Dortmund-Pleite im Derby: Klopp baut fatalen Fehler ins System

Aus Dortmund berichtet Daniel Theweleit

Zwölf Punkte nach acht Spielen - der Saisonstart des BVB ist gründlich daneben gegangen. An der Niederlage im Revierderby gegen Schalke hatte vor allem Trainer Jürgen Klopps Taktik einen großen Anteil. Für den Rest sorgte ein perfektes gegnerisches Mittelfeld.

Dortmund-Trainer Klopp (r.): "Hätte schon gerne ein paar mehr Punkte"Zur Großansicht
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Dortmund-Trainer Klopp (r.): "Hätte schon gerne ein paar mehr Punkte"

Nur einen ganz flüchtigen Blick warf Kevin Großkreutz auf die Bundesligatabelle, als er nach der 1:2-Niederlage seines BVB gegen Schalke 04 in die Kabine stiefelte. Hinterlistig leuchtete das enttäuschende Zahlenwerk auf einem Bildschirm, schwarze Zahlen auf gelbem Untergrund, Großkreutz wollte offensichtlich nichts zu tun haben mit den Realitäten dieses Tableaus. Mit gesenktem Blick verschwand er wortlos unter der Dusche. Der FC Bayern hat nun doppelt so viele Punkte wie die Dortmunder, der Vorsprung ist auf imposante zwölf Zähler angewachsen, "das ist schon eine Hausnummer", sagte Mats Hummels später.

Selbst der Erzrivale aus Gelsenkirchen rangiert nach diesem Spieltag fünf Punkte vor dem BVB. "Auf den Abstand schauen wir nicht, aber ich hätte schon gerne ein paar mehr Punkte", so Dortmunds Trainer Jürgen Klopp. Tatsächlich ist es ein ziemlich missratener Saisonstart des Meisters. Auswärts hat der BVB noch gar nicht gewonnen, nun setzte es die erste Dortmunder Heimniederlage seit über einem Jahr und selbst Klopp, der Trainer des Jahres, ist an diesem Nachmittag ein entscheidender Fehler unterlaufen.

Er hatte sich angesichts der Ausfälle von Marcel Schmelzer, Ilkay Gündogan, Mario Götze und Jakub Blaszczykowski für ein erstaunliches Experiment entschieden. Sven Bender bildete - flankiert von Mats Hummels und Neven Subotic - das Zentrum einer Dreierabwehrkette. Es war ein System, das Klopp seinem Team noch nie verordnet hatte, seit er sein Amt beim BVB 2008 übernommen hat.


Es war eine Art 3-3-3-1-System, mit dem der BVB dieses Derby begann, und das Projekt ging gewaltig schief. "Wir waren etwas überrascht, dass Dortmund mit einer anderen Organisation spielte als sonst", sagte Schalkes Trainer Huub Stevens. Ein Kopfschütteln ersparte er sich, aber seinem Ton war deutlich zu entnehmen, dass er Klopps Versuchsanordnung reichlich abwegig fand.

Klopp selbst gestand nach dem Spiel: "Die Niederlage geht auf meine Kappe. Ich wollte mit der Systemumstellung der Mannschaft nur helfen." Das ging daneben, Bender strahlte im Defensivzentrum überhaupt keine Sicherheit aus, seine missglückte Kopfballabwehr in der 14. Minute wurde zur Vorlage für Ibrahim Afellays Führungstreffer zum 1:0. Nach einer halben Stunde stellte Klopp wieder auf das gewohnte 4-2-3-1 um. "Ich war geschockt von unserem Passspiel", berichtete der Trainer später, nach der Systemkorrektur habe seine Mannschaft dann zwar "kein Wahnsinnsspiel" mehr hinbekommen, immerhin sei sein Team danach aber "etwas stabiler" geworden.

Das ändert aber nichts daran, dass der BVB eines seiner schwächsten Leistungen der jüngeren Vergangenheit abgeliefert hat. Das hatte natürlich auch mit den hervorragend spielenden Schalkern zu tun. Erstaunlich ruhig, sachlich und souverän kontrollierten sie die Partie.

Dortmunds Suche nach dem eigenen Spiel

Die überragende Doppelsechs mit dem überraschend für Jermaine Jones nominierten Marco Höger, der an der Seite von Roman Neustädter brillierte, stattete das Team mit einer perfekt passenden Mentalität aus. Höger war ballsicher, zweikampfstark, lauffreudig und traf nach einem formidablen Pass von Lewis Holtby zum 2:0 (48.).

Die Partie war geprägt von Dortmunds Suche nach dem eigenen Spiel und dem nüchternen Engagement der Schalker, die bei aller Sachlichkeit nie inspirationslos wirkten. Bis auf die drei, vier Minuten nach dem 1:2, das Lewandowski per Kopf gelang (55.) war es nach den Ausschreitungen vor der Partie erstaunlich ruhig für ein Derby. "Wir haben nach diesem Tor bravourös gekämpft", sagte Stevens. Der BVB kam einfach nicht zur Entfaltung gegen diesen Gegner.

Die Fankurve mit den Schalkern feierte dann ein wildes Fest. "Geil, das ist das erste Mal, dass ich ein Derby gewinne", sagte der strahlende Lars Unnerstall, der seinen Platz im Schalker Tor behalten durfte, obwohl Timo Hildebrand, die eigentliche Nummer eins, von seiner Knieverletzung genesen ist.

Und der enttäuschte Klopp wusste hinterher immerhin, was seine Mannschaft besser machen muss am kommenden Mittwoch im Champions-League-Spiel gegen Real Madrid (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE): "Alles!"

