Dortmunder Dominanz Meistergala in Schwarz-Gelb

Souveräner geht es nicht. Mit einer meisterlichen Leistung nahm Spitzenreiter Dortmund auch die Hürde Leverkusen. Alles sah ganz leicht aus, das Klopp-Team glänzte. Die Konkurrenz wird den BVB diese Saison wohl nicht mehr gefährden können.

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dpa

Es war überhaupt nicht nötig hinzusehen. Genau genommen war die monumentale Dortmunder Überlegenheit beim 3:1-Erfolg in Leverkusen mit geschlossenen Augen noch ein bisschen besser spürbar. Das Spiel nahm gerade erst Fahrt auf, da war das Duell akustisch längst entschieden.

Während die Anhänger von Bayer Leverkusen offensichtlich in die Arena gekommen waren, um eine nette Fußballparty mit fröhlichem Gesang und ein bisschen Kölsch zu feiern, leisteten die Gästefans Schwerstarbeit. Voller positiver Aggression brüllten 10.000 Schwarz-Gelbe ihre Mannschaft zum Sieg.

Das waren keine fröhlichen Partylieder, die da gesungen wurden, das war eine mit vielen tausend Volt aufgeladene Anfeuerung. "Hey, Borussia Dortmund", zur Melodie des Kinder-Klassikers "Pippi Langstrumpf". Später kam dann noch der Beatles-Gassenhauer "Yellow Submarine" zur Aufführung, natürlich in der gelb-schwarzen Version: "Deutscher Meister wird nur der BVB, nur der BVB, nur der BVB."

Diese haushohe energetische Überlegenheit fand ihre Entsprechung auf dem Platz. "Wir hatten ein Heimspiel, wie eigentlich immer", sagte Dortmunds zweifacher Torschütze Kevin Großkreutz nach der Partie. Mannschaft und Fans hatten sich wieder gegenseitig in einen Rausch geschaukelt. Es war der 15. Sieg im 18. Spiel dieser Bundesligasaison - eine unglaubliche Bilanz. Dortmund hat vor den Samstagspielen 13 Punkte Vorsprung auf den Zweiten Mainz.

Hervorragend organisiert, aggressiv, voller Hingabe und Demut

Bayer-Torwart René Adler stellte desillusioniert fest, dass "der BVB mehr Leidenschaft und mehr Laufbereitschaft" entwickelt habe. Aber selbst ein Leverkusener Team in Bestform hätte an diesem Abend den entfesselten Tabellenführer nur schwer in Bedrängnis bringen können. Diese Dortmunder Mannschaft, diese Fans, dieser Club rollen mit einer Wucht Richtung Meisterschaft, die einfach nicht zu bremsen ist.

Während der vergangenen Wochen war ja viel darüber diskutiert worden, ob die 26-tägige Winterpause und die 0:1-Niederlage am letzten Spieltag der Hinrunde in Frankfurt die rauschhafte Erfolgsserie des jungen Teams beenden würde. Die Mannschaft könne dem Druck nicht ewig standhalten, sagten Skeptiker, ein Einbruch müsse kommen.

Jetzt hat die zweite Saisonhälfte begonnen, und die Dortmunder haben einfach weitergespielt wie 2010: hervorragend organisiert, aggressiv, voller Hingabe und mit der nötigen Demut. Dies und die hinreißenden individuellen Fähigkeiten der Spieler sind einfach nur eines - meisterlich.

Voller Genugtuung stellte Dortmunds Innenverteidiger Mats Hummels daher fest, dass seine Mannschaft "die prognostizierte Krise nicht bekommen" habe. Im Gegenteil, "die Pause hat uns sogar gut getan". Nach dem kurzen Tanz mit den Fans in der Kurve war Hummels zu diesem Zeitpunkt längst wieder nüchtern und blickte voraus auf die Partie gegen den VfB Stuttgart am kommenden Wochenende. "Das Heimspiel ist wichtig." Da war der 22-Jährige ganz auf einer Linie mit seinem Trainer. "Wir wären bescheuert, wenn wir uns jetzt mit etwas anderem beschäftigen würden als mit dem nächsten Spiel", sagte Jürgen Klopp.

Es wäre schön, die Schale mal selber hochzuhalten

Die jungen Spieler richten ihre Gedanken hoch diszipliniert auf die Alltagsarbeit. Sobald der Abpfiff ertönt, entwickeln sie ein beachtliches Geschick im Ausblenden des großen Ganzen. Sie sind nicht empfänglich für Versuchungen, ausschweifende Meisterschaftsträumereien sind ein süßes Gift.

Die Konzentration aufs Wesentliche ist neben den technisch-taktischen Fertigkeiten die Grundlage für den wunderbaren Fußball, den diese Mannschaft in der Lage ist zu spielen.

Selbst den Ausfall des Offensivspielers Shinji Kagawa, der mit der japanischen Nationalmannschaft beim Asien-Cup in Katar weilt, kompensierten sie mit einer Furcht einflößenden Leichtigkeit.

