Von Benjamin Knaack
Hamburg - Natürlich war er es, der den entscheidenden Treffer erzielte. Wer sonst? Didier Drogba war im Endspiel in München der auffälligste Chelsea-Spieler, hatte den Ausgleich erzielt - und die schwachen Eckbälle der Bayern immer wieder aus dem eigenen Strafraum geköpft. Der bullige Angreifer, Spitzname "Büffel", war zuletzt in den wichtigen Spielen stets der wichtigste Spieler gewesen und hatte für die wichtigen Treffer gesorgt. So auch im Finale der Champions League am Samstagabend.
Als Bastian Schweinsteiger nach seinem Fehlschuss im Elfmeterkrimi zurück zur Mittellinie trottete, konnte er die Tränen schon nicht mehr zurückhalten. Auch der Bayern-Stratege glaubte wohl nicht daran, dass Drogba sich die Chance, für Chelseas Sieg zu sorgen, noch nehmen lassen würde. Ein kurzer Blick des Ivorers in Richtung des hampelnden Manuel Neuers, einmal durchgepustet, ein paar Schritte, ein Schuss - dann war es geschehen. Drogba jubelte, die Bayern sackten auf dem Rasen zusammen.
"Es war vorherbestimmt. Ich widme diesen Titel allen Trainern, die wir hatten und allen Spielern, mit denen ich bislang zusammen spielen durfte", sagte Matchwinner Drogba nach der Partie: "Unser Team gibt niemals auf, es ist unglaublich."
Mit seinen Toren zum 1:1-Ausgleich (88. Minute) und dem verwandelten Elfmeter führte der Ivorer Chelsea zum ersten Champions-League-Titel in der Vereinsgeschichte. Den bislang letzten internationalen Titel hatte der Club 1998 im Europapokal der Pokalsieger geholt.
Es war dann auch Drogba überlassen, den Pokal an Club-Besitzer Roman Abramowitsch weiterzureichen. An den Mann also, der sich diesen Triumph annähernd eine Milliarde Euro hat kosten lassen. Der in neun Jahren seit seinem Einstieg 2003 teure Spieler wie Arjen Robben, Fernando Torres oder eben Drogba verpflichtet hatte und nun seinen ersehnten Pokal in die Höhe strecken durfte. Geld schießt eben doch Tore und gewinnt Titel. Manchmal dauert es eben nur länger.
Chelsea im Achtelfinale schon vor dem Aus
Dabei war Chelsea vor der Saison nur von den wenigsten Experten als Titelkandidat eingeschätzt worden. Nach dem Achtelfinal-Hinspiel, das 1:3 in Neapel verloren ging, schien der Weg schon zu Ende zu sein. Doch Chelsea schaffte das Comeback, siegte im Rückspiel 4:1 nach Verlängerung - und konnte mit seiner Defensivtaktik, die auch im Endspiel von München zum Erfolg führte, auch den Top-Favoriten FC Barcelona im Halbfinale ausschalten. Auch dort war Drogba mit seinem Tor zum 1:0 im Hinspiel der gefeierte Held.
"Wenn man sich anschaut, wie wir die Spiele gegen Neapel und Barcelona gedreht haben, dann verdienen wir diesen Titel", sagte Drogba, für den es ebenso wie für Frank Lampard und Co. wohl die letzte Chance war, seine Karriere zu krönen. Sie alle sind jenseits der 30.
"Das ist phantastisch. Fußball ist einfach verrückt. Ausgerechnet in einem Jahr, in dem wir schlecht in der Liga waren, holen wir den Titel", sagte Chelseas Coach Roberto Di Matteo: "Das ist unglaublich." Für den Club ist der Erfolg auch für die kommende Saison wichtig: In der Liga war Chelsea nur auf dem sechsten Platz gelandet, doch mit dem Triumph in München sind die Londoner nun direkt für die Gruppenphase qualifiziert. Leidtragender ist Tottenham Hotspur, das nun in der Europa League starten muss.
Für Drogba geht nun auch ein langer Weg der verpassten Chancen zu Ende: Der Angreifer verlor mit der Elfenbeinküste bereits in zwei Afrika-Cup-Endspielen (2006 und 2012), mit Olympique Marseille 2004 im Uefa-Cup - und im Champions-League-Finale 2008 gegen Manchester United, das ebenfalls im Elfmeterschießen entschieden wurde. Damals hatte Drogba im Finale in der Nachspielzeit die Rote Karte gesehen.
Drogba ist seit 2004 im Club. Ob er nun noch weiter bei Chelsea spielen wird, ist unwahrscheinlich. Chelseas Vorstandsvorsitzender Bruce Buck kündigte zwar Gespräche über einen neuen Vertrag mit Drogbas Manager an. Der Angreifer wollte am Abend seines größten Triumphes nicht über die Zukunft sprechen. Man dürfe eine solche Entscheidung nie aus der Emotionalität heraus treffen: "Das Wichtigste bin nicht ich, das ist die Mannschaft", sagte Angreifer.
Nach dem Spiel wurde Drogba zum "Man of the Match" gekürt. Natürlich. Wer sonst?
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