Dortmund im Europacup : Zeit, dass sich was dreht

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Mit dem Double aus Meisterschaft und Pokal hat der BVB Vereinsgeschichte geschrieben. Doch ein Makel haftet Trainer Jürgen Klopp und seinem Team noch an: mangelnder internationaler Erfolg. Das soll sich in der neuen Champions-League-Saison nun endlich ändern - mit Hilfe eines Bayern-Tricks.

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Marco Reus hat ein kleines Ritual: Dreimal hüpft er auf seinem linken Bein, dann setzt der 23-Jährige zu einem kurzen Sprint an. So betritt der Dortmunder seit Jahren das Spielfeld. Den Zuschauern fällt diese Marotte im Gewusel vor dem Anpfiff für gewöhnlich nicht weiter auf. Bei der Bundesliga-Partie zwischen Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen am vergangenen Wochenende aber war Reus' Ritual für jeden im Stadion zu bestaunen: Der 23-Jährige wurde beim 3:0-Sieg lediglich eingewechselt.

Der Dortmunder Zugang war vom Länderspiel gegen Österreich leicht angeschlagen zurückgekehrt, zudem fehlte ihm die Frische. Begründungen für die anfängliche Schonung des 17-Millionen-Euro-Einkaufs gab es also zur Genüge.

Mario Götze, der statt Reus begann, erklärte es so: "Wir haben jetzt etliche englische Wochen, die Belastung wird sehr hoch sein. Deshalb brauchen wir jeden Spieler, jeder braucht Spielpraxis." Es klang wie das BVB-Motto für die neue Champions-League-Saison.

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Dortmund im Europacup: Bittere Pleiten, große Hoffungen
Wenn Dortmund am Dienstagabend (20.45 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE) auf den niederländischen Meister Ajax Amsterdam trifft, kämpft der Double-Gewinner auch gegen den letzten Makel der jüngeren Vereinsgeschichte: mangelnden internationalen Erfolg.

Die vergangene Champions-League-Saison endete mit dem Aus in der Gruppenphase, eine herbe Pleite. Für den Verein, die Mannschaft und Jürgen Klopp, den so ehrgeizigen Trainer. Nur mitspielen, nur dabei sein, das passt nicht zu Klopp. Das misslungene Debüt in Europas Kreis der Besten nagte an ihm. Im Winter 2011, nach dem Scheitern in der Königsklasse, verlor der Coach häufiger die Contenance. Er sah sein Team oft ungerecht bewertet.

"Wenn ich verliere, bin ich unausstehlich. Dann sollte mir besser niemand zu nahe kommen", sagte Klopp damals. Schon nach dem schwachen Ligastart mit nur sieben Punkten aus sechs Spielen hatte Klopp auf kritische Fragen von Journalisten äußerst dünnhäutig reagiert. Zuweilen wetterte er sogar gegen Bundesliga-Kollegen.

Ultimativer Test für Team und Trainer

So trotzig Klopp damals mit der Situation umging, der Trainer weiß genau: Erst in der Champions League werden aus guten Mannschaften große Mannschaften. Das gilt auch für ihre Trainer. Und in diesem Jahr stehen die richtigen Spiele dafür an. Amsterdam, Manchester City und Real Madrid heißen die Gruppengegner des BVB - viel mehr geht nicht im europäischen Spitzenfußball.

Für den BVB steht im zweiten Champions-League-Jahr unter Klopp viel auf dem Spiel: Es geht um Prestige und die Zukunft. Ausnahmespieler wie Mats Hummels, Reus und Götze wollen ihr Können dauerhaft gegen europäische Spitzenmannschaften zeigen, um sich weiter zu verbessern. Dortmunds Nationalspieler, so hofft auch Bundestrainer Joachim Löw, werden von den Duellen mit den Top-Clubs profitieren: "Das sind Mannschaften, die auf höchstem Niveau spielen. Das kann für die Dortmunder ein wichtiger Schritt der Entwicklung sein."

Doch dass der BVB in den vergangenen zwei Jahren international abstürzte, lag weniger an den Fähigkeiten seiner Akteure. Es lag auch daran, dass Klopp bisher nicht als Meister der Rotation bekannt ist. Wenn der BVB keine Verletzungen oder Sperren zu beklagen hatte, ließ der 45-Jährige bisher meist dieselbe Startformation spielen - unabhängig vom Gegner und dessen Taktik. "Wenn der Trainer sich einmal entschieden hat, dann ist es kaum möglich, seine Meinung zu ändern", sagte der inzwischen nach China verkaufte Lucas Barrios vor seinem Abgang.

Eigentlich hatte der Coach den Fehler in seinem System bereits erkannt: "Wir haben in diesem Jahr versucht, Sebastian Kehl ab und zu rotieren zu lassen. Das hat aber noch nicht wirklich gut geklappt", räumte Klopp am Ende der vergangenen Bundesliga-Saison ein. Doch da, wo der FC Bayern kräftig durchmischte, wenn es in der Liga und international in die entscheidende Phase ging, setzte Dortmund weiter auf die stets gleichen Spieler und das Prinzip Vollgas.