Jungspund Mario Götze vertrat Kagawa im zentralen Mittelfeld brillant. "Der hat ein relativ gutes Spiel gemacht", untertrieb Klopp. In Dortmund machen sie sich einen Spaß daraus, die fantastischen Leistungen des 18-Jährigen unkommentiert zu lassen. Götze selbst gibt sowieso keine Interviews, er lässt seine beeindruckenden Leistungen sprechen.

Der ganz große Held des Abends war aber der andere echte Dortmunder Junge in der Startelf. Großkreutz hatte die ersten beiden Treffer selbst erzielt, Götzes 3:0 per Grätsche vorbereitet. Später erzählte er, wie er die Dortmunder Meistertitel 1995, 1996 und 2002 als Kind auf dem Borsigplatz gefeiert hat. "Es wäre schön, die Schale mal selber hochzuhalten", sagte Großkreutz, und das war fast schon ein Tabubruch. Derart offensiv sprechen sie nicht vom Titel beim BVB.

Nur die Fans sangen noch lange nach dem Abpfiff ihre Lieder von der Meisterschaft. Und zumindest in Leverkusen haben die Anhänger auf beeindruckende Art und Weise vorgelebt, mit welcher Haltung das Projekt im neuen Jahr fortgesetzt werden muss. Wahrscheinlich würde es ja nicht einmal schaden, das einzige Ziel, das der Verein diese Saison haben kann, auch öffentlich zu benennen. Borussia Dortmund ist einfach zu gut.

Bayer Leverkusen - Borussia Dortmund 1:3 (0:0)
0:1 Großkreutz (49.)
0:2 Großkreutz (53.)
0:3 Götze (55.)
1:3 Kießling (80.)
Leverkusen: Adler - Schwaab, Manuel Friedrich, Reinartz, Castro - Lars Bender (60. Vidal), Rolfes - Renato Augusto, Sam (60. Barnetta) - Helmes (60. Derdiyok), Kießling
Dortmund: Weidenfeller - Piszczek, Subotic, Hummels, Schmelzer - Sven Bender (46. da Silva), Sahin - Blaszczykowski, Götze (68. Barrios), Großkreutz (87. Felipe Santana) - Lewandowski
Schiedsrichter: Gagelmann
Zuschauer: 30.210 (ausverkauft)
Gelbe Karten: Kießling, Manuel Friedrich (5) / Großkreutz (2)

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insgesamt 15 Beiträge
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Seite 1
Wasserrutsche 15.01.2011
1. .
Naja, soo brilliant und soo geglänzt hat der BVB nun auch wieder nicht. Vor allem haben sie von zwei riesengroßen Abwehrfehlern und desolaten 10 Minuten der Leverkusener profitiert. Klammert man diese 10 Minuten aus, war das Spiel eigentlich sehr ausgeglichen. Auf jeden Fall haben sie Leverkusen nicht an die Wand gespielt.
JBond 15.01.2011
2. Heimspiel
der BVB hat zwar nicht überragend gespielt - aber das sich Leverkusen bei einem Heimspiel schon großteilig auf Konter konzentriert hat, sagt schon viel über das Spiel der Dortmunder aus. Wenn der Kopfball in Minute 3 nicht an den Pfosten sondern rein geht, wird es vermutlich ein echtes Debakel. So war's einfach nur schön anzusehen, wie die Jungs ihr Heimspiel in Leverkusen genossen haben. ach ja - @SPON: ---Zitat--- Es war der 16. Sieg im 18. Spiel dieser Bundesligasaison ---Zitatende--- so schön es auch wäre - auf den 16. Sieg müssen die Dortmunder noch mindestens eine Woche warten
janeinistrichtig 15.01.2011
3. Heja BVB
So schön dieses Ergebnis ist, so herrlich die blöden Bayern weiterhin hinterher hinken und Vizekusen Vizekusen bleibt - was hilft es der wahren Borussia? Die muss diese bescheuerten Franken gleich mal vom Platz fegen, am nächsten Wochenende dann Vizekusen ebenso. Und dann am Ende...nach St. Pauli 15. werden.
stesoell 15.01.2011
4. oo
Hallo Wasserrutsche, der BVB war so brilliant, dass Klopp es sich leisten konnte nach 70 Min. einen überragenden Götze herauszunehmen. Nach dem 0:3 haben sie SG Jungs schlicht 5 Gänge zurückgenommen. Vizekusen blieb sich in allen Punkten treu. Jupp hat auch mitgeholfen ;-)
antizyn 15.01.2011
5. Völlig korrekt
Zitat von WasserrutscheNaja, soo brilliant und soo geglänzt hat der BVB nun auch wieder nicht. Vor allem haben sie von zwei riesengroßen Abwehrfehlern und desolaten 10 Minuten der Leverkusener profitiert. Klammert man diese 10 Minuten aus, war das Spiel eigentlich sehr ausgeglichen. Auf jeden Fall haben sie Leverkusen nicht an die Wand gespielt.
Genau so habe ich das auch gesehen - und außerdem ein Fehlpassfestival, das selbst in der 2. Liga nicht häufig zu bestaunen ist.
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