BVB-Remis gegen Hannover: Dortmund auf Eis

Von Jan Reschke

Ein Gegentor kurz vor Schluss, zwei Punkte verloren, vier Spieler verletzt: Das Auswärtsremis gegen Hannover war für Borussia Dortmund besonders bitter, auf dieselbe Weise hatte man schon gegen Manchester City einen möglichen Sieg verpasst. Trainer Klopp haderte mit dem Schiedsrichter.

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Man kennt Dortmunds Trainer Jürgen Klopp als impulsiven Menschen. Das war nach dem 1:1 (1:0) am siebten Bundesliga-Spieltag gegen Hannover nicht anders. Soeben hatte Schiedsrichter Peter Gagelmann die Partie abgepfiffen, da stürmte Klopp auf den Platz. Er redete auf die Referees ein, gab Hannovers Coach Mirko Slomka einige Worte mit auf den Weg. Schließlich - und in deutlich zurückhaltender Form - klagte er auch noch Jan Schlaudraff sein Leid.

Klopps Frust hatte einen Grund, oder besser gesagt, gleich sechs.

Denn neben dem Verlust von zwei Punkten hatte er auch noch vier verletzte Spieler zu beklagen. Der schon vor der Partie an der Hüfte angeschlagene Nationalspieler Mats Hummels erlitt zusätzlich eine Fußprellung und musste zur Halbzeit ausgewechselt werden, gab aber später Entwarnung: "Der Fuß ist blau, aber nicht dick. Das kriegen wir wieder hin."

So glimpflich wird Jakub Blaszczykowski wohl nicht davonkommen, er verletzte sich ohne Einwirkung des Gegners am Syndesmoseband. Sven Bender trug eine Prellung am Augapfel davon. Kapitän Sebastian Kehl musste mit zwei Stichen oberhalb des Auges genäht werden, nachdem Artur Sobiech ihn mit dem Ellenbogen getroffen hatte.

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BVB vs. Hannover: Diouf trifft spät zum Ausgleich
Weit mehr als die Verletzungen dürfte kurzfristig der späte Ausgleich durch Mame Diouf (86. Minute) Klopps Seele schmerzen. Und die Umstände, die dazu geführt haben. "Eine blitzsaubere Mannschaft wie unsere bekommt im Sekundentakt Freistöße gepfiffen. Bei uns haben alle Eis drauf. Bänder, Syndesmose - alles ist dabei", sagte Klopp. Statt Eis wäre in seinem Fall sicherlich eine Beruhigungspille nicht verkehrt gewesen.

Schiedsrichter Gagelmann hatte dem BVB zudem nach dem Ausgleich einen Elfmeter verwehrt - doch selbst wenn es ein Foul von Karim Haggui an Marco Reus war, so hätte es sich vor der Strafraumgrenze abgespielt. Das sah auch Klopp später ein. In Sachen Härte gab ihm die Statistik aber recht: Hannover hatte vier Gelbe Karten gesehen, Dortmund keine.

Schon gegen Manchester City stand der Schiedsrichter im Fokus

Zum zweiten Mal in dieser Woche hatte die Borussia bis kurz vor Schluss geführt. Zum zweiten Mal in dieser Woche sprang lediglich ein Unentschieden heraus. In der Champions League gegen Manchester City war es ein umstrittener Handelfmeter, der den Unmut von Klopp auf sich gezogen hatte. Nun eben die Summe der Einzeleile.

Aber auch wenn Klopp das sicherlich kaum trösten wird, muss man die Punkteteilung in Hannover nicht als Rückschritt sehen. Zieht man eine Parallele zur vergangenen Saison verbietet sich das. Da hatte der BVB in Hannover ebenfalls bis kurz vor dem Ende 1:0 geführt - um dann gleich zwei Gegentore zu kassieren und ohne einen Punkt nach Hause zu fahren.

Es folgte eine beispiellose Serie ohne weitere Niederlage in der ganzen Saison. Nun sagt Klopp: "Wir spielen noch zweimal gegen Bayern München, das sind die Spiele, die uns interessieren und nicht der Rückstand auf Bayern nach sieben Spielen."

Doch selbst wenn eine ähnliche Serie in dieser Spielzeit erneut gelingen sollte, wird der BVB bis zum Ende zittern müssen, um die Meisterschaft zu holen. Schließlich hat der große Konkurrent FC Bayern bereits neun Punkte Vorsprung. Allein in zwei direkten Duellen ist dies nicht aufzuholen.

Aber mit dem Zittern kennen sich die Dortmunder ja nun bestens aus.

