Doppelpack von BVB-Angreifer Reus: Slalom durch die "Senioren"

Von Benjamin Knaack und

Er war der Mann des Spiels: BVB-Angreifer Marco Reus hat beim ersten Aufeinandertreffen mit seinem alten Club Borussia Mönchengladbach mit einem Doppelpack für die Entscheidung gesorgt. Die Gäste waren in der Defensive desolat, Trainer Lucien Favre bezeichnete seine Spieler gar als "Senioren".

BVB-Gala: Reus rasant, Gladbach geht unter Fotos
AFP

Hamburg - Marco Reus konnte nur müde lächeln, als er vor dem Spiel gefragt wurde, wie er denn einen möglichen Torerfolg gegen seinen früheren Club Borussia Mönchengladbach feiern würde. "Ach", sagte er, "ich werde mich ganz normal verhalten. Also ohne Pipapo." Und wie würde sein neues Team, der BVB, in das Match gegen Gladbach gehen? "Sehr fokussiert, mit Leidenschaft und Aggressivität."

Ohne Pipapo, mit Leidenschaft und Aggressivität - besser hätte man den Auftritt des BVB gegen sichtlich überforderte Gladbacher nicht beschreiben können. Dortmund siegte 5:0 (2:0) und kletterte auf den dritten Tabellenplatz - doch beeindruckender als das Ergebnis war die Art und Weise, wie die BVB-Spieler auch noch in der Endphase, als das Spiel längst entschieden war, um den Ball kämpften und unbedingt weitere Treffer nachlegen wollten.

Neven Subotic (40.), Ilkay Gündogan (79.) und Jakub Blaszczykowski (85.) hatten gegen Gladbach getroffen und wurden ebenfalls von ihren Mitspielern bejubelt - doch nach dem Abpfiff stand nur noch ein Spieler im Mittelpunkt: Offensivspieler Reus. Der Zugang, erst im Sommer von Gladbach zum BVB gewechselt, hatte zwei Treffer zum Kantersieg beigesteuert. Es waren seine Saisontore Nummer drei und vier.

Ein Tempo-Dribbling, ein Kunstschuss, ein verhaltener Jubel

Der erste Treffer war ein typisches Reus-Tor, wie man es schon in Gladbach häufig von ihm gesehen hatte: mit Tempo, Präzision und Kaltschnäuzigkeit. Im Mittelfeld spielten die Gladbacher einen Fehlpass direkt vor die Füße des 23-Jährigen. Der erkannte die Situation sofort, legte ein Tempo-Dribbling hin und spielte einen Doppelpass mit Mario Götze. Mit dem Ball am Fuß sprintete Reus auf Marc-André ter Stegen zu, guckte den Keeper aus und schob zum 1:0 ein (27.).

Der zweite Treffer war ein Kunstschuss: Reus wollte eigentlich zu Götze passen, doch ein Gladbach-Verteidiger verhinderte das. Der Ball prallte zurück zu Reus, der einen kleinen Schusskorridor sah. Mit dem Innenrist schoss er von der rechten Strafraumseite aus spitzem Winkel in die obere linke Ecke - ein Traumtor, das dritte der Dortmunder zudem und damit die Entscheidung (70.).

"Ich glaube, dass wir in den ersten 20 Minuten noch nicht so gut drin waren im Spiel. Aber am Ende haben wir verdient gewonnen", sagte der Doppeltorschütze nach der Partie: "Wir haben heute viel weniger Fehler gemacht, in der zweiten Halbzeit kontrolliert gespielt und hatten mehr Ballbesitz. Es war ein Schritt nach vorne."

Spiele gegen Ex-Club - jubeln oder nicht?

