Hamburg - Liga-Boss Reinhard Rauball hat die Kritik von Bundestrainer Joachim Löw an der Fußball-Bundesliga gekontert. "Schalke 04 hat mit dem Triumph gegen Inter Mailand die passende Antwort auf die Kritik von Joachim Löw gegeben. Die Aussagen des Bundestrainers waren undifferenziert und tun der Bundesliga unrecht", sagte der Präsident von Borussia Dortmund im Gespräch mit der WAZ-Gruppe.
Löw hatte zuvor die Bundesliga kritisiert und gesagt, dass sie noch lange nicht an der europäischen Spitze angekommen sei. "Wir sind schon noch ein Stück hinterher, das muss man so deutlich sagen", sagte der 51-Jährige dem TV-Sender Eurosport. "In diesem Jahr hat mit Schalke nur eine deutsche Mannschaft das Viertelfinale in einem europäischen Wettbewerb erreicht - England und Spanien schicken mehrere Teams ins Rennen. Das spricht jetzt nicht für die Bundesliga", so Löw.
Rauball ist völlig anderer Ansicht. "Die laufende Saison ist nur eine Momentaufnahme, der Trend zeigt ungebrochen nach oben. Darüber hinaus sind die internationalen Erfolge anderer Ligen oftmals durch Schuldenmacherei und zu Lasten des nationalen Wettbewerbs teuer erkauft", sagte der Liga-Boss. Die sogenannte Fünf-Jahrs-Wertung der Uefa gibt ihm dabei recht. Hier hat Deutschland Italien mittlerweile überholt und hat auch gegenüber Spanien und England Boden gutgemacht.
Rauball hatte schon bei der WM Kritik geübt
Löw nimmt allerdings gerade das Uefa-Ranking als Argument für sich: "Die Engländer sind zudem seit 2007 immer mit mindestens zwei und zweimal sogar mit vier Mannschaften im Champions League-Viertelfinale vertreten gewesen. Real Madrid und der FC Barcelona haben seit 1998 insgesamt fünfmal die Champions League gewonnen", sagte Löw.
Rauball drehte die Kritik des Bundestrainers um in Richtung Nationalelf und rechnete auf: "Im Übrigen wundert es mich, wenn über mangelnde internationale Erfolge der Vereinsmannschaften geklagt wird: Der letzte Titelgewinn der A-Nationalmannschaft liegt schließlich anderthalb Jahrzehnte zurück." 1996 hatte die DFB-Elf unter Berti Vogts die Europameisterschaft gewonnen.
Bereits während der WM in Südafrika hatte Rauball moniert, dass die guten Ergebnisse der Nationalmannschaft von den DFB-Verantwortlichen nicht auch der DFL und den Clubs zugeschrieben wurden.
Auch DFL-Chef Christian Seifert betonte, dass die Erfolge der DFB-Auswahl ohne die Bundesliga so nicht möglich gewesen wären: "Die Bundesliga kann sich ein großes Selbstbewusstsein leisten. Im Wesentlichen dank der Leistungszentren gibt es heute mehr und besser ausgebildete junge Spieler als je zuvor. Aus diesem Reservoir schöpft der DFB", sagte Seifert.
aha/sid
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