Aus Madrid berichtet Rafael Buschmann
Im und nach dem Spiel gab es bei Borussia Dortmund das gleiche Bild. Ein Team trat geschlossen auf. "In der ersten Halbzeit war das schon sehr ordentlich von uns, in der zweiten Halbzeit hat Real dann das Spiel an sich gerissen", sagte BVB-Abwehrchef Mats Hummels nach dem 2:2 am Dienstagabend bei Real Madrid. "Unsere Leistung hat José Mourinho wohl dazu genötigt, in der zweiten Halbzeit taktisch umzustellen", so Dortmunds Kapitän Sebastian Kehl.
Tatsächlich war der erste Durchgang einer der bislang stärksten Auftritte der Borussia in ihrer jüngsten Europapokalhistorie. Die Mannschaft von Jürgen Klopp hatte im Mittelfeld die Räume hervorragend geschlossen, beide Viererketten verschoben sich nahezu perfekt.
Zudem zeigten die Offensivspieler Marco Reus, Mario Götze und Robert Lewandowski eine ganze Reihe schöner Kombinationen. Der Dortmunder Spielwitz bereitete Madrid echte Probleme. Cristiano Ronaldo, Gonzalo Higuain oder Mesut Özil konnten kaum Akzente setzen.
"Außerordentlich gut gespielt"
Auch Mourinho war nicht entgangen, dass sich seine Mannschaft in der ersten Halbzeit kaum entfalten hatte können, und dies bei einem Heimspiel. Der portugiesische Startrainer von Real Madrid brachte zu Beginn des zweiten Durchgangs in José Callejon einen zweiten Stürmer, zudem beorderte er Ronaldo deutlich weiter ins Zentrum des Spiels.
Die Umstellungen zahlten sich aus. Der BVB geriet nach dem Wechsel stark unter Druck. Alleine Callejon hatte im zweiten Durchgang vier hochkarätige Chancen, um ein Tor zu erzielen. Ein Treffer glückte dem 25-Jährigen, doch dieser wurde wegen einer angeblichen Abseitsstellung nicht gegeben.
Der BVB kämpfte, doch die Mannschaft war nicht in der Lage, die eigenen Bälle zu halten, geschweige denn eigene Angriffe zu starten. Bis auf Lewandowski, der etliche Bälle behauptete und dadurch zumindest etwas Zeit herausspielen konnte, war kaum ein Borusse fähig, das Madrider Angriffsspiel zu unterbinden.
Özil reißt Dortmund aus den Träumen
"Natürlich hat uns dabei ein wenig die Entlastung gefehlt", gab Klopp zu. "Die haben einen Druck auf uns aufgebaut, von dem wir uns kaum noch befreien konnten", so Kehl. Überrascht habe ihn das aber nicht, so der Mittelfeldspieler, der wegen eines angebrochenen Nasenbeins mit einer Schutzmaske auflaufen musste: "Wir wussten, dass das hier heute auch ein Kampfspiel werden wird."
Doch trotz allen Einsatzes reichte es nicht zu einem Sieg für den BVB. Real-Spielmacher Mesut Özil riss die Dortmunder in der 89. Minute aus ihrem Traum, als zweite deutsche Mannschaft nach Bayern München bei Real Madrid gewinnen zu können. Der deutsche Nationalspieler verwandelte einen Freistoß.
"Das Tor war überragend, irre gut. Besser kann man den nicht schießen", sagte BVB-Torwart Weidenfeller. Eine Mitschuld wollte sich der 32-Jährige an dem Ausgleich nicht geben. Dabei sah sein Abtauchversuch sehr unglücklich aus. Es wirkte so, als sei Weidenfeller zu zaghaft ins Eck gesprungen, vielleicht aus Angst, mit dem Pfosten zusammenzuprallen.
Vorwürfe an Weidenfeller gab es keine. Warum auch? Zuvor hatte der Torwart etliche starke Paraden gezeigt und Dortmund vor dem Ausgleich bewahrt. Und insgesamt sieht die Lage für den BVB ja auch sehr gut aus.
Dortmund, das schon bei Manchester City (1:1) kurz vor dem Abpfiff den Ausgleichstreffer kassiert hatte, besitzt alle Chancen auf den Einzug ins Achtelfinale der Champions League. Dazu reicht dem BVB schon ein Remis in zwei Wochen bei Ajax Amsterdam.
Überwintern wird der Deutsche Meister im Europapokal wohl auf jeden Fall, erstmals seit der Saison 2002/2003. Der dritte Rang, der zur Teilnahme an der Europa League berechtigt, ist dem BVB in der Vorrundengruppe D kaum noch zu nehmen.
Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Fassung des Textes war zu lesen, dass Dortmund auf jeden Fall im Europapokal überwintern wird. Dies ist nicht richtig. Rein rechnerisch kann der BVB noch auf den vierten Platz der Vorrundengruppe D zurückfallen und somit die Teilnahme an der Europa League verpassen. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.
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