Diego im Europa-League-Finale: Alles, nur nicht Wolfsburg

Von Cai-Simon Preuten

Es geht um seine Zukunft: Wolfsburgs Leihgabe Diego will mit Atlético Madrid die Europa League gewinnen. Mit einer Gala-Leistung im Endspiel gegen Bilbao könnte der 27-Jährige andere Vereine von sich überzeugen - und so eine Rückkehr nach Wolfsburg verhindern.

Atlético Madrid vs. Athletic Bilbao: Spanisches Duell um den Titel Fotos
AFP

Hamburg - Es tut sich Erstaunliches in Wolfsburg: Felix Magath, Chefeinkäufer der Bundesliga, hat angekündigt, in diesem Sommer auf die große Shoppingtour zu verzichten. Der Umbruch sei vollzogen, sagte Magath. Und bei 20 Transfers in der vergangenen Saison möchte man meinen: endlich. Dass sich Magath mit den Zugängen Ivica Olic und Vaclav Pilar zufrieden gibt, liegt allerdings auch an einem Mann, der Wolfsburg gehört, doch erst bei Atlético Madrid wieder aufblühte: Als zentraler Akteur im Mittelfeld greift der vom VfL ausgeliehene Diego im Finale der Europa League gegen Athletic Bilbao in Bukarest (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) nach dem Titel.

Magath hatte Diego so lange ignoriert, bis der sensible Spielmacher bockte. Eine Zukunft des früheren Bremers unter dem Wolfsburger Meistermacher war kaum mehr vorstellbar. Magath machte aus dem kleinen Künstler, einst die Attraktion der Bundesliga, zuerst einen besseren Mitläufer und schob ihn dann nach Spanien ab. Nun sagt Magath: "Seine Situation muss neu bewertet werden. In so einer Form ist Diego ein Gewinn für alle Mannschaften."

Bis 2014 steht Diego beim VfL unter Vertrag und Atlético ist so klamm, dass die Ablösesumme, die im zweistelligen Millionenbereich liegen dürfte, kaum zu stemmen ist. Diego würde zwar gerne in Spanien bleiben, doch angesichts seiner Leistungen will man in Wolfsburg nicht auf ihn verzichten. Der 27-Jährige weiß das: "Es kann sein, dass ich in die Bundesliga zurückkehre. Interessierte Clubs müssen mit Wolfsburg sprechen. Ich bin bereit, fast alles zu tun. Wolfsburg entscheidet", sagte er der "Sport Bild".

Atlético Madrid gilt als Favorit

Im Finale der Europa League in Bukarest kann Diego die große Bühne nutzen, um sich finanzkräftigen Clubs zu präsentieren. Er weiß: Ein Tor oder eine entscheidende Vorlage können reichen, um sich interessant zu machen. In Madrid ist er längst Anspielstation und Ballverteiler und somit erster Zulieferer für das Top-Duo der Europa League Radamel Falcao (zehn Tore) und Adrián López (sieben). Zu den letzten fünf Treffern in Europa lieferte Diego die Vorarbeit. Auch wegen dieses Trios geht Atlético als Favorit ins Finale.

Nach der Gruppenphase gewann der Club alle acht K.o.-Spiele. Lazio Rom, Besiktas Istanbul, Hannover 96 und der FC Valencia waren chancenlos. Bilbao schaltete auf seinem Weg ins Finale zwar Manchester United und Schalke 04 aus, kassierte allerdings Niederlagen bei Lokomotive Moskau und Sporting Lissabon. Auch in der Liga schwächelte das Team um Nationalspieler und Top-Torjäger Fernando Llorente zuletzt.

Aus den vergangenen drei Spielen holte Bilbao nur einen Punkt und erzielte kein Tor. Als Tabellenneunter konzentrieren sich die Basken nur noch auf die beiden Endspiele. Mit einem Sieg über Madrid oder im spanischen Pokalfinale gegen den FC Barcelona würde Athletic auch in der kommenden Saison wieder in der Europa League spielen.

Die Madrilenen kämpfen als Fünfter dagegen noch um die Relegation zur Champions League und haben in den vergangenen fünf Ligaspielen nicht mehr verloren. Der direkte Vergleich ist allerdings ausgeglichen: Bilbao gewann das Hinspiel 3:0 - Llorente traf zweimal. In der Rückrunde schoss Falcao Atlético mit zwei Toren zum 2:1-Erfolg.

Während es für Madrid um den zweiten Titel nach 2010 geht, ist das Endspiel für Diego eine Premiere. Als Werder Bremen 2009 gegen Donezk den Titel verspielte, musste er gelbgesperrt zuschauen. "Das hat geschmerzt und ist für mich nun eine Extra-Motivation", sagte Diego dem "Kicker". Am Mittwoch bekommt er seine zweite Chance, die er bei Felix Magath am liebsten nicht wahrnehmen würde. "Ich will da spielen, wo man mich liebt und wo man mich in Ruhe spielen lässt", sagte Diego. Man ahnt, dass er damit nicht Wolfsburg meint.

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Europa League: Wie stehen Madrids Chancen auf den Titelgewinn?


Europa League
DPA
Seit der Saison 2009/2010 heißt der Uefa Cup Europa League. Der Wettbewerb wird - wie die Champions League - zentral vermarktet, die Einnahmen verteilt die Uefa je nach Abschneiden an die Teilnehmer. Im Zuge der Umstrukturierung ist der UI-Cup weggefallen, es geht nun über drei Qualifikationsrunden in eine Playoff-Runde. In der Gruppenphase der Europa League kämpfen 48 Mannschaften in zwölf Vierergruppen ums Weiterkommen - jeweils mit Hin- und Rückspiel. Die Gruppenersten und -zweiten kommen weiter - ergänzt durch die Dritten aus der Champions League. Dann geht es im K.o.-System weiter - bis ins Finale.

Sieger Europa League der letzten 25 Jahre
Jahr Verein
2013 FC Chelsea
2012 Atlético Madrid
2011 FC Porto
2010 Atlético Madrid
2009 Schachtar Donezk
2008 Zenit Sankt Petersburg
2007 FC Sevilla
2006 FC Sevilla
2005 ZSKA Moskau
2004 FC Valencia
2003 FC Porto
2002 Feyenoord Rotterdam
2001 FC Liverpool
2000 Galatasaray Istanbul
1999 AC Parma
1998 Inter Mailand
1997 FC Schalke 04
1996 FC Bayern München
1995 AC Parma
1994 Inter Mailand
1993 Juventus Turin
1992 Ajax Amsterdam
1991 Inter Mailand
1990 Juventus Turin
1989 SSC Neapel
1988 Bayer 04 Leverkusen
1987 IFK Göteborg
1986 Real Madrid
bis einschl. der Saison 2008/2009 "Uefa Cup"
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