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Dortmunds Sieg gegen Hannover: Glanzlos erfolgreich

Aus Dortmund berichtet

BVB Profis Reus (l.) und Mchitarjan (r.): Glanzloser Sieg gegen Hannover Zur Großansicht
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BVB Profis Reus (l.) und Mchitarjan (r.): Glanzloser Sieg gegen Hannover

Borussia Dortmund bleibt nach dem FC Bayern die klare Nummer zwei im deutschen Fußball. Beim mühevollen Sieg gegen Hannover feierte der Klub einen vereinsinternen Rekord. Das ist vor allem dem Trainer zu verdanken.

Pierre-Emerick Aubameyang hat zwar nicht mitgespielt, aber der extravagante Stürmer hat es geschafft, dass bei Dortmunds mühevollem 1:0-Sieg über Hannover 96 mal wieder ausgiebig über ihn gestaunt wurde. Unter der Woche hatte er im Pokalspiel beim VfB Stuttgart einen Schlag abbekommen, der seinen Einsatz unmöglich machte, also saß er unter Tausenden anderen auf der Westtribüne. Und war trotzdem nicht zu übersehen.

Wer seinen Blick von der gegenüberliegenden Seite über die Ränge schweifen ließ, blieb automatisch an der seltsamen Gestalt mit dem weißen Felloberteil und der türkisfarbenen Kappe hängen. Das sorgte für Belustigung, wobei die Fans Aubameyang in dieser schwierigen Partie natürlich lieber unten auf dem Rasen gesehen hätten.

Die Dortmunder spielen bislang ja eine recht wechselhafte Rückrunde. In den anspruchsvollen Auswärtspartien in Mönchengladbach und im Pokal beim VfB Stuttgart glänzte das Team mit perfekt durchdachten Strategien und brillanten Mannschaftsleistungen. Gegen Ingolstadt (2:0) und in Berlin (0:0) sahen die Spiele dagegen mühsam aus, und das Duell mit Hannover 96 zählt zweifellos zu den weniger gelungenen Auftritten. "Zäh" hat sich in den vergangenen Wochen zu einer Lieblingsvokabel von Trainer Thomas Tuchel entwickelt, die er auch nach diesem knappen Sieg in jedem Interview zum Einsatz brachte.

Sieg dank eines individuellen Kraftaktes

Defensiv ausgerichtete Gegner bereiten dem Tabellenzweiten derzeit erheblich größere Probleme als in der Hinrunde. "Das sah zu verkopft aus, wir haben die gefährlichen Räume nicht gefunden", sagte Tuchel. Irgendwie erinnerte diese Partie an die Versuche von Jürgen Klopp aus der Vorsaison. Der ehemalige Trainer des BVB hatte seinerzeit versucht, seinem Team beizubringen, tief stehende Gegner mit schnellen Ballstafetten zu knacken. Das gelang nicht wie gewünscht. Ein großer Verdienst Tuchels ist, dass er den Dortmundern genau diese Fähigkeit zum ambitionierten Ballbesitzfußball vermitteln konnte.

Doch jetzt ist sie wieder ein wenig verloren gegangen. "Wir haben zu lange gebraucht, um die Seiten zu wechseln, dadurch hat Hannover immer wieder die Schnittstellen zugelaufen, die wir bespielen wollten", erklärte Marcel Schmelzer. Ganz ähnliche Sätze sagten die Dortmunder auch nach den vielen missglückten Partien im Herbst 2014, als der Klub in akute Abstiegsnöte geriet.

Allerdings existiert ein ganz entscheidender Unterschied zu jener düsteren Phase: In diesem Winter gewinnen die Dortmunder solche Partien. Gegen Ingolstadt mit freundlicher Hilfe des Schiedsrichters, und nun durch ein sehr außergewöhnliches Tor. Der Siegtreffer war nicht herauskombiniert, er war das Resultat eines individuellen Kraftaktes, in einem Moment, als die ansonsten tapfer verteidigenden Gäste nicht schnell genug auf Defensive umschalteten.