Auch für Reus persönlich war es sicher ein wichtiger Entwicklungsschritt. Denn es ist immer eine besondere Situation, gegen seinen alten Club zu spielen. Eine Situation, mit der Bundesligaspieler höchst unterschiedlich umgehen: Angreifer Claudio Pizarro etwa, der am Nachmittag mit den Bayern bei seinem alten Verein Werder Bremen spielte, wirkte nach der Partie regelrecht erleichtert, dass sein Team zwar gewonnen hatte, er jedoch nicht für die Tore verantwortlich gewesen war.

Ganz anders hatte Stuttgarts Vedad Ibisevic reagiert, als er im März dieses Jahres auf seinen alten Club Hoffenheim traf - und mit zwei Toren quasi im Alleingang für den Sieg gegen seine alten Mitspieler sorgte. Erst in der Winterpause war er gewechselt, trotzdem feierte er ausgelassen vor der 1899-Kurve. "Als Stürmer darf man jubeln", sagte er damals.

Und Reus? Der reagierte verhalten, verzichtete beim ersten Tor noch gänzlich auf einen Torjubel. Beim zweiten Treffer, wohl auch weil er so schön war, war ihm die Freude schon deutlicher anzusehen, auch den Finger streckte er aus. "Es war etwas sehr Besonderes für mich, gegen meinen alten Verein zu spielen, wo ich wirklich drei sehr geile Jahre hatte", sagte Reus dem TV-Sender Liga Total.

Weniger Spaß hatte Gladbachs Trainer Lucien Favre, der von einer "Klatsche" sprach: "Wir haben nicht schlecht angefangen, danach haben wir vergessen zu verteidigen. Einige Spieler haben gedacht, zu verteidigen wäre keine Pflicht", so der Coach: "Diese Fehler bei Ballbesitz kann ich nicht akzeptieren. Wir haben dumme Tore bekommen, einige haben teilweise gespielt wie Senioren."

Borussia Dortmund - Borussia Mönchengladbach 5:0 (2:0)
1:0 Reus (35.)
2:0 Subotic (40.)
3:0 Reus (70.)
4:0 Gündogan (79.)
5:0 Blaszczykowski (85.)
Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer - Gündogan, Kehl (83. Santana) - Blaszczykowski, Götze (71. Großkreutz), Reus (75. Bender) - Schieber
Mönchengladbach: ter Stegen (77. Heimeroth) - Jantschke, Brouwers, Domínguez, Daems - Nordtveit, Xhaka - Herrmann (75. Ring), Arango - Hanke (62. Hrgota), De Camargo
Schiedsrichter: Stark
Zuschauer: 80.645 (ausverkauft)
Gelbe Karten: - / Nordtveit

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insgesamt 3 Beiträge
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1.
deefens 29.09.2012
Zitat von sysopEr war der Mann des Spiels: BVB-Angreifer Marco Reus hat beim ersten Aufeinandertreffen mit seinem alten Club Borussia Mönchengladbach mit einem Doppelpack für die Entscheidung gesorgt. Die Gäste waren in der Defensive desolat, Trainer Lucien Favre bezeichnete seine Spieler gar als "Senioren". Dortmund-Angreifer Marco Reus schießt Gladbach ab - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/dortmund-angreifer-marco-reus-schiesst-gladbach-ab-a-858768.html)
Der Reus hat auf Foto 8 nicht wirklich seinen eigenen Vornamen + Geburtsdatum als Tatoo auf dem eigenen Arm stehen, oder? Schlapplach
2.
TBF 30.09.2012
so gut reus auch war, der mann des spiels spielte eine reihe weiter hinten und heißt ilkay gündogan. Fantastische Taktische Leistung, exzellentes Pressing, hervorragende Spieleröffnung, gutes Auge für gefährliche Pässe und zudem auch noch für einen 8er extrem Zweikampfstark.
3. "Junioren"
guelmi 30.09.2012
Hr. Lucien Favre hat gesagt "Junioren"! Nicht Senioren! Genau hinhoeren bitte! Auf Franzoesisch spricht man "Junioren" "Schuenioren" aus!
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