Mögliche Regeländerung Fifa denkt über Maulkorb für Fußballer nach

Es ist Alltag im Profifußball: Wenn der Schiedsrichter pfeift, beginnen die Spieler das Diskutieren. Geht es nach der Fifa, könnte sich das bald ändern.

Werder-Profi Florian Grillitsch (l.), Schiedsrichter Wolfgang Stark
DPA

Werder-Profi Florian Grillitsch (l.), Schiedsrichter Wolfgang Stark


Beim Fußballweltverband Fifa denkt man derzeit über eine Regeländerung nach, die nichts zu tun hat mit Toren und Tacklings - sondern mit dem Benehmen der Spieler. Demnach könnte es künftig nur noch dem Mannschaftskapitän erlaubt sein, mit dem Schiedsrichter zu diskutieren. Die zehn übrigen Teammitglieder dürften den Unparteiischen nach strittigen Entscheidungen nicht mehr direkt ansprechen.

Der Hintergrund ist das Betragen der Fußballer auf dem Platz. "Ihr Verhalten könnte besser sein", sagte Marco van Basten, Technischer Direktor des Weltverbands, der BBC: "Bei der Fifa denken wir darüber nach, es wieder in die richtigen Bahnen zu lenken."

Eine Vielzahl an Profis falle durch permanente Beschwerden und Diskussionen während eines Spiels auf, das wolle man nun von höchster Stelle unterbinden. Dabei könne sich die Fifa unter anderem an den Richtlinien im Rugby orientieren, wo sich nur der jeweilige Kapitän einer Mannschaft mit den Schiedsrichtern auseinandersetzen darf. "Wir können natürlich immer von anderen Sportarten lernen, und andere können von uns lernen", sagte der einstige Weltklassestürmer Van Basten: "Aber in diesem ganz konkreten Fall müssen wir jetzt bald handeln."

Vor allem gehe es dabei darum, die Schieds- und Linienrichter in ihrer Arbeit zu schützen und zu unterstützen. "Es sind viele Emotionen im Spiel, und das ist ja auch gut so, aber wir müssen diese Emotionen auch ein wenig kontrollieren", sagte der 52-Jährige.

mon/sid



insgesamt 53 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
waswoasi 24.12.2016
1. Sehr gute Maßnahme!
Manche Spieler fallen wirklich mehr durch große Klappe und Reklamieren denn hoher Fussballkunst auf. Das muss ein Ende haben!!!
skeptikerjörg 24.12.2016
2. In die richtige Richtung
Die ewigen Reklamationen, Meckereien und Diskussionen mit dem Schiedsrichter nerven, oft eskaliert es zur Rudelbildung und am Ende kommt ja doch nichts dabei raus. Es sind ja auch nicht alle (Profi)Fußballer, die diese Neigung haben, viele können drauf verzichten. Und man muss auch nicht nur Anleihen beim Rugby machen - wem das zu exotisch ist, sollte sich mal ein Handballspiel ansehen. Schiedsrichter anmeckern gleich Zeitstrafe (drei Zeitstrafen gleich Matchstrafe). Wohltuend, wie wenig dort Schiedsrichter von Spielern bedrängt werden. Also nur zu, wäre mal eine sinnvolle Regel. Übrigens auch für den einen oder anderen Trainer.
mueller1 24.12.2016
3. Hat die FiFa sonst keine Sorgen?
"Es sind viele Emotionen im Spiel, und das ist ja auch gut so, aber wir müssen diese Emotionen auch ein wenig kontrollieren" Der Satz sagt doch schon alles. Die Spieler und Trainer stehen unter Strom, das macht doch gerade den Reiz des Spiels aus. Wenn sich ein Spieler einmal zu sehr oder regelmäßig daneben benimmt, werden das Schiedsrichter und Publikum entsprechend "würdigen". Der Schiedsrichter hat jederzeit die Möglichkeit, die Spieler zurechtzuweisen, eine Gelbe Karte wegen Meckern oder eine Rote Karte wegen Schiedsrichterbeleidigung zu zeigen - mehr braucht es nicht.
camillo1993 24.12.2016
4. Richtiger Ansatz
Es ist schön, dass Sie Rugby als Beispiel nehmen. Dort trauen die Muskelberge von 100 bis 150 kg sich nicht an den Schiedsrichter heran und respektieren ihn. Ansonsten setzt es eine Zeitstrafe. Genau dies wäre auch eine Möglichkeit im Fussball. Nur der Kapitän darf dem Schiedsrichter eine Situation erklären, aber bitte mit einem Zeitlimit. Andere Spieler die sich nicht im Griff haben sollen zwischen 10 und 20 Minuten, je nach ihrem Verhalten vom Platz gestellt werden. Diese Art der Sanktion wäre auch bei anderen Problemen hilfreich. Weshalb, anstatt der gelben Karte, nicht eine Zeitstrafe, sagen wir von 15 Minuten, das würde manchem Spiel sicher sehr gut tun. Also bitte, liebe Fussballfunktionäre, traut euch!
silberschwert77 24.12.2016
5. Zu wenig, zu spät
Diese Regelung gibt es im Rugby und ist bewährt. Wenn man dann noch Schwalben konsequent bestraft, das Feiern durch Mannschaftskollegen ebensolcher ahndet, für das fordern von Karten für den Gegenspieler direkt eine dem/der Antragsteller zukommen lässt, herumtobenden Trainern umgehend einen VIP-Sitz zuweist, bei Böllern in den gegnerischen Fanblock das Spiel sofort abbricht, über gegenseitigen Respekt keine Werbespots produziert, sondern es auf dem Platz lebt - dann könnte man hier wieder von einem verfolgenswerten Sport sprechen. Und das hat alles nichts mit Scheichs, Oligarchen und Brauseproduzenten zu tun. Da aber vermutlich eher die Hölle gefriert oder Pferde kotzen wird in Zukunft was anderes von mir konsumiert: Das oben bereits genannte Rugby. Da ist das alles nämlich Standard. Mit tollem Sport als Zugabe.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.