Champions-League-Achtelfinale Hat Spaß gemacht

Bayern raus, Real raus, Atlético raus: Die Fußball-Großmächte scheitern - und die Champions League durchbricht die Langeweile der jüngeren Vergangenheit.

Luka Modric von Real Madrid, ausgespielt von Frenkie de Jong von Ajax Amsterdam
Getty Images

Luka Modric von Real Madrid, ausgespielt von Frenkie de Jong von Ajax Amsterdam

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Es gibt eine These über die Champions League, und sie ließ sich lange schwer widerlegen: Die Königsklasse ist ein unfassbar langweiliger Wettbewerb.

Zumindest dann, wenn man an den Fußball mit der Erwartung herantritt, dass sein Resultat erst noch auf dem Rasen verhandelt werden muss - und nicht schon vorher feststeht.

Hier hat die Champions League zuletzt oft versagt. Nicht nur, dass Real Madrid dreimal in Serie den Titel gewann (und viermal innerhalb von fünf Jahren). Auch das Halbfinale war meist sehr homogen besetzt.

Zwischen der Saison 2011/2012 und der Spielzeit 2016/2017 standen immer mindestens drei von fünf dominierenden Teams in Europa in der Runde der letzten Vier:

  • Real Madrid,
  • der FC Barcelona,
  • Atlético Madrid,
  • Juventus Turin
  • und der FC Bayern.

In der vergangenen Saison waren es mit Bayern und Real immerhin noch zwei. Das ist das spannungsarme Wesen der Königsklasse. Ein sich perpetuierendes System - durch die hohen Summen, die Vereine in der Champions-League-Endzone verdienen können. Eine geschlossene Veranstaltung.

Man muss sich die finale Phase des Wettbewerbs normalerweise also wie den Berliner Technoklub Berghain nachts um halb vier vorstellen: Wer nicht schon drin ist, kommt da kaum noch rein. Und eigentlich ist es dort auch gar nicht so toll.

Hinspielerfolge als Hindernisse

Doch in den vergangenen Wochen hat die Champions League sich selbst überrascht. Sie macht plötzlich wieder Spaß. Und das in einer Wettbewerbsphase, die normalerweise noch öder ist, als der Kampf auf der Zielgeraden. Mal abgesehen von einem Jahrhundert-Comeback des FC Barcelona gegen Paris (nach 0:4 im Hinspiel gab es ein 6:1 im Rückspiel) und dem Scheitern von Manchester City an Monaco 2016/2017 liegt die letzte echte Überraschung im Achtelfinale schon sieben Jahre zurück: Damals warf Apoel Nikosia mal Olympique Lyon raus.

In dieser Saison aber haben wir das große, spektakuläre Scheitern erlebt: das des Titelverteidigers Real Madrid an den aufmüpfigen Hochbegabten von Ajax Amsterdam. Das von Paris Saint-Germain an Manchester United, mit schweren Patzern und einem Handelfmeter in der Schlussminute. Eine solskjaereske Pointe. Und das der vielleicht besten Defensivmannschaft der vergangenen Jahre, Atlético Madrid, die sich gegen Juve drei Tore von Cristiano Ronaldo in einem Spiel einschenken ließ. Alle drei Gestrauchelten hatten zuvor ihre Hinspiele gewonnen. Lediglich Tottenham (gegen Dortmund) und Manchester City (gegen Schalke) kamen nach einem Hinspiel-Erfolg durch.

"Am Ende gewinnen immer die Engländer"

Zudem kassierte der FC Bayern seine erste Niederlage gegen Liverpool im Europapokal seit 18 Jahren - und schied erstmals seit acht Jahren im Achtelfinale aus. Dass alle drei deutschen Klubs von englischen Teams gestoppt wurden, mag Zufall sein - oder die Umkehrung des alten Gary-Lineker-Diktums: "...am Ende gewinnen immer die Engländer." Aber es passt dazu, dass die Champions League aktuell ungewöhnliche Wege eingeschlagen hat. Dass vier englische Mannschaften im Viertelfinale stehen, gab es zuletzt vor zehn Jahren.

Aus deutscher Sicht hat die Champions-League-Saison deshalb natürlich nicht so viel Spaß gemacht. Man fragt sich nun, ob der Fußball hierzulande endgültig abgestiegen ist ins Mittelmaß. Ist er. Aber das war er auch schon im vergangenen Jahr, als nur die Bayern überhaupt das Achtelfinale erreichten. Und dann gab es bei der Nationalelf ja noch den WM-Totalschaden von Vatutinki. Dass Eintracht Frankfurt (am Abend im Achtelfinale der Europa-League gegen Inter Mailand 21 Uhr/Liveticker SPIEGEL ONLINE) der letzte deutsche Vertreter im Europapokal sein würde, hätte man sich auch nicht ausdenken können.

Das Perfide an der Königsklasse

Mit den Münchnern, Real und Atlético sind drei der fünf europäischen Großmächte der jüngeren Champions-League-Geschichte raus, bevor es im Klub der Besten eigentlich erst so richtig losgeht. Das ist das Perfide an der Königsklasse: Sie gibt einem genau in dem Moment die Hoffnung zurück, dass im europäischen Topfußball doch noch nicht alles verloren ist, in dem man sich aufgrund der Erwartbarkeit und all der Vergehen gegen das Financial Fairplay von ihm abwenden will.

Aber Achtung: Dass in diesem Jahr wirklich ein Überraschungsteam den Titel gewinnt, ist nicht zu erwarten. Die beiden übriggebliebenen Herrscher Europas der vergangenen Jahre, Barcelona und Juve, sehen schon wieder wie recht brauchbare Endspielkandidaten aus.



insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
thrust26 14.03.2019
1. Der Grund
... ist trivial. Das meiste Geld ist jetzt in England. Dagegen sind die CL Einnahmen Peanuts. Als spannend empfinde ich das nicht.
hokl 14.03.2019
2. Bilanz
Es ist zu konstatieren: 6 Spiele der BL-Mannschaften gegen PL-Mannschaften = ein Unentschieden + 5 Niederlagen bei 3:17 Toren, wobei die 3 Tore zwei Elfmeter (Schalke) sowie ein Selbsttor (Liverpool) waren. Kein einziges Tor deutscher Teilnehmer aus dem Spiel heraus. Mehr als erschreckend!!!
gnarze 14.03.2019
3. Relativer Spaß
Spaß gemacht hat definitiv das Spiel Real vs. Ajax und auch Juve vs. Atletico. Ansonsten (von dem was ich so gesehen habe) hielt sich der Spaß in Grenzen, insbesondere das Spiel Paris vs. ManU war eher kurios als spaßig. Man muss mal abwarten, wie die Auslosung sein wird im schlimmsten Falle dann Juve vs. Liverpool City vs.Barca Ajax vs. Tottenham ManU vs. Porto
jujo 14.03.2019
4. ...
Dann sollten Juve und Barca nicht im Viertefinale aufeinander treffen. Aber die "Regie" der UEFA wird das zu verhindern wissen
schueler79 14.03.2019
5. Stimmt
Real so blamabel ausscheiden zu sehen hat wirklich Spaß gemacht, vor allem gegen ein Team, dass die Bayern hinter sich gelassen haben. ;)
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