Hoffenheim gegen Dortmund Hopp richtet persönliche Worte an BVB-Fans

Viele Beschimpfungen und ein Beschallungsskandal: Wenn 1899 Hoffenheim und Dortmund aufeinandertreffen, geht es hoch her. Der Tiefpunkt: BVB-Fans, die TSG-Mäzen Dietmar Hopp als "Sohn einer Hure" beschimpften. Hopp reagiert nun mit einem besonderen Vorwort im Stadionheft.

Hoffenheim-Mäzen Hopp (2011): "Man fühlt sich total hilflos"
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Hoffenheim-Mäzen Hopp (2011): "Man fühlt sich total hilflos"

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Hamburg - Wie es wohl ist, in den eigenen vier Wänden beleidigt zu werden?

Am 13. August 2011 sah sich Dietmar Hopp in der Rhein-Neckar-Arena das Bundesliga-Spiel gegen Borussia Dortmund an. Dass sein Verein, die TSG 1899 Hoffenheim, in seinem Stadion am Ende 1:0 gegen den Deutschen Meister gewann, hätte den Club-Mäzen freuen können. Aber Hopp freute sich nicht, er war schockiert.

"Diese Leute sollten mal darüber nachdenken, wie es ist, vor 30.000 im Stadion und Millionen Fernsehzuschauern als 'Sohn einer Hure' beschimpft zu werden. Das Schlimme ist, man fühlt sich total hilflos. Ich bin auch nur ein Mensch. Wer meine Mutter kannte, weiß: Sie war eine herzensgute Frau. Es tut weh, so beleidigt zu werden", sagte Hopp damals der "Rhein-Neckar-Zeitung".

Die Vorkommnisse rund um das Spiel in Sinsheim, zu denen auch der sogenannte Beschallungsskandal gehörte, markierten den vorläufigen Tiefpunkt der Rivalität zwischen den beiden Clubs. Schon im Jahr zuvor waren Dortmunder Anhänger in Hoffenheim mit der Beleidigung von Hopps Mutter auffällig geworden, außerdem hatten sie ein Plakat in die Höhe gehalten, das den Unternehmer im Fadenkreuz zeigte. Auch hier rückte das eigentlich positive sportliche Ergebnis (4:1 für Hoffenheim) in den Hintergrund.

Man muss diese Vorgeschichte kennen, um zu verstehen, was der Mäzen für den morgigen Samstag geplant hat. Wenn am Nachmittag die TSG erneut den BVB empfängt, richtet Hopp im Vorwort des Stadionheftes, das SPIEGEL ONLINE vorliegt, ganz persönliche Worte direkt an die Fans des Gastes - und schreibt auch über seine Mutter. Es ist ein ungewöhnlicher Weg für eine ungewöhnliche Ansprache, die nur ein bisschen Abrechnung ist, vor allem aber ein Friedensangebot.

Hopp beginnt mit seiner Jugend, und wie viel er seiner Mutter zu verdanken habe. Respekt und Demut sind die Werte, die der SAP-Gründer beschwört, bevor er über das "Projekt Hoffenheim" schreibt und schließlich auf die Beleidigungen zu sprechen kommt. "Demütigungen" nennt Hopp diese, den Wortlaut möchte er "an dieser Stelle nicht mehr zitieren". Die Schmähungen schmerzten ihn nicht mehr, "sie enttäuschen nur noch", so der Mäzen weiter. Und doch: "Ich verzeihe die Rufe gegen mich. Erlauben Sie mir aber hier festzustellen, dass ich den Schreiern die Rufe gegen meine Familie übel nehme."

Wäre hier Ende, man müsste wohl fragen, ob dieses Vorwort eine kluge Idee war. Aber Hopp endet nicht hier, er fügt noch einen Absatz an. Nicht zu lang, um die Wirkung seiner Kritik zu entschärfen. Aber auch nicht zu kurz, um sie zu lange nachhallen zu lassen: Er heißt die Gäste willkommen. In seinen eigenen vier Wänden.



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