BVB-Remis bei Real Madrid: Zwei Tore, ein Punkt und ganz viel Stolz

Aus Madrid berichtet

Der BVB hatte Real Madrid fast schon besiegt, dann schlug Mesut Özil zurück. Wie schon in Manchester kassiert Borussia Dortmund auch in Madrid erst spät den Ausgleich. Allzu groß war die Enttäuschung aber nicht: Das Team von Jürgen Klopp hat weiterhin beste Chancen auf das Achtelfinale.

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Im und nach dem Spiel gab es bei Borussia Dortmund das gleiche Bild. Ein Team trat geschlossen auf. "In der ersten Halbzeit war das schon sehr ordentlich von uns, in der zweiten Halbzeit hat Real dann das Spiel an sich gerissen", sagte BVB-Abwehrchef Mats Hummels nach dem 2:2 am Dienstagabend bei Real Madrid. "Unsere Leistung hat José Mourinho wohl dazu genötigt, in der zweiten Halbzeit taktisch umzustellen", so Dortmunds Kapitän Sebastian Kehl.

Tatsächlich war der erste Durchgang einer der bislang stärksten Auftritte der Borussia in ihrer jüngsten Europapokalhistorie. Die Mannschaft von Jürgen Klopp hatte im Mittelfeld die Räume hervorragend geschlossen, beide Viererketten verschoben sich nahezu perfekt.

Zudem zeigten die Offensivspieler Marco Reus, Mario Götze und Robert Lewandowski eine ganze Reihe schöner Kombinationen. Der Dortmunder Spielwitz bereitete Madrid echte Probleme. Cristiano Ronaldo, Gonzalo Higuain oder Mesut Özil konnten kaum Akzente setzen.

"Außerordentlich gut gespielt"

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Champions League: Özil schockiert Dortmund
Dortmunds 2:1-Führung zur Pause nach Treffern von Reus und einem Eigentor von Alvaro Arbeloa, das Götze durch einen technisch hochwertigen Lupfer erzwungen hatte, war verdient. "Wir haben in der ersten Halbzeit außerordentlich gut gespielt", so Klopp nach der Partie.

Auch Mourinho war nicht entgangen, dass sich seine Mannschaft in der ersten Halbzeit kaum entfalten hatte können, und dies bei einem Heimspiel. Der portugiesische Startrainer von Real Madrid brachte zu Beginn des zweiten Durchgangs in José Callejon einen zweiten Stürmer, zudem beorderte er Ronaldo deutlich weiter ins Zentrum des Spiels.

Die Umstellungen zahlten sich aus. Der BVB geriet nach dem Wechsel stark unter Druck. Alleine Callejon hatte im zweiten Durchgang vier hochkarätige Chancen, um ein Tor zu erzielen. Ein Treffer glückte dem 25-Jährigen, doch dieser wurde wegen einer angeblichen Abseitsstellung nicht gegeben.

Der BVB kämpfte, doch die Mannschaft war nicht in der Lage, die eigenen Bälle zu halten, geschweige denn eigene Angriffe zu starten. Bis auf Lewandowski, der etliche Bälle behauptete und dadurch zumindest etwas Zeit herausspielen konnte, war kaum ein Borusse fähig, das Madrider Angriffsspiel zu unterbinden.

Özil reißt Dortmund aus den Träumen

"Natürlich hat uns dabei ein wenig die Entlastung gefehlt", gab Klopp zu. "Die haben einen Druck auf uns aufgebaut, von dem wir uns kaum noch befreien konnten", so Kehl. Überrascht habe ihn das aber nicht, so der Mittelfeldspieler, der wegen eines angebrochenen Nasenbeins mit einer Schutzmaske auflaufen musste: "Wir wussten, dass das hier heute auch ein Kampfspiel werden wird."

Doch trotz allen Einsatzes reichte es nicht zu einem Sieg für den BVB. Real-Spielmacher Mesut Özil riss die Dortmunder in der 89. Minute aus ihrem Traum, als zweite deutsche Mannschaft nach Bayern München bei Real Madrid gewinnen zu können. Der deutsche Nationalspieler verwandelte einen Freistoß.

"Das Tor war überragend, irre gut. Besser kann man den nicht schießen", sagte BVB-Torwart Weidenfeller. Eine Mitschuld wollte sich der 32-Jährige an dem Ausgleich nicht geben. Dabei sah sein Abtauchversuch sehr unglücklich aus. Es wirkte so, als sei Weidenfeller zu zaghaft ins Eck gesprungen, vielleicht aus Angst, mit dem Pfosten zusammenzuprallen.

Vorwürfe an Weidenfeller gab es keine. Warum auch? Zuvor hatte der Torwart etliche starke Paraden gezeigt und Dortmund vor dem Ausgleich bewahrt. Und insgesamt sieht die Lage für den BVB ja auch sehr gut aus.

