Von Clemens Gerlach
Hamburg - Der Schalker Mittelfeldkämpfer Jermaine Jones lächelte. Er hatte auch allen Grund dazu. 2:0 hatte sein Team Leverkusen geschlagen und einen Verfolger abgeschüttelt. "Ich denke, dass wir jetzt einen großen Schritt gemacht haben", sagte auch Jones, "jetzt sind wir sogar Dritter. Mal sehen, was noch geht."
Vor den Schalkern (53 Punkte) liegen noch die Bayern (57), die Hannover 2:1 geschlagen haben, und Meister Dortmund (62), der souverän gegen Köln (6:1) gewann. Schalke-Trainer Huub Stevens gab sich gewohnt zurückhaltend: "Den dritten Platz haben wir noch nicht geschafft, aber wir haben ein Polster zum fünften Platz geschaffen."
Den belegt derzeit Leverkusen, deren Rückstand auf Schalke beträgt 13 Punkte. Bei sieben noch ausstehenden Spielen müsste das den Gelsenkirchenern reichen, um sich erneut direkt für die Champions League zu qualifizieren.
"Wir waren 70 Minuten lang die bessere Mannschaft. Wir hatten sechs, sieben klare Torchancen. Aber wir haben eben nur einen Treffer gemacht. Das ist eine Enttäuschung", sagte Gladbachs Trainer Lucien Favre. "So ein Spiel dürfen wir nie und nimmer verlieren. Das ist richtig frustrierend", so Mittelfeldspieler Patrick Herrmann.
Leverkusen zuletzt ohne Druck und Punkte
Dass die Gladbacher in der letzten Viertelstunde platt waren und nach einer 1:0-Führung noch zwei Gegentreffer kassierten, lag nicht nur an den Strapazen des 120-minütigen Pokalspiels am Mittwoch gegen die Bayern, das auch noch mit einer Niederlage im Elfmeterschießen geendet hatte.
Dem Team ist insgesamt anzumerken, dass der Kader zu dünn besetzt ist, um eine ganze Saison auf höchstem Niveau zu spielen. So wird Gladbach vermutlich in die Qualifikation gehen müssen, um die Champions League noch erreichen zu können. Für den Fast-Absteiger der vergangenen Saison wäre schon dies ein großer Erfolg.
In Leverkusen hingegen wächst die Sorge, dass der Club kommende Saison eventuell sogar international gar nicht mehr vertreten sein wird. Die Niederlage bei Schalke war die dritte in Folge.
"Alle sind enttäuscht über die Vorstellung der Mannschaft", sagte Bayer-Sportdirektor Rudi Völler, "wir müssen mehr tun, müssen uns zerreißen. Die Champions League hat sich erledigt. Wir müssen zusehen, dass wir den fünften Platz verteidigen."
Ähnlich sah es Mittelfeldspieler Simon Rolfes, dem wegen eines angeblichen Ellenbogenchecks gegen den Schalker Julian Draxler eine nachträgliche Sperre droht: "Wir müssen uns jetzt auf die Europa League konzentrieren."
Gleichauf mit Leverkusen (40 Punkte) ist Bremen als Fünfter, dahinter folgen Stuttgart (39), Hannover (38) und Wolfsburg (37). Diese fünf Clubs kämpfen um die drei Plätze für die Europa League. Weil Dortmund und die Bayern das Finale des DFB-Pokals erreicht haben und in der Liga vermutlich nicht schlechter als Platz sechs abschneiden werden, wird wohl der Tabellensiebte nachrücken.
"Unsere Mannschaft geht auf dem Zahnfleisch", klagt Leverkusens Trainer Robin Dutt, "uns fliegt jede Woche ein Muskel um die Ohren". Dennoch ist der nicht unumstrittene Coach in punkto Teilnahme am Europapokal optimistisch: "Für die, die den Kopf in den Sand stecken, wird es am Ende nicht reichen. Aber für meine Mannschaft wird es reichen, das kann ich versprechen."
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