Hannover 96 - Borussia Dortmund 1:1 (0:1)
0:1 Lewandowski (26.)
1:1 Diouf (86.)
Hannover: Zieler - Cherundolo (81. Sakai), Eggimann, Haggui, Rausch - Stindl, da Silva Pinto (77. Abdellaoue) - Schlaudraff, Huszti - Ya Konan, Sobiech (67. Diouf)
Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels (46. Felipe Santana), Schmelzer - Sven Bender (74. Leitner), Kehl - Blaszczykowski (39. Großkreutz), Götze, Reus - Lewandowski
Schiedsrichter: Peter Gagelmann (Bremen)
Zuschauer: 49.000 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Sobiech, Cherundolo, Schlaudraff (2), Stindl (3)

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insgesamt 71 Beiträge
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1. ja, ja.... jammern kann er....
tylerdurdenvolland 08.10.2012
Wenns gegen seinen verein geht, dann wars die Schuld des Schiris.... Hat ihn schon mal jemand dabei gesehn wie er beim DFB vorstellig wurde um sich für eine bessere Ausbildung der Schiris einzusetzen? Oder kennt jemand seine Schreiben mit der er den Einsatz der technisch möglichen Hilfsmittel für Schiris fordert? Fehlentscheidungen sind nur dann schlecht, wenn sie gegen den BVB gehen.... Wenn ein Kehl tritt, dann ist das angemessen und professionell, wenn ein Bender seinem Gegenspieler auf den Fuss steigt und der ihm deshalb ins Gesicht rumpelt (Zeitlupe!), dann geht die Welt unter. Hat Klopp jemals gefordert, man soll bei Leuten die hochspringen und mit den Ellbogen in der Gegend rumhacken endlich mal die Regeln konsequent anwenden oder sie verschärfen? Soclhe leute gehören konsequent vom Platz gestellt! (auch wenn sie mandzukic heissen, natürlich!)
2. das war wieder ein tolles Spiel vom BVB..
cdn 08.10.2012
und Dank Hannover 96 Werbung für den deutschen Fussball! Möchte gern mehr davon! Nur die Endwirkung mit so vielen verletzten Spielern hat mir nicht gefallen, das spielt den Kaspern aus München wieder in die Karten, das sollten die beiden Trainer doch wissen.
3. Klopp nervt
Ernst666 08.10.2012
Immer wieder schön, dass Hannover nur eine Randnotiz ist, Danke Spiegel, so gerät der Verein weiterhin nicht in den direkten Fokus und kann, so nebenbei, punkten. Bevor der BVB Trainer ein Interview gibt sollte er erst einmal runterkommen und sich das komplette Spiel seiner "blitzsauberen" Mannschaft in der Wiederholung anschauen. Was z.B. bei Sobiech gegen Kehl zu einer Verletzung und einer gelben Karte geführt hat wurde vom Schiedrichter Gagelmann auf Dortmunder Seite gleich zweimal nicht geandet. Alle anderen haben ein spannendes Spiel gesehen und ein verdientes Remis. Zu den Verletzen: Blaszczykowski ohne Fremdeinwirkung, Hummels von Sobiech im Rückwärtslaufen (ohne Absicht), Bender nach Zusammenprall mit Ya Konan (Schiedsrichter entschied übrigens auf Foul gegen Dortmund) - auch keine Absicht. Beim Meister läuft es nicht so gut wie bei den Bayer und Herr Klopp sieht seine Felle wegschwimmen. Armer Herr Klopp.
4. Klopp nervt
Ernst666 08.10.2012
Immer wieder schön, dass Hannover nur eine Randnotiz ist, Danke Spiegel, so gerät der Verein weiterhin nicht in den direkten Fokus und kann, so nebenbei, punkten. Bevor der BVB Trainer ein Interview gibt sollte er erst einmal runterkommen und sich das komplette Spiel seiner "blitzsauberen" Mannschaft in der Wiederholung anschauen. Was z.B. bei Sobiech gegen Kehl zu einer Verletzung und einer gelben Karte geführt hat wurde vom Schiedrichter Gagelmann auf Dortmunder Seite gleich zweimal nicht geandet. Alle anderen haben ein spannendes Spiel gesehen und ein verdientes Remis. Zu den Verletzen: Blaszczykowski ohne Fremdeinwirkung, Hummels von Sobiech im Rückwärtslaufen (ohne Absicht), Bender nach Zusammenprall mit Ya Konan (Schiedsrichter entschied übrigens auf Foul gegen Dortmund) - auch keine Absicht. Beim Meister läuft es nicht so gut wie bei den Bayer und Herr Klopp sieht seine Felle wegschwimmen. Armer Herr Klopp.
5.
Greg84 08.10.2012
Zitat von cdnund Dank Hannover 96 Werbung für den deutschen Fussball! Möchte gern mehr davon! Nur die Endwirkung mit so vielen verletzten Spielern hat mir nicht gefallen, das spielt den Kaspern aus München wieder in die Karten, das sollten die beiden Trainer doch wissen.
Sollen sich jetzt schon alle verbünden und dem BVB freiwillig die Punkte schenken, damit die an Bayern dranbleiben können? Wie schon erwähnt konnte Hannover herzlich wenig für die Verletzungen der Dortmunder. Es war eher unglücklich aber nie wirklich Folge eines Fouls. Zugelangt haben bei dem Spiel beide Seiten ganz ordentlich.
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