Dortmunds Topstürmer Lewandowski: Der Bayernschreck

Aus Berlin berichtet Rafael Buschmann

Ein Hackentor in der Meisterschaft, ein Dreierpack im Pokalfinale: Dortmunds Robert Lewandowski zerstörte in dieser Saison fast im Alleingang alle nationalen Titelträume der Bayern - und ist damit ein klassischer Kandidat für den Kader der Münchner.

Dortmunder Pokal-Held: Der dreifache Lewandowski Fotos
DPA

Robert Lewandowski rastete nach seinem dritten Tor im DFB-Pokalfinale gegen Bayern München förmlich aus. Kaum sprang der Ball von seiner Stirn ins Tornetz, da sprintete der polnische Nationalspieler über die Laufbahn des Berliner Olympiastadions, hin zur Tribüne. Die Arme breitete er so weit aus, als wollte er den gesamten BVB-Fanblock auf einmal umarmen.

Es war Lewandowskis 30. Saisontor für den BVB, sein siebtes im DFB-Pokal. In seiner zweiten Saison in Deutschland, seiner ersten als Stammspieler, hat der Angreifer eine herausragende Entwicklung genommen. Der 23-jährige Pole, der in seinem Heimatland zum absoluten Topstar gereift ist, düpiert seine Gegner - und überrascht selbst den eigenen Club-Boss.

"Wir wussten, was der Bursche drauf hat. Aber nicht, dass er das so schnell und so konstant abrufen könnte", sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke SPIEGEL ONLINE. Lewandowski, der 2011 Polens Fußballer des Jahres war und in diesem Jahr von der DFL zum Spieler der Saison gekürt wurde, weckt längst Begehrlichkeiten. Ginge es nach einer altbekannten Logik im deutschen Fußball, müssten diese in München besonders stark ausgeprägt sein.

Denn durch Lewandowskis Hackentor bei der 0:1-Pleite in Dortmund verloren die Münchner die Meisterschaft. Durch seinen Dreierpack in Berlin mussten die Bayern dem Rivalen auch den DFB-Pokal überlassen. Spieler, die dem Rekordmeister in der Vergangenheit auf solche oder ähnliche Weise wehgetan haben, landeten oftmals selbst in München. So wurden Konkurrenten geschwächt und der eigene Kader gestärkt.

"Vielleicht will mich Dortmund ja irgendwann verkaufen"

Die Liste dieser Wechsel ist lang und reicht weit zurück. Auf ihr befinden sich Namen wie Jupp Heynckes, den heutigen Cheftrainer, Lothar Matthäus, Ciriaco Sforza, Claudio Pizarro, Stefan Effenberg, Mario Basler, Miroslav Klose oder aktuell der Mönchengladbacher Dante, um nur einige zu nennen.

Dortmunds Geschäftsführer Watzke versuchte zwar zuletzt alle Wechsel-Spekulationen im Keim zu ersticken und erklärte auf einer Pressekonferenz, dass "kein einziger Spieler verkauft wird". Um das zu verhindern, muss der 52-Jährige künftig aber wohl tief in die Tasche greifen. Denn bislang schlugen Lewandowskis Berater alle BVB-Bemühungen aus, den bis 2014 laufenden Vertrag zu verlängern. Stattdessen äußerten sie ihren Unmut über angeblich finanziell zu niedrige Angebote für ihren Starspieler.

Bereits zuvor hatte Bayerns Mittelfelddribbler Franck Ribéry in einem Interview mit der "Sport Bild" erklärt, dass er Lewandowski für wertvoller als Dortmunds Jungstar Mario Götze halte. Spekulationen um einen Wechsel zum Rekordmeister waren entfacht.

Kein verklärter Romantiker

Nach dem DFB-Pokalfinale sagte Lewandowski SPIEGEL ONLINE: "Seitdem ich professionell Fußball spiele, gibt es immer Transfergerüchte um mich." Er wolle "einfach kein Bekenntnis zu irgendeinem Club abgeben, weil ich glaube, dass so etwas im Profifußball Unsinn ist. Vielleicht will mich Dortmund ja irgendwann unbedingt verkaufen, dann helfen alle meine Treueschwüre nichts." Lewandowski sagte diese Worte ohne große Emotionen.

