Livescore Addicts: DFL stoppt Gratis-Fußballvideos in Piraten-App
Es war ein verlockender Dienst: iPhone-Besitzer konnten bislang mit der App "Livescore Addicts" Videos aus internationalen Top-Ligen gratis abrufen. Doch damit ist jetzt Schluss - zumindest, was die Bundesliga betrifft. Trotzdem kann sich die frisch renovierte App weiter sehen lassen.
Der Traum vom kostenlosen Fußball hielt nur wenige Wochen. Anfang April hatte SPIEGEL ONLINE über die Fußball-App Livescore Addicts berichtet. iPhone-Nutzer können mit diesem Programm kostenlose Videos von Toren und weiteren Highlights abrufen. Und das oft schon, während die Begegnungen in den internationalen Top-Ligen noch laufen. Über 500.000 Mal wurde die App bisher aus dem Store heruntergeladen, alleine in Deutschland zählten die Macher 100.000 Abrufe.
Doch das Video-Angebot schrumpft von Woche zu Woche. Während es Anfang April noch bewegte Bilder zu fast allen Toren aus der Bundesliga gab, suchte man die Highlights am vergangenen Wochenende vergeblich. Man habe dem Anbieter der App eine Unterlassungsaufforderung zukommen lassen, sagt ein Sprecher der Deutschen Fußball-Liga auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE. Daraufhin seien die Videos entfernt worden.
Das bestätigt auch App-Entwickler Patrik Arnesson: "Wir wollen keine Gesetze brechen und respektieren die Wünsche der Rechte-Inhaber", sagt er SPIEGEL ONLINE. Allerdings betont der Schwede, dass seine App ja nur auf Inhalte von Drittanbietern wie Videoupload-Plattformen verlinke. Einen entsprechenden Hinweis habe man vor die Weiterleitung auf eben diese Plattformen geschaltet, sagt Arnesson.
Kooperation statt Konfrontation
Ob der Content auf diesen Seiten wirklich illegal sei, könne er nicht im Einzelfall prüfen. "Es kann aber jeder bei uns Rechtsverletzungen anzeigen, wir haben dazu eine direkte Mailadresse in die App integriert", sagt Arnesson. Derzeit prüfe ein Anwalt, ob die reine Verlinkung auf das Angebot Dritter wirklich illegal ist. Doch Arnesson setzt eher auf Diplomatie. Statt sich mit den TV-Anstalten und Rechte-Inhabern anzulegen, will er sie mit ins Boot holen.
Er könne deren Ärger verstehen, wenn die Betreiber von Upload-Plattformen mit fremder Ware Geld machen, indem sie beispielsweise Werbung vor die Videos der Rechte-Inhaber schalten. Arnessons Schachzug: Er bietet seinen vermeintlichen Gegnern an, sämtliche Erlöse, die sie im Kooperationsfall über seine Plattform erzielen würden, an diese zurückzuführen.
Doch so einfach geht es natürlich nicht. Derzeit hat T-Home die Übertragungsrechte der Bundesliga im Internet, ab 2013 hat sich der Axel-Springer-Verlag die begehrte Ware gesichert - für geschätzte fünf Millionen Euro pro Saison. Arnessons Piraten-Ansatz scheint daher eher unrealistisch.
Fans können die App mitentwickeln
Trotzdem machen er und sein achtköpfiges Team weiter. Die App sei bislang ein Zuschussgeschäft, doch das ist ihnen egal. Die bekennenden Fußball-Fanatiker haben zahlreiche neue Features, die von den Usern gewünscht wurden, in ihre App integriert (siehe Fotostrecke). So gibt es ab sofort taktische Aufstellungen zu fast allen Spielen und die aktuellen Tabellen zu den internationalen Ligen.
In Deutschland werden neben den drei Profiligen jetzt auch die Oberligen, die A-Jugend-Bundesliga sowie die Frauen-Bundesliga und der -Pokalwettbewerb abgebildet. Insgesamt sind 418 Ligen und Pokalwettbewerbe abrufbar. Zudem haben die Nutzer die Möglichkeit, Statistiken und Resultate mit einem Knopfdruck per Twitter und Facebook mit ihren sozialen Netzwerken zu teilen.
Künftig soll der Schwerpunkt noch mehr in Richtung Vernetzung der User gehen. In Deutschland nutzen laut Arnesson bereits 200.000 Menschen die App. "Wir wollen die Fußball-Fans noch stärker in die Weiterentwicklung mit einbeziehen", kündigt der 26-Jährige an. Tief in die Statistik einzelner Spiele wollen er und sein Team nicht einsteigen: "Die App soll die Fans live möglichst in Echtzeit mit den wichtigsten Dingen wie Tore und Karten versorgen." Alles andere würde man - wenn überhaupt - in einer eigenen App bündeln, die dann "Stats Addicts" heißen könnte, orakelt Arnesson.
Doch erstmal wolle man sich auf die Livescores konzentrieren. In der nächsten Ausbauphase soll es Video-Interviews vor und nach den Spielen geben. Das riecht schon wieder nach Ärger. Diesmal allerdings mit den Vereinen.
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- Freitag, 04.05.2012 – 15:17 Uhr
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