Fehlverhalten der Fans: Uefa ermittelt gegen russischen Verband

Ermittlungen gegen den russischen Verband: Nach dem Fehlverhalten einiger Fans in der Partie gegen Tschechien hat die Uefa ein Disziplinarverfahren eingeleitet. Die Anhänger sollen Bengalos gezündet und einen gegnerischen Spieler mit Affenlauten rassistisch beleidigt haben.

Russische Fans: Feuerwerkskörper während der Partie gegen Tschechien gezündet Zur Großansicht
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Russische Fans: Feuerwerkskörper während der Partie gegen Tschechien gezündet

Hamburg - Die Europäische Fußball-Union (Uefa) hat ein Disziplinarverfahren gegen den russischen Verband wegen des Fehlverhaltens einiger Fans eingeleitet. Die Anhänger hatten während des ersten EM-Spiels der Russen gegen Tschechien (4:1) in Breslau Feuerwerkskörper gezündet und sollen den dunkelhäutigen Spieler Theodor Gebre Selassie mit Affenlauten rassistisch beleidigt haben. Die Uefa untersucht zudem einen Vorfall nach der Partie. Dabei hatten etwa 30 betrunkene russische Fans mehrere Ordner attackiert, vier waren dabei verletzt worden.

Das Disziplinarverfahren, teilte die Uefa mit, beziehe sich "auf das Abbrennen und Werfen von Feuerwerkskörpern" sowie das Zeigen "unerlaubter Plakate". Der rassistische Vorfall, den die Organisation Football Against Racism in Europe (Fare) gemeldet hatte, werde untersucht. "Man hat Affenlaute einiger russischer Fans gegenüber Theodor Gebre Selassie gehört", sagte Rafal Pankowski, der der polnischen Vereinigung "Never Again" angehört. Diese ist Teil von Fare.

Schon beim Training der Niederländer war es am Mittwoch in Krakau zu einem Rassismus-Vorfall gekommen. Oranje-Kapitän Mark van Bommel hatte die Verunglimpfungen während des Trainings des Vize-Weltmeisters bestätigt. "Wir haben alle die Affenlaute gehört", so van Bommel.

"Eine Peinlichkeit für das EM-Gastgeberland"

Der ehemalige niederländische Nationalmannschaftskapitän Ruud Gullit hat unterdessen in einer Kolumne für die britische Zeitung "Daily Mail" die Rassismus-Attacke scharf verurteilt. "Die Affenlaute, die beim Training zu hören waren, bedeuten eine Peinlichkeit für das EM-Gastgeberland", schrieb der Europameister von 1988 und ergänzte: "Die Schiedsrichter haben die Macht, ein Spiel bei rassistischen Verunglimpfungen abzubrechen. Ich bin dafür."

Der ukrainische Ministerpräsident Mykola Asarow hat keine Sorgen, dass sich rassistische Vorfälle in seinem Heimatland wiederholen könnten. "In der Ukraine gibt es keinen Rassismus. Die Ukraine ist ein tolerantes und demokratisches Land", sagte Asarow im Interview mit dem Fernsehsender CNN. Berichte über Rassismus im Land des Co-Gastgebers wies Asarow als Kampagne zurück, die nicht auf Tatsachen beruhe.

Im Vorfeld der EM hatte Michel Platini in Bezug auf mögliche rassistische Beschimpfungen während der Endrunde auf die Möglichkeit eines Spielabbruchs hingewiesen. Er hoffe, dass die Fans kommen würden, um das Spiel zu genießen. Aber selbstverständlich würde man den Schiedsrichter unterstützen, wenn er das Spiel im Falle solcher Beschimpfungen unter- oder abbrechen würde.

leh/sid

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1. Video dazu
bailly1 10.06.2012
Russische Hooligans prügeln während des EM-Spiels Russland vs. Tschechien im Breslauer Stadion auf Ordner ein: http://kontakt24.tvn.pl/temat,rosjanie-pobili-stewardow-policja-wytypowala-12-osob-do-zatrzymania,47966,html?categoryId=496
2. Demokratisierungsprozeß
derandersdenkende 10.06.2012
Zitat von sysopAFPErmittlungen gegen den russischen Verband: Nach dem Fehlverhalten einiger Fans in der Partie gegen Tschechien hat die Uefa ein Disziplinarverfahren eingeleitet. Die Anhänger sollen Bengalos gezündet und einen gegnerischen Spieler mit Affenlauten rassistisch beleidigt haben. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,837970,00.html
Mit der Öffnung des Landes zu Europa wird sich nicht vermeiden lassen, daß sich in der Fan-Szene auch ein rassistischer Sumpf bildet. Was in deutschen Stadien leider zum Alltag gehört, wird auch vor Rußland nicht haltmachen, vor allem wenn sich diese "Fans" auch noch in einem "freien" Land austoben können. In Rußland hätte man ihnen wahrscheinlich einen Freiflug nach Sibirien spendiert, aber das wird unter demokratischen Verhältnissen nicht gehen und sie werden sich weiter so darstellen, wenn keine geeigneten Gegenmittel gefunden werden. Und dies alles obwohl Rußland den bisher besten Fußball bei der EM geboten hat.
3.
Sven10 10.06.2012
Rassismus gehört in deutschen Stadien zum Alltag ? Das habe ich bisher noch nicht erlebt. das passiert doch in Russland: http://www.welt.de/politik/ausland/article13519897/Wie-der-russische-Rassismus-die-Sicherheit-bedroht.html .....Wenn bei Fußballspielen ein schwarzer Spieler an den Ball kommt, ist das Affengebrüll von den Rängen so laut, dass man die Pfeife des Schiedsrichters kaum mehr hört. Der brasilianische Superstar Roberto Carlos verließ jüngst kopfschüttelnd das Spielfeld, als zum wiederholten Mal eine Banane neben ihm landete....... im Artikel sind noch ein paar andere Informationen zum Rassismus in Russland.
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