Der Pole ist kein verklärter Romantiker, der mit kitschigen BVB-Slogans der Marke "Echte Liebe" zu einer Vertragsverlängerung bewegt werden kann. Auch wenn Trainer Jürgen Klopp der "Süddeutschen Zeitung" jüngst sagte: "Klar, die Berater pokern, die Spieler pokern selbst ein bisschen, aber am Ende wird Lewy (Lewandowski, Anm. d. Red.) genauso bleiben, wie Mats (Hummels, Anm. d. Red.) und Neven (Subotic, Anm. d. Red.) und Mario Götze geblieben sind. Im Fußball bewirkt eine Gemeinschaft viel mehr, als mancher Außenstehende denkt".

Ähnliches sagte Klopp einmal auch über Nuri Sahin, der im vergangenen Sommer dann doch zu Real Madrid wechselte. Und aktuell zieht es den Japaner Shinji Kagawa wohl nach England.

Im Fall Lewandowski sieht es jedoch nach Informationen von SPIEGEL ONLINE eher so aus, als würde der Pole seinen Vertrag in Dortmund bis zum Jahr 2016 verlängern, versüßt durch eine deutliche Gehaltserhöhung. Lewandowskis Marktwert würde so nochmals erhöht. Dass die Begehrlichkeiten von anderen Clubs deshalb abnehmen werden, ist allerdings auszuschließen.

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insgesamt 55 Beiträge
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1.
loncaros 13.05.2012
ja klar, wenn man nicht gewinnen kann, kauft sich der FCB halt den Sieg. Lasst die Bundesliga mal bitte wieder was mit Sport zu tun haben.
2. Nichts gelernt...
seppiverseckelt 13.05.2012
Zitat von sysopEin Hackentor in der Meisterschaft, ein Dreierpack im Pokalfinale: Dortmunds Robert Lewandowski zerstörte in dieser Saison fast im Alleingang alle nationalen Titelträume der Bayern - und ist damit ein klassischer Kandidat für den Kader der Münchner. Dortmunds Stürmer Lewandowski wird immer begehrter - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,832885,00.html)
...mag ja sein dass die Bayern sich Ihn vorstellen könnten- man müsste Ihm aber dringend abraten- es ist ja bei allem respekt vor seinem können als Stürmer nicht seine herausragende Individuelle Klasse- nicht er sondern Gomez hat 26 tore in der abgelaufenen Saison erzielt- sondern seine Einbettung in das überlegenene Spiel des BVB, das den Bayern WEIT ÜBERLEGENE KONZEPT- das es Ihm ermöglicht seine Tore GEGEN Bayern zu erzielen und zu feiern... Insofern wäre es für Ihn ein GIGANTISCHER RÜCKSCHRITT zu denen zu wechseln die den Fussball von Gestern und Vorgestern Verkörpern-DAS sollte bei der Zukunftsplanung eines so talentierten Mannes im Vordergrund stehen- etwas was man einem Shinji Kagawa am liebsten auch auf den Weg mitgeben würde...!
3.
breisig 13.05.2012
mich erinnert er an dzeko, ist dabei aber wesentl ballsicherer und dribbelstärker. viell muss er sein können noch etwas länger beweisen. wenn ihm das gelingt ein absoluter topmann. chapeau, bvb.
4.
Anja K. 13.05.2012
Auch wenn ich hoffe, dass Lewandowski nicht irgendwann zu Bayern geht, glaube ich dennoch, dass der Gedanke auf mehr Geld die meisten Spieler - auch ihn - einknicken lässt. Selbst jemand wie Neuer, der bei den Schalker Ultras ist, hat sich vom Geld locken lassen (ob das eine gute Idee war, sei dahingestellt...). Mir persönlich gefällt es auch nicht, dass Bayern - statt sich eigene Spieler großzuzüchten - immer nur die besten der Bundesliga kauft, allerdings können sie sich das leisten im Gegensatz zu anderen Clubs. Dennoch zeigen die letzten Jahre, dass Geld allein eben nicht alles ist - denn sonst könnte man nicht erklären, wie es Dortmund oder Stuttgart zum Titel geschafft haben. Auch wenn die Bayern alles kaufen - soviel bringen wird es ihnen nicht immer.
5.
alpenraum 13.05.2012
Zitat von loncarosja klar, wenn man nicht gewinnen kann, kauft sich der FCB halt den Sieg. Lasst die Bundesliga mal bitte wieder was mit Sport zu tun haben.
Ja ganz genau - schließlich konzentrieren sich die von allen so gelobten Ligen in Spanien und England auch auf den Sport und zahlen mit Murmeln...
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