In dieser Saison ließ Klopp bereits mehr rotieren

Eine bestens eingespielte Stammelf rannte den Gegner müde und drängte auf eine frühe Führung. Wechsel während des Spiels gab es selten vor der 70. Minute. In der Sommerpause hat Dortmund nun neben Reus in Julian Schieber, Leonardo Bittencourt und Oliver Kirch weitere Profis verpflichtet, die Klopp mehr Wechselmöglichkeiten bieten und Siege noch ökonomischer machen sollen.

Für internationalen Erfolg ist das wichtig. Und für den BVB sowieso. Unter den europäischen Top-Clubs zeigt Dortmund eines der laufintensivsten Spiele, pro Partie rennen die Dortmunder zusammen rund 120 Kilometer. Klopp will in dieser Saison seine Fehler nicht wiederholen: Gegen Nürnberg (1:1) und Leverkusen (3:0) wechselte der Coach in der offensiven Mittelfeldreihe kräftig durch.

Er hat inzwischen einen Kader zur Verfügung, der es ihm erlaubt, nahezu ohne Qualitätsverlust zu tauschen. Leistungsträger wie Jakub Blaszczykowski oder Ergänzungsspieler wie Felipe Santana haben ihre Verträge verlängert. Problematisch könnte es für die Borussia nur werden, wenn sich auf den Außenverteidigerpositionen, wo Lukasz Piszczek und Marcel Schmelzer gesetzt sind, oder im Sturm, wo Robert Lewandowski den Startplatz für sich beansprucht, jemand verletzt. Auf diesen Positionen hat Klopp nur wenig Spielraum.

"Wir werden stärker sein beim nächsten Mal", hatte Klopp der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" zur nun beginnenden Champions-League-Saison gesagt. Mit dem "wir" hat er sich mit eingeschlossen. Diesmal soll jeder Spieler seine Pausen bekommen, egal wie wichtig er ist. Selbst ein Marco Reus.

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insgesamt 28 Beiträge
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1.
Draco Silvano 18.09.2012
Ich drücke auf jeden Fall beiden deutschen Manschaften heute Abend die Daumen. Die Qualität sollte in beiden Fällen dazu reichen in der jeweiligen Gruppe 2ter werden zu können. Und Dortmund dürfte es entgegenkommen, dass alle 3 Gruppengegner zur Zeit auch nicht wirklich die Leistung abrufen, zu der sie fähig wären.
2. leider sind die paar Leutchen aus dem Ruhrpott
maxg68 18.09.2012
.....nicht weitsichtig genug um zu erkennen, welche Bedeutung internationaler Erfolg für Ihren Verein hätte. Es gibt nicht wenige, denen die deutsche Meisterschaft viel wichtiger ist als Erfolg in der Champions League. Aber: wen überrascht das? Also: bitte früh aus der Champions League ausscheiden, um sich voll auf die Meisterschaft konzentrieren zu können Das wäre Euch doch am liebsten, oder?
3. optional
weihnachten2 18.09.2012
Soso ... "Nicht weitsichtig genug" ... iss klar ;) Was soll denn da bitte der Vorwurf sein? Dass wir uns über die Meisterschaft freuen, obwohl wir aus der Championsleague rausgeflogen sind? ;) Leute die das Leben so sehen, dürfen gerne weiter dem FC Bayern huldigen. Wenn Dortmund gegen Real, Manu und Ajax rausfliegt - so what? Wenn Dortmund nur vierter oder fünfter wird? Meinetwegen. Es macht einfach Spaß dieser Mannschaft beim Fußballspielen zuzusehen - und darum gehts imho.
4. Jaja...
opogog 18.09.2012
Zitat von maxg68.....nicht weitsichtig genug um zu erkennen, welche Bedeutung internationaler Erfolg für Ihren Verein hätte. Es gibt nicht wenige, denen die deutsche Meisterschaft viel wichtiger ist als Erfolg in der Champions League. Aber: wen überrascht das? Also: bitte früh aus der Champions League ausscheiden, um sich voll auf die Meisterschaft konzentrieren zu können Das wäre Euch doch am liebsten, oder?
Hmm da hat wohl ein Schalker den Artikel nicht gelesen ;-) Das im UEFA-Pokal vor zwei Jahren war großer Bockmist da hätte man wirklich mal in die Gruppenphase kommen können. Und das letztes Jahr waren neun Lehrstunden in puncto allem was man so in Europa nicht machen sollte und was man alles machen sollte. Aber die Mannschaft und der Trainer haben daraus gelernt, hoffe ich zumindest. Und Platz 2 ist drin. Ich freu mich schon riesig darauf wieder mal Real im Westfalen Station zu sehen das waren immer große Spiele und gegen AJAX auch. Hach die 90er... Und die Mourino es schon sagte er sieht nicht City als ergsten Wiedersache sonders den BVB in der Gruppe. Das Stadion ist halt einfach beängstigend für vielle Gäste Mannschaften die kenn es einfach nicht das ca. 80.000 Ihre Mannschaft so bedingungslos und Lautstark unterstüzt.
5. ...
Tatsächlich 18.09.2012
Zitat von sysopund Siege noch ökonomischer machen sollen
Der Satz gefällt mir. Dieser Umstand wird Bayern wiederholt zum Verhängnis werden. Dortmund gebe ich in dieser CL-Gruppe keine Chance, in der Nationalmannschaft sind auch viele Bayern gesetzt - Dortmunder Spieler haben also prima Gelegenheit, Bayern erneut national hinter sich zu lassen, die sich in mehreren Turnieren abnutzen.
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