Von Rafael Buschmann
Dietmar Hopp gilt seit Jahren als Feindbild vieler Borussia Dortmund-Anhänger. Bei nahezu jedem Aufeinandertreffen der beiden Clubs muss sich der Geldgeber von 1899 Hoffenheim auf wüste Beschimpfungen und teilweise unappetitliche Plakate gefasst machen. Doch als die BVB-Fans am Samstag während der 0:1-Niederlage in Sinsheim zu Schmähgesängen wie "Fußballhure Hoffenheim" gegen Hopp und seinen Club ansetzen wollten, schrillte ihnen plötzlich ein ohrenbetäubender Ton entgegen.
Was zunächst wie eine Rückkoppelung der Stadionanlage wirkte, entpuppte sich als vorsätzliche Aktion gegen die BVB-Fans. Ein Lautsprecher wurde von Unbekannten unter die BVB-Tribüne montiert und beschallte die etwa 3000 zum Auswärtsspiel gereisten Borussia-Anhänger während des Spiels.
"Wir wissen nicht, wie der Lautsprecher dort hinkam", sagt Mike Diehl, Hoffenheims Fanbeauftragter. Diehl, der auch als Stadionsprecher bei den Heimspielen von 1899 fungiert, bestätigte, dass der Lautsprecher normalerweise an dieser Stelle nicht montiert ist. "Ich gehe davon aus, dass sich da irgendwelche Idioten einen blöden Scherz erlaubt haben", sagte Diehl SPIEGEL ONLINE.
Hoffenheim distanziert sich von der Aktion
Die Hoffenheimer Verantwortlichen distanzierten sich ebenfalls von der Aktion: "Die TSG 1899 Hoffenheim hat zu keinem Zeitpunkt weder Hochfrequenztöne noch sonstige Beschallungen einzelner Tribünenbereiche im Rahmen des Bundesligaheimspieles gegen Borussia Dortmund über die Beschallungsanlage der WIRSOL Rhein-Neckar-Arena vorgenommen und wird dies im Übrigen auch unter Verweis auf die DFL Spielordnung und die Grundsätze des Fairplays auch zukünftig nicht tun", teilte der Club per Pressemitteilung mit.
Die BVB-Anhängerschaft bezweifelt diese Version. Auf der Fan-Page "schwatzgelb.de" dokumentierten die Borussen-Fans den Ablauf des Nachmittags und zeigen Bilder des für Ärger sorgenden Lautsprechers. Darüber hinaus wird eifrig diskutiert, warum der Sicherheitsdienst der Hoffenheimer, der sich mit mehreren Personen in unmittelbarer Nähe des Lautsprechers befunden hat, nicht eingegriffen und dieses Gerät entfernt hat.
Die Hoffenheimer Verantwortlichen konnten dies auf SPIEGEL-ONLINE-Anfrage genauso wenig beantworten wie die Frage nach der Stromversorgung des Geräts. Auf besagten Bildern wird nämlich deutlich, dass der Lautsprecher an die Stromversorgung des Stadions angeschlossen war. "Wir können nur versichern: Von unserer Seite wurde so etwas nicht organisiert. Das Ding kann Gott und die Welt dahin gestellt haben. Wir recherchieren das gerade gemeinsam mit dem Sicherheitsdienst", sagte Diehl.
Hopp rät BVB-Fans zur Gelassenheit
Auch sein Kollege, der Borussen-Fanbeauftragte Jens Volke, konnte keine Aufschlüsse zu den Vorkommnissen in Hoffenheim geben: "Ich kann bestätigen, dass es ein lautes, sehr schrilles Geräusch gegeben hat. Das Geräusch begann bereits vor dem Spiel. Es wurde immer dann erzeugt, wenn die BVB-Fans zu Schmähgesängen gegen Dietmar Hopp anstimmten", sagte Volke SPIEGEL ONLINE. Der BVB, so Volke, stehe in "kollegialen Gesprächen" mit den Verantwortlichen der Hoffenheimer.
Diese Ebene haben die Borussen-Fans mittlerweile verlassen. Sie vermuten vielmehr, dass der "Pfeifen-Skandal" möglicherweise von 1899 Hoffenheim geplant war: "Entweder hat 1899 Hoffenheim ein echtes Sicherheitsproblem, wenn sich unbekannte Dritte Zugang und Aufenthalt in einem abgesperrten Bereich verschaffen können, oder es wird versucht, etwas zu vertuschen, was wir an diese Stelle nicht belegen können. Die Sache bleibt mysteriös", vermelden die Borussen-Fans auf der Homepage "schwatzgelb.de".
In Fankreisen wird sogar schon über einen Protest gegen die Spielwertung diskutiert. Da macht der Verein allerdings nicht mit. "Die BVB-Führung wird sicherlich keinen Protest gegen die Spielwertung einlegen. Wir haben nicht verloren, weil irgendwo Piepstöne zu hören waren", sagte BVB-Pressesprecher Josef Schneck. Ohnehin will der Verein, dessen Verhältnis zu Hoffenheim schon als belastet gilt, das Thema nicht allzu hoch gehängt wissen. Borussia-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hat schon mehrfach seinem Unmut über das Investor-Modell Hopps lautstark und öffentlich Luft gemacht.
Hopp selbst hat wenig Verständnis für die Aufregung der BVB-Anhänger. Er sagte der "Rhein-Neckar-Zeitung": "Wer mich 90 Minuten lang permanent beleidigt, sollte nicht so empfindlich reagieren. Wenn die BVB-Fans Anzeige erstatten, dann müsste ich 200 Anzeigen wegen Beleidigung erstatten."
Laut "schwatzgelb.de" haben dies jedoch mittlerweile mehrere BVB-Anhänger getan. Sie sollen Strafanzeige wegen gefährlicher Körperverletzung gestellt haben. Die Polizeidirektion Sinsheim hat bislang den Eingang einer Anzeige wegen Körperverletzung bestätigt. "Wir gehen aber davon aus, dass etliche weitere Anzeigen folgen werden", so ein Polizeisprecher.
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