DFL-Sicherheitskonzept: Stimmen zum Beschluss

Die große Mehrheit der 36 Erst- und Zweitligisten hat für das 37-seitige Konzept der Deutschen Fußball Liga (DFL) "Sicheres Stadionerlebnis" gestimmt. Die Reaktionen der Verbände, Fanorganisationen, Clubs, der Polizei und der Innenminister der Länder im Überblick.

VERBÄNDE

Reinhard Rauball (DFL-Präsident): "Egal, ob Sitzplatz oder Stehplatz: Wir können allen Fans versichern, dass die heutigen Beschlüsse die Fußball-Kultur in Deutschland nicht gefährden. Im Gegenteil: Diese Beschlüsse werden dabei helfen, die Fußball-Kultur zu schützen. Die angedrohten Eingriffe, die bis zur Abschaffung der Stehplätze reichten, sind damit vom Tisch."

Wolfgang Niersbach (DFB-Präsident): "Dass die deutliche Mehrheit der Lizenzvereine Geschlossenheit demonstriert und für das Sicherheitskonzept gestimmt hat, ist ein wichtiges Zeichen für den gesamten Fußball und die überwältigende Mehrheit der friedlichen Fans in Deutschland. Wir brauchen den Dialog zwischen allen Beteiligten, aber auch einheitliche Leitplanken, an denen sich alle orientieren können."

Helmut Sandrock (DFB-Generalsekretär): "Diese Entscheidung ist ein wichtiger Schritt, der hoffentlich weiter zur Versachlichung dieser Thematik beiträgt. Wichtig ist nun, dass alle Vereine die beschlossenen Maßnahmen konsequent und im Dialog mit ihren Fans umsetzen."


FANS

Philipp Markhardt (Sprecher der Protestaktion "12:12"): "Das Ergebnis ist sehr unschön. Ich gehe davon aus, dass es neue Proteste geben wird. Neue Stimmungsboykotte oder andere Aktionen könnten sich bis in den März hineinziehen. Auch der Boykott eines kompletten Spieltags ist eine Option. Aber es ist noch nichts in trockenen Tüchern."

Ben Praße (Fanvereinigung "Unsere Kurve"): "Wir sind enttäuscht, dass der Antrag der Vertagung nicht stattgegeben wurde. Wie die einzelnen Fans reagieren, wird man am Wochenende sehen. Es sind jedoch keine organisierten Maßnahmen geplant."

Alex Schulz (Fanvereinigung "Pro Fans"): "Die Frustration ist bei vielen Fans groß. Die Gefahr ist groß, dass jetzt Probleme auftreten, die es vorher nicht gab. Wir können unsere Gruppen nur aufrufen, weiter am Dialog zu arbeiten."


POLIZEI

Bernhard Witthaut (Vorsitzender Gewerkschaft der Polizei): "Ich bin froh, dass das Konzept von allen Vereinen mitgetragen wird. Es ist ein klares Signal der Vereine gegen Gewalt. Uns wird dadurch die Möglichkeit gegeben, vor Ort Maßnahmen zu ergreifen, die die Arbeit erleichtern."

Rainer Wendt (Vorsitzender Deutsche Polizeigewerkschaft): "Es war höchste Zeit, dass der zunehmenden Gewalt in und um deutsche Fußball-Stadien mit konkreten Maßnahmen begegnet wird. Die Richtung, die die DFL jetzt einschlägt, ist nachvollziehbar."


PROFICLUBS

Karl-Heinz Rummenigge (Vorstandsvorsitzender Bayern München): "Es war eine gute Sitzung der DFL. Rausgekommen ist das, was ich erwartet hatte. Die Bundesliga hat sich gegen Gewalt, Rassismus und Pyrotechnik ausgesprochen - und das ist gut so. Es war nie geplant, dass wir uns von den Fans entfernen, es scheint mir nur in der Kommunikation etwas schief gelaufen zu sein."