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insgesamt 37 Beiträge
garnienicht 20.10.2012
oder kapp daneben. Halte den Klopp für den einzig geeigneten Bundestrainer! Ob er nun ein guter oder schlechter Trainer in allerweltszeiten ist, verkneife ich mir mal hier. Tatsache ist das er einer lausigen Mannschaft so [...]
Zitat von sysopZwölf Punkte nach acht Spielen - der Saisonstart des BVB ist gründlich daneben gegangen. An der Niederlage im Revierderby gegen Schalke hatte vor allem Trainer Jürgen Klopps Taktik einen großen Anteil. Für den Rest sorgte ein perfektes gegnerisches Mittelfeld. Dortmund-Pleite im Derby: Schalker Sieg dank Klopps Konzept - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/dortmund-pleite-im-derby-schalker-sieg-dank-klopps-konzept-a-862500.html)
oder kapp daneben. Halte den Klopp für den einzig geeigneten Bundestrainer! Ob er nun ein guter oder schlechter Trainer in allerweltszeiten ist, verkneife ich mir mal hier. Tatsache ist das er einer lausigen Mannschaft so etwas wie ein ´Siegergen´implantieren kann. Ich bin beileibe kein BvB Fan, denke aber das ist die eigentliche Berufung des Herrn Klopp.
rolforolfo 20.10.2012
..hat meines Erachtens ein hochinteressantes Problem: Das Problem heisst -denke ich- Reus. Ein technisch hochbegabter abschlussstarker Spieler, auf den sich das Dortmund-Spiel stark fokussiert hat und deswegen seine Stärke der 2 [...]
..hat meines Erachtens ein hochinteressantes Problem: Das Problem heisst -denke ich- Reus. Ein technisch hochbegabter abschlussstarker Spieler, auf den sich das Dortmund-Spiel stark fokussiert hat und deswegen seine Stärke der 2 Jahre zuvor verloren hat: Du wusstest beim "alten" Dortmund nie, ob Großkreutz, Lewandowski, Kagawa oder Blasczikowski oder evtl. Gündokan / Kehl / Schmelzer.... das Tor machen. Aktuell ist das Spiel stark einseitig geworden, man sucht zu sehr die Stärken von Reus zum Vorteil zu bringen und verliert seine gesamtmannschaftliche "Walze". Dormund war eine Walze, die unberechenbar war, dahin muss es zurück. Reus muss eine-Variante-von-vielen sein, er muss lernen im Spiel nach hinten mitzuarbeiten, das Spiel muss auf andere Varianten verlagert werden können, man braucht immer mehrere Optionen...
hobbster 20.10.2012
Wenn es geklappt hätte wäre er der Held gewesen, dann hätten alle von einem genialen Schachzug gesprochen. Wenn 4 wichtige Stammspieler fehlen muss man auch mal was riskieren. Der Sportjournalismus in Deutschland nähert sich [...]
Zitat von sysopZwölf Punkte nach acht Spielen - der Saisonstart des BVB ist gründlich daneben gegangen. An der Niederlage im Revierderby gegen Schalke hatte vor allem Trainer Jürgen Klopps Taktik einen großen Anteil. Für den Rest sorgte ein perfektes gegnerisches Mittelfeld. Dortmund-Pleite im Derby: Schalker Sieg dank Klopps Konzept - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/dortmund-pleite-im-derby-schalker-sieg-dank-klopps-konzept-a-862500.html)
Wenn es geklappt hätte wäre er der Held gewesen, dann hätten alle von einem genialen Schachzug gesprochen. Wenn 4 wichtige Stammspieler fehlen muss man auch mal was riskieren. Der Sportjournalismus in Deutschland nähert sich auch immer mehr italienischen Verhältnissen an (schwarz/weiß). Wie auch immer, die Niederlage war verdient. Und davon ab, nur wenige Fantasten haben je an eine dritte Meisterschaft in Folge geglaubt, ich hab kein Problem damit das diese Saison andere dran sind (auch wenn die Saison noch lang ist). Solange es keine Blauen sind (da sehe ich aber auch keine Gefahr).
stadtanzeiger500 20.10.2012
verliert man mal gewinnt man. Dortmund hat heute eine katastrophale Leistung gezeigt. Wenn wir unser Ziel, die CL erreichen können wir Zufrieden sein.
verliert man mal gewinnt man. Dortmund hat heute eine katastrophale Leistung gezeigt. Wenn wir unser Ziel, die CL erreichen können wir Zufrieden sein.
rolfseul 20.10.2012
Sie sind auch einer derjenigen, die von Fairness meilenweit entfernt sind. Warum nicht die Blauen? Das sie es kaum schaffen dürften, steht auf einem anderen Blatt. Die Revalität zwischen Blau und Gelb kenne ich nun schon seit 60 [...]
Sie sind auch einer derjenigen, die von Fairness meilenweit entfernt sind. Warum nicht die Blauen? Das sie es kaum schaffen dürften, steht auf einem anderen Blatt. Die Revalität zwischen Blau und Gelb kenne ich nun schon seit 60 Jahren. Die hat es unter Fußballern schon immer gegeben. Nur was hier in letzter Zeit so abgeht, hat mit Revalität nichts mehr zu tun. Dazutragensolche Sprüche wie Ihrer sein Schärflein zu bei. Ich finde es einfach nur ekelhaft, weil es mit Sport im eigendlichen Sinne nichts zu tun hat!!!!!
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  • Samstag, 20.10.2012 – 20:55 Uhr
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