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Der ansonsten eher blasse Henrich Mchitarjan sprintete mit dem Ball am Fuß an der Mittellinie los, wurde nicht energisch gestört und fabrizierte einen wunderbaren Schuss aus 18 Metern in die rechte Torecke (57. Minute). Ein Treffer, der umso bemerkenswerter war, weil es sich um das erste Bundesligator handelte, das die Dortmunder in dieser Saison von außerhalb des Strafraums erzielten. "Miki hat das offensive Umschalten spektakulär zu Ende gebracht", sagte Tuchel, der mit vielen anderen Details dieser Partie gar nicht zufrieden war. "Am Ende war sicherlich in unserer Leistung viel Luft nach oben", resümierte Tuchel.

In vielen Momenten schalteten seine Spieler viel zu langsam um, das sonst so feinsinnige Passspiel durchs Mittelfeld war erstaunlich unpräzise, was vielleicht auch daran lag, dass der begnadete Spieleröffner Julian Weigl im Augenblick etwas müde wirkt und erst in der Schlussphase eingewechselt wurde. Aber Ilkay Gündogan, Gonzalo Castro, Shinji Kagawa, Marco Reus und Mchitarjan agierten nach einer guten Anfangsphase ebenfalls fahrig und behäbig. Und dennoch war es ein Nachmittag der Rekorde. Nie zuvor haben die Dortmunder in den ersten zehn Heimspielen einer Saison 28 Punkte gesammelt.

Noch wichtiger ist aber, dass sie ihren Vorsprung zu Rang drei auf sagenhafte 13 Punkte ausgebaut und den Rückstand auf den FC Bayern zumindest bis zum Sonntagnachmittag auf fünf Zähler verkürzt haben. Ein Ausrutscher des Tabellenführers, der nach der schweren Verletzung von Holger Badstuber unter Schock steht, könnte sogar zarte Hoffnungen auf ein spannendes Meisterschaftsrennen nähren.

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insgesamt 12 Beiträge
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1.
Boesor 14.02.2016
Ergänzend muss man erwähnen, dass Dortmund in der "dunklen" Phase der letzten Saison nicht nur kein Tor geschossen hätte, sondern sich auch eines gefangen hätte. Diesmal standen Hummels & Co hinten absolut sicher.
2. *
doktor-nötigenfalls 14.02.2016
Das hier apostrophierte spannende Meisterschaftsrennen sehe ich eher nicht, denn selbst wenn Bayern mal ausrutschen sollte, wird das dem BVB im Laufe der noch ein Vierteljahr laufenden Rückrunde sicher auch noch mal passieren. Wirklich sensationell finde ich dagegen den herausgespielten Abstand Dortmunds zu den Verfolgern. Das hat schon was.
3.
Sir_Batman 14.02.2016
Bei aller Liebe für den BVB und die durchaus überragende Saison - selbst wenn die Dortmunder diese Rückrunde sogar besser abschließen als die Hinrunde stehen die Chance für die Meisterschaft schlecht. Ich sehe die Bayern vielleicht noch 6-8 Punkte abgeben. Zweifellos wird der BVB noch ein oder zwei Spiele verlieren. (mindestens gegen Angstgegner HSV) Den Unterschied wird nicht die Defensive, sondern die Offensive machen. Da ist Bayern einfach breiter aufgestellt.
4. Letztlich ist ein Sieg ein Sieg
pb-sonntag 14.02.2016
Und wie er zustande kam, interessiert danach keinen. Oder erinnern wir und noch an den heraus geschundenen Elfer beim VfL durch den Schwalbenkönig Robben? Nein, der wird sogar dafür gefeiert! Also: egal, ob 1:0, Arbeitssieg, oder sonst etwas, Dortmund hat gewonnen und gut ist.
5. dumme
townsville 14.02.2016
Dortmund hatte über 70% Ballbesitz, fast 90% Oassquote, mehrere Grosschancen inkl. Lattentreffer und H96 die gesamte Dpielzeit im Griff. Keine echte Torchance der Hannoveraner. Ein absolut überlegener, verdienter Sieh, der nur dadurch nicht zum Schützenfest wurde, dass der beste Stürmer der Liga fehlte und Torwart Zieler einen Sahnetag hatte.
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