Klaus Allofs (Sportdirektor VfL Wolfsburg): "Ich bin froh darüber, dass den Anträgen zugestimmt worden ist - dass wir jetzt die Richtung erst einmal vorgegeben haben. Nacktscanner wollen wir auch nicht, aber wir wollen genaue Kontrollen, weil wir am Ende wollen, dass das Stadion sicher ist. Wer das nicht mitmachen möchte, der hat etwas zu verbergen. Das ist meine Meinung."

Martin Kind (Präsident Hannover 96): "Das ist ein gutes Signal. Der Fußball kann für die Pseudo-Fans keine Plattform bieten. Und hier im Hinblick auf Pyrotechnik und Gewalt - das sind die beiden Themen, wo keine Kompromisslinien zu finden sind."

Hans-Joachim Watzk e (Geschäftsführer Borussia Dortmund): "Wir hatten eine konstruktive Diskussionsbasis, die Mitgliederversammlung war geprägt von gegenseitiger Wertschätzung. Viele Gespräche mit den Fans aus dem Vorfeld haben Einfluss auf die Sitzung gehabt. Mit diesem Kompromiss können sich die meisten arrangieren."

Klaus-Dieter Fischer (Geschäftsführer Werder Bremen): "Wir hätten es begrüßt, wenn diese Debatte nicht unter dem gegenwärtigen Zeitdruck hätte stattfinden müssen. Die Vertagung wäre ein hilfreicher Schritt gewesen, die aktuelle Hektik aus den Diskussionen zu bannen und intensive Gespräche abseits aktionistischer Reflexe zu führen."

Carl Jarchow (HSV-Vorstandsvorsitzender): "Aus unserer Sicht ist es bedauerlich, dass wir es nicht geschafft haben, mehr Zeit zu gewinnen, um im Dialog mit den Fans für mehr Vertrauen in und Verständnis für das Sicherheitskonzept zu werben."

Gerd Mäuser (Präsident VfB Stuttgart): "Ich denke, das Ergebnis ist insgesamt positiv für den deutschen Fußball und seine 36 Profi-Clubs zu werten. Mit den heutigen Entscheidungen ist ein wichtiger Schritt getan, die Unabhängigkeit des Fußballs gegenüber der Politik zu wahren."

Fritz Keller (Präsident SC Freiburg): "Es wurde sehr gewissenhaft diskutiert. Das Konzept hat noch einmal deutliche Veränderungen erfahren im Vergleich zur Ausgangssituation. Ich hoffe, dass den Kritikpunkten nach der ersten Version Rechnung getragen wurde."

Axel Hellmann (Finanzvorstand Eintracht Frankfurt): "Wir sind zufrieden mit den Ergebnissen. Dieses Papier ist mit dem Papier vom Anfang nicht zu vergleichen. Daran haben die Fans einen großen Anteil. Die Verankerung des Dialogs zwischen Fans, Vereinen und Verbänden erhält meiner Meinung nach die Fankultur."

Harald Strutz (Präsident FSV Mainz 05): "Ich bin sehr froh, dass alle Vereine hinter uns waren. Es muss ein Bewusstsein geschaffen werden, dass es um ein Miteinander und nicht um ein Gegeneinander mit den Fans geht. Zu sagen, es wäre ein Triumph, wäre einfach nur sarkastisch."

Dirk Zingler (Präsident Union Berlin): "Es gibt keinerlei Veranlassung, sich einem wodurch auch immer motivierten politischen Druck zu beugen und zum jetzigen Zeitpunkt symbolisch eine Handlungsfähigkeit unter Beweis zu stellen, die überhaupt nie in Frage stand. Bereits die Sicherheitskonferenz im Sommer in Berlin bediente mit reiner Symbolik Forderungen der Politik. Für ein solches Handeln steht der 1. FC Union Berlin nicht zur Verfügung."


POLITIK

Uwe Schünemann (Innenminister Niedersachsen): "Dies ist ein guter Tag für die Sicherheit im Zusammenhang mit Fußballspielen. Auf dieser Grundlage können wir jetzt die weitere Zusammenarbeit mit den Vereinen, der DFL und dem DFB auf ein sicheres Fundament stellen."

