Doppel-Aus Wolfsburg entlässt Strunz und Fach

Das Kölner Beispiel macht Schule: Auch Fußball-Bundesligist Wolfsburg hat auf die Talfahrt der letzten Wochen reagiert und wie Köln die sportliche Leitung entlassen. Manager Thomas Strunz und Trainer Holger Fach müssen gehen, wenige beim VfL sind darüber traurig.


Wolfsburg - Die Entscheidung traf der Aufsichtsrat der VfL Wolfsburg Fußball GmbH, die zu neunzig Prozent dem VW-Konzern gehört, in einer Sitzung am Nachmittag. Der VfL ist seit acht Runden sieglos und hatte die Hinrunde nach der 2:3-Auswärtsniederlage beim 1. FC Kaiserslautern am Samstag mit nur 18 Punkten abgeschlossen. Es war die schlechteste Bilanz seit dem Erstligaaufstieg 1997. Mit Strunz habe der VfL eine "ein vernehmliche Aufhebung" des Vertrags beschlossen, teilte der Club mit. Fach sei von seinen Aufgaben freigestellt worden. "Über eine Nachfolge wird zu gegebener Zeit entschieden", hieß es weiter.

Sportdirektor Strunz (l.), Trainer Fach: "Verpisst euch"
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Sportdirektor Strunz (l.), Trainer Fach: "Verpisst euch"

Aber nicht nur die sportliche Bilanz stimmt nicht beim VfL, auch die Atmosphäre zwischen Team und sportlicher Leitung war zuletzt vergiftet. Höhepunkt war die Weigerung des Spielers Miroslav Karhan, sich während der Partie am Samstag in Kaiserslautern (2:3) warm zu laufen.

Die Mannschaft hat es Strunz übel genommen, dass er diesen Vorfall öffentlich gemacht hat. "Ich weiß nicht, warum man das nicht intern hält, sondern nach außen bringen muss", sagte Abwehrspieler Kevin Hofland. Ein anderer Spieler meinte: "Wir haben nur ein Problem, das ist der Manager." Auch die Fans hatten längst mit Fach und Strunz abgeschlossen. "Verpisst euch", stand auf einem Plakat, das VfL-Anhänger nach der Niederlage in Kaiserslautern am Wolfsburger Stadion gehängt hatten.

Fach musste als achter Trainer der laufenden Saison nach Klaus Augenthaler (Bayer Leverkusen), Wolfgang Wolf (1. FC Nürnberg), Ewald Lienen (Hannover 96), Michael Henke (1. FC Kaiserslautern), Norbert Meier (MSV Duisburg), Ralf Rangnick (Schalke 04) und Uwe Rapolder (1. FC Köln) vorzeitig seinen Stuhl räumen. Es war die 292. Trainerentlassung seit Gründung der Bundesliga 1963.

Mit der Beurlaubung von Sportchef Strunz hat sich damit nur einen Tag nach dem 1. FC Köln am Sonntag der zweite Bundesligist von seiner kompletten sportlichen Führung getrennt. Strunz war erst im Januar 2005 von den Niedersachsen verpflichtet worden hatte und nach der Trennung von Eric Gerets, mit dem er sich zerstritten hatte, zum Saisonbeginn Fach als Coach verpflichtet. Strunz überwarf sich auch mit Kapitän Pablo Thiam sowie Teammanager Roy Präger.

Als neuer VfL-Trainer ist unter anderem Ralf Rangnick im Gespräch, der erst vorige Woche beim FC Schalke 04 entlassen worden war.



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