspiele anzusehen", so Hummels.
Seinen Zweck hat das Spiel aber wohl dennoch erfüllt. "Testspiele sind immer gut für die Trainer, um Schlüsse zu ziehen. Junge Spieler können in so einem Spiel lernen. Das bringt sie weiter", sagte Löw. Die Zuschauer werden wohl weniger an die seltenen Höhepunkte denn an Hoeneß gedacht haben.
Deutschland - Australien 1:2 (1:0)
1:0 Gomez (26.)
1:1 Carney (61.)
1:2 Wilkshire (64., Foulelfmeter)
Deutschland: Wiese - Träsch, Hummels, Friedrich, Schmelzer - Schweinsteiger (64. Kroos), Bender - Schürrle, Müller (65. Götze), Podolski - Gomez (73. Klose)
Australien: Schwarzer - Wilkshire, Neill, Ognenovski, Carney - Jedinak, Valeri, McKay, Kewell (80. Kruse) - Emerton - Holman (80. McGrath)
Schiedsrichter: Lannoy (Frankreich)
Zuschauer: 30.152
Gelbe Karten: Träsch, Klose - Jedinak, McKay
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