Ralf Jäger (Innenminister Nordrhein-Westfalen): "Dass DFL und Vereine mehrheitlich das Sicherheitskonzept beschlossen haben, ist ein Schritt in die richtige Richtung. Jetzt geht es darum, die Maßnahmen auch umzusetzen. Vereine und Verbände müssen sich weiter daran machen, die Sicherheit rund um die Fußballspiele zu verbessern."

Monika Bachmann (Ministerin für Inneres und Sport Saarland): "Ich bin froh darüber, dass die Vernunft gesiegt hat. Das beschlossene Maßnahmenpaket von DFB und DFL ist ein großer Schritt in die richtige Richtung beim Kampf gegen Gewalt in Stadien. Ich teile die Meinung von Dr. Rauball: Das ist kein Beschluss gegen die Fans, sondern für die Zukunft des Fußballs."

Joachim Herrmann (Innenminister Bayern): "Das ist ein dringend notwendiger Schritt für mehr Sicherheit beim Fußball. Die Sicherheitsbehörden und insbesondere die Polizei werden die Vereine bei der Umsetzung der einzelnen Maßnahmen begleiten und auch tatkräftig unterstützen."

Andreas Breitner (Innenminister Schleswig-Holsteins): "Die Innenminister werden jetzt sehr genau beobachten, ob die einzelnen Maßnahmen tatsächlich dazu beitragen, die Gewalt im Zusammenhang mit Fußballspielen einzudämmen - ansonsten muss nachgesteuert werden."

Reinhold Gall (Innenminister Baden-Württemberg): "Geredet wurde lange genug, jetzt müssen die Maßnahmen auch umgesetzt werden."

Roger Lewentz (Innenminister Rheinland-Pfalz): "Das entspricht der Forderung der Innenminister und sorgt für mehr Sicherheit in den Stadien."

max/dpa/sid

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1. 37-seitiges Konzept
derwuz 12.12.2012
...Und wo bitte finde ich eine Veröffentlichung dieses 37-seitigen Konzepts, über das alle ihre Meinung kund getan haben, aber niemand der Leser einen Einblick hat? Hier ein Link zum Antragspaket: http://static.bundesliga.de/media/native/autosync/antragspaket_1_sicheres_stadion_-_antraege_001_-_016_-_final.pdf Das ist eine Ansammlung von Phrasen, die zwar eine Zusammenkunft sog. hochrangiger "Fußball-Funktionäre" erklärt, aber in keinster Weise eine Handhabe für ein "Sicheres Stadionerlebnis" für den "Normalfan" beinhaltet! Es ist die gerade mal so wertig wie ein Pups von mir im Wind... Es ist ein Antragspaket, in dem die Anträge (an wen auch immer gestellt und wie weisungszwingend auch immer) keinen Wert haben... ein 37-seitig großer Furz im Wind...
2. 37-seitiges Konzept
derwuz 12.12.2012
Allein dieser Auszug aus den Anträgen zeigt, wie weit weg die Vorgehensweise von einer echten, gewollten Unterbindung von Gewalt in Fußballstadien angesiedelt ist: [...] Sollte der Missstand immer noch nicht innerhalb angemessener Frist beseitigt worden sein, soll in der Regel eine Geldstrafe in Höhe der ermittelten Aufwendungen zur Behebung des statutenwidrigen Zustandes verhängt werden. Bei der Bestimmung der Angemessenheit der Frist ist zu berücksichtigen, ob bereits im Rahmen einer erteilten Auflage eine Frist bestimmt wurde, innerhalb derer der Verstoß eben gerade nicht beseitigt wurde, oder ob noch keine Frist zur Beseitigung bzw. Erfüllung der statuarischen Vorgaben gesetzt wurde. Gab es bereits eine Frist, so kann die weitere Frist im Rahmen der Auflage „Zweckbindung“ dann entsprechend kürzer angesetzt werden. [...] Leute ehrlich: Wenn eine Frist nicht eingehalten wurde, sollte geprüft werden, ob die Frist nicht eingehalten wurde, weil eine Frist nicht eingehalten wurde und darauf hin eine neue Frist gesetzt werden, damit die Frist gewahrt bleibt... Lasst Euch nicht verkackeiern!
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