Hamburg - Der offizielle Teil war bereits beendet, die Journalisten auf Dortmunds Pressekonferenz vor dem Real-Spiel verabschiedet. Da setzte Jürgen Klopp noch einmal an. "Ich möchte noch etwas loswerden", begann der BVB-Coach und wendete sich direkt an die Fans: "Lasst uns morgen einen ganz speziellen Abend daraus machen, einen ganz besonderen Abend, einen BVB-Abend." Klopp bat die Fans, alles zu Hause zu lassen, was sie "an negativen Gedanken belastet".
Er meinte den Wechsel von Mario Götze zum FC Bayern. Wie würden die BVB-Fans auf den Abgang reagieren? Den Jungstar auspfeifen? Oder ihn höflich empfangen? Die Dortmunder Anhänger haben offenbar ihren Frust verdaut, vor Götzes erstem Spiel nach der Bekanntgabe, dem Champions-League-Match gegen Real Madrid (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE), wurde Götze beim Einlaufen nicht ausgebuht, die Fans nahmen seine Anwesenheit nahezu ohne Reaktion hin.
Vereinzelte Plakate waren zu sehen, auf einem stand: "Danke, Götze". Auf einem anderen: "Götze raus". Wenige Minuten zuvor war Torwart Roman Weidenfeller noch unter Applaus aufs Feld gekommen.
Als Götze nach 155 Sekunden das erste Mal den Ball am Fuß hatte, bestätigte sich der erste Eindruck: Es blieb ruhig, insofern man das vom Hexenkessel überhaupt behaupten konnte. Als er dann wenig später das erste Tor vorbereitet hatte, waren auch die letzten Zweifler besänftigt.
Götze sprach von großer Zukunft beim BVB
Noch im Winter hatte Götze der "WAZ"-Gruppe gesagt: "Erst mal läuft mein Vertrag bis 2016. Deshalb gibt es überhaupt keinen Grund, über etwas anderes nachzudenken." Er könne sich sogar ein Karriereende in Dortmund vorstellen. Aussagen, die die BVB-Fans erfreuten - und im Nachhinein umso mehr enttäuschten.
"Mario Götze hat uns getäuscht. Und wir haben uns täuschen lassen", hieß es in einem Bericht des Fanzines "schwatzgelb". In den Fanforen der Dortmunder waren die Reaktionen wechselhaft. "Pirate" schrieb: "Von mir aus brauchst nun nicht mehr spielen!!!!" Andere User, wie "Schnett", riefen zur Unterstützung auf: "Solange er unser Trikot trägt, wird er supported wir (sic!) jeder andere schwatzgelbe auch, sobald er dies nicht mehr tut, ist er mir schlichtweg egal."
Vor anderthalb Jahren hatte Watzke noch gesagt, für "kein Geld der Welt" werde man Götze verkaufen. Das war im September 2011, der FC Arsenal hatte damals gerade 40 Millionen Euro für den Mittelfeldspieler geboten. Nur ein paar Monate später, im April 2012, verlängerte Götze seinen Vertrag vorzeitig bis 2016, darin festgeschrieben war eine Ausstiegsklausel in Höhe von 37 Millionen Euro. Diese Summe wird der FC Bayern nun bezahlen.
leh
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