DFB & Homosexualität "Führt das in der Dusche nicht zwangsläufig zu Problemen?"

Der DFB will die Vereine für den Umgang mit Schwulen und Lesben sensibilisieren. Doch die "Berliner Erklärung" gegen Homophobie haben gerade mal drei Erstliga-Vereine unterzeichnet. Auch der DFB-Chef blieb dem PR-Termin fern - er saß lieber bei Franz Beckenbauer.

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DFB-Präsident Niersbach: Beim Stanglwirt statt bei der "Berliner Erklärung"
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DFB-Präsident Niersbach: Beim Stanglwirt statt bei der "Berliner Erklärung"


In Kitzbühel war in dieser Woche das versammelt, was man die Alte-Männer-Welt des Fußballs nennen könnte. Fifa-Boss Joseph Blatter, Uli Hoeneß, Günter Netzer saßen auf Einladung von Franz Beckenbauer beim Stanglwirt beieinander und redeten unter der Moderation von Sabine Christiansen über Fußball, Gott und die Welt. Bild-Chefredakteur Kai Diekmann war auch dabei, die Volksmusiker Florian Silbereisen und Hansi Hinterseer sowieso. Ein Termin, den sich auch DFB-Präsident Wolfgang Niersbach nicht entgehen ließ.

Während die Liga-Prominenz bei Beckenbauer plauderte, präsentierte der DFB in Berlin eine Broschüre, wie man im Fußball mit dem Tabuthema Homosexualität umgehen könnte. Feierlich wurde zudem auf Initiative der Magnus-Hirschfeld-Stiftung eine "Berliner Erklärung" gegen Homophobie, für Vielfalt, Respekt und Akzeptanz verabschiedet.

Es war eine Veranstaltung, der die Anwesenheit eines DFB-Präsidenten gut zu Gesicht gestanden hätte.

Dass Niersbach den Deutschen Fußball-Bund weit weniger als soziales Projekt wahrnimmt als sein Vorgänger Theo Zwanziger, ist bekannt. Für Zwanziger wäre eine solche Veranstaltung wie die in Berlin ein Pflichttermin gewesen, Niersbach setzt andere Prioritäten. Der Kampf gegen Homophobie gehört nicht zur Priorität eins, da muss man es auch mal bei einer Broschüre belassen.

28 Seiten umfasst das Informationspapier, entstanden ist es unter Federführung einer Arbeitsgruppe, die von dem Sportsoziologen Gunter Pilz geleitet wurde und an der zahlreiche Aktivisten mitgewirkt haben, deren Namen seit Jahren mit diesem Thema verbunden sind: Tanja Walther-Ahrens, Tatjana Eggeling, Marcus Urban.

Fragen aus einem Aufklärungsbuch der fünfziger Jahre

Es ist eine Broschüre, die vor allem eines deutlich macht: Welche Pionierarbeit im deutschen Fußball noch zu leisten ist, bis der selbstverständliche Umgang mit schwulen Sportlern hergestellt ist. In dem Werk werden sicherheitshalber noch einmal die Begriffe lesbisch, hetero- und homosexuell erläutert. Es werden Fragen gestellt wie: "Sind Schwule nicht viel zu weich, um im harten Profigeschäft mitzuhalten?" oder "Wenn es in einem Team Homosexuelle gibt, kommt es dann in der Dusche nicht zwangsläufig zu Problemen?" oder "Sind die Homosexuellen nicht alle nur hinter den Kindern im Sportverein her?". Fragen wie aus einem Aufklärungsbuch der fünfziger Jahre. Das ist offenbar notwendig.

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Fotostrecke: Coming-out nach der Karriere
Das Thema ist offenbar noch "hochsensibel" (O-Ton Broschüre). Entsprechend vorsichtig gehen auch Vertreter von Schwulenverbänden mit Kritik an der Broschüre um. Lard Wessel von den Queer Fußball-Fans, durchaus sonst mit eher kritischer Distanz zum DFB ausgestattet, nennt das Werk einen "sinnvollen Schritt zur Information". Es sei erfreulich, "dass einige unserer Anregungen den Weg in das Papier gefunden haben".

Die Medienpartnerschaft, die der DFB zu diesem Anlass mit der "Sport Bild" eingegangen ist, hat allerdings den Unmut in der Schwulenszene geweckt - die Vorbehalte gegen den Springer-Verlag sind in der Community noch groß. Auf der Website des Schwulenmagazins "Siegessäule" schreibt Manuela Kay: "Haben wir dafür gekämpft?" Die "Sport Bild" hatte in ihrer neuesten Ausgabe immerhin elf Seiten diesem Thema gewidmet - es war allerdings das erste Mal, so Kay, dass die Zeitschrift sich überhaupt um diese Thematik gekümmert habe.

Duplitzer: "Die sollen machen, nicht reden"

Mit Skepsis blickt auch die Degen-Europameisterin Imke Duplitzer auf die Bemühungen des DFB: "Die sollten nicht so viel reden, sondern einfach mal machen", sagte die 37-Jährige im "Tagesspiegel". Die prominente Fechterin bekennt sich seit Jahren zu ihrer Homosexualität. Dass bei der DFB-Veranstaltung keine Sportler eingeladen waren und auftraten, hat ihr ebenfalls nicht gepasst: "Um die geht es ja."

Duplitzer glaubt nicht, dass es im Sport schon große Fortschritte gegeben hat in Sachen Akzeptanz homosexuellen Lebens: "Ich bin es jedenfalls leid, wie ein Zirkuspferd begafft zu werden." Sport sei nach wie vor "männerorientiert", Vorurteile noch überall anzutreffen.

