Von Jan Reschke
Hamburg - So recht weiß man nicht, wie das 0:0 der deutschen Nationalmannschaft gegen die Niederlande eingeordnet werden soll. Ist es nun ein schwacher Jahresabschluss, weil gegen die Niederlande zuletzt bei der EM 2012 2:1 und im November 2011 3:0 gewonnen wurde?
Oder ist es ein Erfolg, weil gegen einen starken Gegner endlich einmal kein Gegentor kassiert wurde und zuletzt ein 4:4 nach 4:0-Führung gegen Schweden, ein schwaches Spiel gegen Österreich und das EM-Aus gegen Italien die Stimmung rund um die Nationalelf gründlich verdorben hatten?
Ein bisschen wohl von beidem, etwas mehr von letzterem, immerhin fehlten mit Mesut Özil, Miroslav Klose, Jérôme Boateng, Marcel Schmelzer, Bastian Schweinsteiger, Toni Kroos, Sami Khedira und Holger Badstuber gleich acht Spieler. Davon sechs, die bei Joachim Löw mehr oder minder den Status Stammplatz besitzen.
Immerhin bekamen so einige Akteure, die sonst kaum eine Rolle (Benedikt Höwedes, Mario Götze, Lars Bender, Ilkay Gündogan, alle in der Startelf), lange Zeit keine (Lewis Holtby, Startelf, und René Adler, Bank) oder bisher gar keine (Roman Neustädter, eingewechselt, Sebastian Jung, erstmals im Kader) gespielt haben, die Gelegenheit, sich zu zeigen.
Und besonders Götze stand unter Beobachtung, nahm er doch die ungewohnte Rolle als alleinige Spitze ein. Allerdings interpretierte er sie ganz im Stile der spanischen Nationalmannschaft bei der EM 2012 und ließ sich häufig ins Mittelfeld zurückfallen.
Beide Teams mieden das Risiko
In der Anfangsphase vermied die deutsche Nationalmannschaft jegliches Risiko, vor allem die Abwehrspieler Mats Hummels und Per Mertesacker schoben sich die Bälle im Wechsel mit den defensiven Mittelfeldspielern zu. "Keine der beiden Mannschaften wollte einen Fehler machen. Deshalb sah es vielleicht etwas zäh aus", sagte Keeper Manuel Neuer.
Weil sich auch die Niederlande zunächst aufs Verteidigen verlegt hatte, dauerte es bis zur 20. Minute, ehe die Zuschauer die erste Chance zu sehen bekamen: Dirk Kuijts Schuss landete in den Armen von Neuer.
Man könnte es als eine Art Initialzündung bezeichnen, denn bis zur nächsten Gelegenheit in einer unansehnlichen Partie dauerte es nur eine Minute. Götze scheiterte aber, seine beiden Versuche wurden geblockt. Wie auch in der 27. Minute, als er in der Mitte des Strafraums nach einem Zuspiel von Höwedes zum Abschluss kam.
Die bis dahin beste Gelegenheit hatte Bayern-Profi Arjen Robben, der DFB-Keeper Neuer schon umspielt hatte und den Ball ins leere Tor zielen wollte, bei dem Versuch jedoch ausrutschte und sich selbst anschoss. Auch die deutsche Nationalmannschaft wurde noch einmal gefährlich: Reus traf den Außenpfosten (40.). Weil Gündogan in der 45. Minute ebenso scheiterte, blieb es beim torlosen Remis bis zur Pause.
Die zweite Halbzeit begann wie die erste - mit viel Ballgeschiebe und Langeweile. "Es war sicher kein spektakuläres Spiel. Aber man kann sich in so einem Spiel die Sicherheit wieder holen", so Innenverteidiger Mats Hummels. Die erste erwähnenswerte Chance gab es in der 77. Minute, als Neuer einen Schuss von Daryl Janmaat zur Ecke abwehrte. Der eingewechselte Eljero Elia verzog nur eine Minute später, so blieb es beim torlosen Remis. Zumindest Torwart Neuer dürfte es gefreut haben.
Niederlande - Deutschland 0:0
Niederlande: Vermeer - van Rhijn (ab 46. Janmaat), Heitinga (ab 46. de Vrij), Vlaar, Bruno Martins Indi - Nigel de Jong, van der Vaart (ab 72. Emanuelson) - Schaken, Afellay (ab 59. van Ginkel), Robben (ab 46. Elia) - Kuijt
Deutschland: Neuer - Höwedes, Mertesacker, Hummels, Lahm - Lars Bender (ab 82. Sven Bender), Gündogan - Müller (ab 84. Schürrle), Holtby (ab 87. Neustädter), Reus (ab 90.+2 Julian Draxler) - Götze (ab 72. Podolski)
Schiedsrichter: Pedro Proença (Portugal)
Zuschauer: 51.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: keine
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