Dortmund, das schon bei Manchester City (1:1) kurz vor dem Abpfiff den Ausgleichstreffer kassiert hatte, besitzt alle Chancen auf den Einzug ins Achtelfinale der Champions League. Dazu reicht dem BVB schon ein Remis in zwei Wochen bei Ajax Amsterdam.

Überwintern wird der Deutsche Meister im Europapokal wohl auf jeden Fall, erstmals seit der Saison 2002/2003. Der dritte Rang, der zur Teilnahme an der Europa League berechtigt, ist dem BVB in der Vorrundengruppe D kaum noch zu nehmen.

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Fassung des Textes war zu lesen, dass Dortmund auf jeden Fall im Europapokal überwintern wird. Dies ist nicht richtig. Rein rechnerisch kann der BVB noch auf den vierten Platz der Vorrundengruppe D zurückfallen und somit die Teilnahme an der Europa League verpassen. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

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insgesamt 34 Beiträge
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1. Desolate Madrilenen
Stelzi 07.11.2012
Wie schon im Hinnspiel und auch gegen City haben sich die Real Kicker vorallem mit einer desolaten Einstellung hervorgetan. Das sie es können, hat man gestern in den letzten 15 Minuten gesehen, in denen Dortmund das Spiel eigentlich noch hätte verlieren müssen, wenn Madrid sein halbes Dutzend Grosschancen mal reingemacht hätte. Der Lack vom "Einzigartigen" scheint ja langsam ab zu sein, wenn sich seine Kicker so träge und überheblich zeigen. In der KO-Runde wird Dortmund es aber nicht mehr mit lauffaulen Madrilenen zu tun haben.
2. Leider noch nicht sicher für EL qualifiziert
Garrona 07.11.2012
Überwintern wird der Deutsche Meister im Europapokal auf jeden Fall, erstmals seit der Saison 2002/2003. Der dritte Rang, der zur Teilnahme an der Europa League berechtigt, ist dem BVB in der Vorrundengruppe D auch rechnerisch nicht mehr zu nehmen. Leider ist das falsch. Es ist theoretisch möglich, dass alle 4 Clubs am Ende mit 8 Punkten da stehen (BVB verliert beide Spiele, Manchester gewinnt daheim gegen Real, Real und Ajax unentschieden) - dann würden alle 4 Mannschaften mit 8 Punkten dastehen. wenn Dortmund nun hoch verliert (2x 2:0 z.B.) haben sie die schlechteste Tordifferenz und dadurch würden sie als 4ter ausscheiden.
3. EL Quali nicht gesichert
Garrona 07.11.2012
Zitat von sysopÜberwintern wird der Deutsche Meister im Europapokal auf jeden Fall, erstmals seit der Saison 2002/2003. Der dritte Rang, der zur Teilnahme an der Europa League berechtigt, ist dem BVB in der Vorrundengruppe D auch rechnerisch nicht mehr zu nehmen.
Leider NEIN: Spieltag5: Manchester City: Real Madrid 1 : 0 Ajax Amsterdam : BVB 2 : 0 Spieltag6: Borussia Dortmund : Manchester City 0 : 2 Real Madrid : Ajax Amsterdam 2:2 Endtabelle: 1. Real Madrid - 8 Punkte - 12 : 10 Tore - +2 Tordifferenz 2. Ajax Amsterdam - 8 Punkte 10 : 10 Tore - 0 Tordifferenz 3. Manchester City - 8 Punkte - 9 : 9 Tore - 0 Tordifferenz 4. Borussia Dortmund - 8 Punkte 6 : 8 Tore - -2 Tordifferenz Somit wäre Dortmund komplett draußen
4. Tolles Spiel,
deraltetom 07.11.2012
aber wenn der bvb noch zweimal verlieren sollte, ManCity zweimal gewinnt und Ajax gegen Madrid ein Unentschieden schafft haben alle Mannschaften 8 Punkte und es entscheidet das Torverhältnis. Rein theoretisch kann also doch noch Platz 4 herausspringen ...
5. "angebliches Abseits" von Callejon?
hansinho 07.11.2012
Zitat von sysopDer BVB hatte Real Madrid fast schon besiegt, dann schlug Mesut Özil zurück. Wie schon in Manchester kassiert Borussia Dortmund auch in Madrid erst spät ein Gegentor. Allzu groß war die Enttäuschung aber nicht: Das Team von Jürgen Klopp hat weiterhin beste Chancen auf das Achtelfinale. Dortmund freut sich über Remis bei Real - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/dortmund-freut-sich-ueber-remis-bei-real-a-865761.html)
Was soll den das Wort "angeblich"? In der Wiederholung war deutlich zu erkennen das Callejon einen Meter im Abseits stand. "war kaum ein Borusse fähig, das Madrider Angriffsspiel zu unterbinden." Es stimmt zwar, das Real in der 2. Halbzeit das bessere Team war und Dortmund ordentlich unter Druck gesetzt hat, aber wenn diese Aussage richtig wäre, hätte Real 5:2 gewonnen. Wie immer hier. wenn es um Dortmund geht wird nur in Extremen gesprochen. Journalistisch ist das fragwürdig.
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