Genau die wolle er bekämpfen, behauptet der DFB mit seiner Broschüre. Ein Papier, das nach eigenem Bekunden "kein Präsentierteller für das erste Outing" sein soll - auch wenn seitenweise der Fall durchgespielt wird, wie ein Coming-out entsprechend sorgsam vorbereitet werden könne.

Unterzeichnet haben die "Berliner Erklärung gegen Homophobie" drei Bundesminister, aber auch nur drei Erstliga-Vertreter, nämlich die Präsidenten von Bayern München, Werder Bremen und Hannover 96. Unterschrieben hat Niersbach immerhin - im Unterschied zu einem Vertreter der Deutschen Fußball-Liga.

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insgesamt 31 Beiträge
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Dr.Fuzzi 21.07.2013
1. Och Joh!
Ja. na klar - da müssen dann prompt separate Duschen gebaut werden. Am besten auch noch welche für Lesben, Transsexuelle und auch muslimische Frauen. Geht's noch? Wesentlich problematischer sind da doch eher Leibesvisitationen durch homosexuelle Damen und Herren der Polizei oder sonstiger dazu berechtigter Personen.
max-mustermann 21.07.2013
2.
Zitat von sysopGetty ImagesDer DFB will die Vereine für den Umgang mit Schwulen und Lesben sensibilisieren. Doch seine "Berliner Erklärung" gegen Homophobie haben gerade mal drei Bundesligavereine unterzeichnet. Auch der DFB-Chef blieb dem PR-Termin fern - er saß lieber bei Franz Beckenbauer. DFB will mit Broschüre Umgang mit Homosexualität schulen - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/dfb-will-mit-broschuere-umgang-mit-homosexualitaet-schulen-a-912014.html)
Ja natürlich deshalb sind in Deutschland ja auch gemischte Saunen verboten worden weil es ja täglich zu sexuellen Übergriffen und Massenvergewaltigungen kam, ironie off. Meine Güte da sieht mann mal wieder was für kleingeistige Hinterwäldler im DFB (und nicht nur dort) sitzen.
antonwitt 21.07.2013
3. Ja, und
wo ist das Problem - in Kitzbühel sind doch auch - vielleicht noch nicht bekennende - Schwule dabei gewesen. Es ist doch viel erstaunlicher, dass der homophobe Macho-Verband überhaupt (jetzt schon, Satire ende) reagiert.
fpwinter 21.07.2013
4. War da nicht NOCH was? ---
Interessant, daß hier Bi-, Trans- und Intersexualität nicht einmal erwähnt werden. Schade auch, daß es die Medien in Deutschland bis heute nicht einmal hinbekommen, für Fragen zur queeren Vielfalt und geschlechtlichen Identität den Begriff LBGT zu verwenden. (Lesbian-Bi-Gay-Trans), der zumindest im englischsprachigen Raum inszwischen weitgehend Konsens ist. Nur mal zum Nachdenken: Wenn es schwule/lesbische Fußballerinas gibt, gibt es dann nicht vielleicht noch mehr bisexuelle Spielerinnen und Spieler? Wie diskriminierend empfinden diese es, wenn immer nur Schwule und Lesben thematisiert werden? Insbesondere dann, wenn sie ihre Sexualität eben nicht als "Übergangsstadium" empfinden, sondern sich bewußt dafür entscheiden, Männer UND Frauen gleichermaßen zu lieben? Leider leben wir in einem Land, in dem Bi-, Trans- und Intersexuelle nachwievor stigmatisiert und diskriminiert werden - auch von Schwulen und Lesben. Die schwulen/lesbischen Autoren von Medien meiden das Thema Bisexualität und die Schreibweise LBGT wie der Teufel das Weihwasser. Jüngst kam beispielsweise eine 16-seitige Sonderbeilage der TAZ (bezeichnenderweise "HOMO-TAZ", nicht "QUEER-TAZ"), in der es einen einzigen Transgenderbeitrag und nichts über Bisexualität gab - mit Ausnahme eines peinlichen Interviews mit Jürgen Domian und Hella von Sinnen, in dem Domian, eigentlich bisexuell, sagte, er habe aus der schwulen Szene deswegen derartig viele Anfeindungen erlebt, daß er jetzt immer sagt, er wäre schwul, nur um seine Ruhe zu haben. Und Hella von Sinnen, die sich nach eigenem Verständnis gegen die Diskriminierung von Schwulen und Lesben engangiert (offenbar nicht aber gegen die Diskriminierung Bisexueller), steuerte die krude Theorie bei, ihrer Meinung nach seinen "Frauen, die sich bi nennen, eigentlich hetero, und Männer, die sich bi nennen, eigentlich schwul". Da wundert es auch nicht weiter, daß es zwar jede Menge offene Schwule und Lesben gibt, aber kaum prominente offen bisexuelle Identifikationsfiguren. Es mag ja viele Schwule und Lesben geben, die davon träumen, daß sich endlich mal ein paar knackige Fußballstars entsprechend outen. Aber es gibt unter Garantie noch viel mehr Bisexuelle, die sich wünschen, daß nur einmal jemand kommt und sagt "ich liebe Männer und Frauen gleichermaßen; ich steh dazu und find es toll".
rai1 21.07.2013
5. Ich bin nicht schwul
aber wenn ich die Fragen, die man sich stellt liest, könnte ich glatt vom Hocker fallen. Zu weich? Alexander der Große war homosexuell und für seine. Probleme in der Dusche? Die würden heute schon in vielen (Bundesliga) Vereinen auftreten. Und wie ist es bei den Heteros? Demnach müsste es auch Prbleme geben wenn Mäner Frauen bzw. Mädchen trainieren. Ja, ja. Die guten, alten christlichen Werte. Alles fürn oder beser wg. A....
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