Gesperrter BVB-Coach Klopp: Telepath auf der Tribüne
Fußball schauen, fast wie ein Fan: Jürgen Klopp kommt beim Champions-League-Duell zwischen Dortmund und Marseille in den Genuss der Tribünenperspektive. Ein Problem für sein Team sei das nicht, sagt der BVB-Trainer - und verweist auf telepathische Fähigkeiten.
In der Pressekonferenz vor dem Duell ging es natürlich trotzdem um die Platzwahl. Es ist ja auch so eine schöne Reminiszenz an das Spiel in Neapel vor rund zwei Wochen, als Klopp sich dem Vierten Offiziellen bedrohlich zähnefletschend näherte und deshalb gehen musste. Anschließend saß er mit dem Hausmeister des SSC Neapel zusammen und sah sich die Partie im Fernsehen an. Kuchen soll es auch gegeben haben.
Die Uefa bestrafte Klopp für sein Verhalten mit einer Sperre. Wo er nun am Dienstag in Dortmund sitzen werde, wollte Klopp partout nicht verraten. "Ich will nicht der Situation ausgesetzt sein, dass ihr euch alle dort aufbaut, um dort mein dann entspanntes Gesicht zu filmen", sagte er. Die "Bild"-Zeitung glaubt an einen Platz in einer Loge.
Ein bisschen Telepathie
231-mal, so wurde nachgerechnet, stand Klopp bisher für den BVB an der Seitenlinie. Noch nie musste er ein Spiel vom Anpfiff weg von der Tribüne aus verfolgen. Die Regeln der Uefa sehen vor, dass Klopp am Dienstag seine Elf noch ins Stadion begleiten darf, dann trennen sich Team und Trainer. Erst nach dem Abpfiff ist Klopp der Kontakt wieder erlaubt.
Bis dahin obliegt die Betreuung Klopps Co-Trainer Zeljko Buvac. Ein Porträt über den Mann gestaltet sich schwierig, der Grund dafür ist einfach: Buvac redet nicht sonderlich gerne mit den Medien. Sorgen um den BVB muss sich trotzdem keiner machen. "Wir brauchen keine Leitung", sagte Klopp. "Zeljko und ich arbeiten meistens telepathisch zusammen - alles wird gut."
Der 52-jährige Buvac ist seit 2001 Klopps Assistent. Er genießt im Mannschaftskreis eine Wertschätzung wie der Chefcoach, gilt als begnadeter Taktik-Tüftler. BVB-Profi Nuri Sahin sagt stellvertretend: "Zeljko redet nicht viel. Aber was er sagt, hat Hand und Fuß. Sein Wort ist Gesetz." Klopp sagt, Buvac sei "fleischgewordener Fußball-Sachverstand", der den Sport liebe, "ohne den ganzen Klimbim drumherum".
Die Aufgabe des BVB ist indes nicht zu unterschätzen. Der eigene Königsklassen-Start ist mit der Niederlage in Neapel einigermaßen misslungen, die Franzosen dürften ein unangenehmer Gegner werden. Klopp lobt die körperliche Robustheit, das Umschaltspiel von Marseille: "Wir werden alles abrufen müssen."
In der französischen Liga liegt das Team von Trainer Élie Baup nach acht Spieltagen auf Rang drei, nur einen Punkt hinter den mit Millionen Euro hochgezüchteten Clubs aus Monaco und Paris Saint-Germain. Das Auftaktspiel in der Champions League verlor Olympique gegen den FC Arsenal 1:2. Druck haben am Dienstag also beide Teams.
Da bietet die Klopp-Sperre willkommenes Potential zur Überzeichnung. "Natürlich ist das ein Handicap. Aber wir wissen auch so, was wir zu tun haben", sagt Stürmer Robert Lewandowski. Dortmund registriert nach den beiden Niederlagen gegen Marseille (0:3, 2:3), die vor zwei Jahren zum frühen Aus in der Champions League beitrugen, durchaus Revanche-Wünsche.
"Da haben wir noch eine Rechnung offen. Aber dieses Spiel wollen wir auch unabhängig von etwaigen Revanchegedanken gewinnen", sagte Mats Hummels im "Kicker". Fehlen werden Dortmund neben den verletzten Marcel Schmelzer, Ilkay Gündogan, Sebastian Kehl und Lukasz Piszczek auch Torwart Roman Weidenfeller nach seiner Sperre aus dem Neapel-Spiel. Seinen Platz im Tor wird Mitch Langerak einnehmen.
Der Australier debütiert - wie Schmelzer-Ersatz Erik Durm - nun bei einem Dortmunder Champions-League-Auftritt in der Startelf. Alles aufmerksam beobachtet von Klopp, der dann doch noch preisgab, dass er am Dienstagabend eine gute Sicht haben werde. Für das eine Spiel sei die Situation ohnehin kein Nachteil. "Ansonsten fände ich es schon ganz praktisch, wenn ich da wieder sein könnte", sagte Klopp. Da, im Innenraum, an der Seitenlinie. Ziemlich weit weg von der Tribüne.
chp/dpa/sid
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