Drei Thesen zur Bundesliga Der Risikomann belohnt die Gladbacher

Mit ihrer Systemanalyse scheinen die Verantwortlichen der Borussia ins Schwarze getroffen zu haben. In Leverkusen muss man sich trotz des Sieges Sorgen machen, und der BVB landet einen emotionalen Befreiungsschlag.

Alassane Pléa
ULRICH HUFNAGEL/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Alassane Pléa

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1. Alassane Pléa ist der Spielertyp, der Gladbach gefehlt hat

Ungewohnt offen ließen die Gladbacher Verantwortlichen vor der Saison die Öffentlichkeit an den Beweggründen für ihr Handeln teilhaben. Die Analyse der vergangenen Saison habe ergeben, dass das System der Borussia mit der ins Mittelfeld zurückfallenden Neun entschlüsselt, daher ein neues zwingend notwendig sei. Andere Taktik, frisches Personal: Für Alassane Pléa, ihren neuen Stoßstürmer, gaben die Borussen die Rekordsumme von 23 Millionen Euro aus. Dabei hatte der 25-Jährige bei seinem letzten Klub OGC Nizza häufig auf dem Flügel gespielt. Dieter Hecking und Max Eberl sahen ihn trotzdem als - teure - Ideallösung im Angriffszentrum.

Eine riskante Investition, die sich auszuzahlen scheint. Gleich bei seinem ersten Einsatz als Einwechselspieler erzielte er den Ausgleich in Augsburg, in Berlin war er erfolgreich und auch beim 3:1 gegen Eintracht Frankfurt zeigte er seinen Wert für den VfL. Das 1:0 ging auf sein Konto, einer von sechs (!) Torschüssen des Franzosen. Endlich hat die Borussia wieder einen Mann im Zentrum, der auch körperlich dagegenhalten kann. Neun Luftzweikämpfe absolvierte er, seine Präsenz erlaubt es, die Mittelfeldreihe kompakter zu halten und geordnet nachzurücken. Der Lohn nach dem fünften Spieltag: Platz vier. Tendenz aufsteigend.

2. Dortmund landet einen emotionalen Befreiungsschlag

Man könnte jetzt viel über die statistischen Werte des 7:0 des BVB gegen den 1. FC Nürnberg sprechen. Über die gespielten 865 Pässe, von denen irrwitzige 92,8 Prozent beim Mitspieler landeten, die zwölf Torschüsse von innerhalb des Strafraums oder die taktischen Nuancen mit den so weit auf Außen wie noch nie in dieser Saison platzierten Flügelstürmern. Oder von hoffnungslos überforderten Spielern des Gegners. All das unterschätzt die emotionale Wirkung, die dieser Kantersieg im traditionell gefühligen BVB-Umfeld einnehmen könnte.

Jubelnde Dortmunder Spieler
AFP

Jubelnde Dortmunder Spieler

Selbst nach vier Siegen und zwei Remis in den ersten sechs Pflichtspielen war die Befürchtung einer erneuten Ach-und-Krach-Saison greifbar. Die Sehnsucht nach dem Spektakel, des klopp'schen "immer weiter Vollgas". Gedimmt ist nach diesem 7:0 das sportlich nachrangige Götze-Theater, stattdessen gibt es neuen Stoff, über den sich zu reden lohnt: Premierentore von Manuel Ankanji, Achraf Hakimi und Jacob Bruun Larsen, die Treffer der eingewechselten Jadon Sancho und Julian Weigl. Die Bestätigung, dass dieses so ersehnte Spektakel unter Lucien Favre tatsächlich möglich scheint. Das ist womöglich die wichtigste Erkenntnis aus Dortmunder Sicht.

3. Leverkusen muss sich trotz seiner Siege sorgen

Bayer Leverkusen ist trotz des dritten Pflichtspielsieges innerhalb von sechs Tagen weiter eines der Sorgenkinder der Liga. Ergebnistechnisch hat sich die Mannschaft von Trainer Heiko Herrlich nach drei Niederlagen zum Saisonstart gefangen. Spielerisch geben die Leverkusener aber keine gute Figur ab.

Torschütze Kevin Volland (l.)
Getty Images

Torschütze Kevin Volland (l.)

In der ersten Hälfte ließen sie sich von Aufsteiger Fortuna Düsseldorf komplett überrennen. Die Torschussbilanz: 0:8! Düsseldorfs Trainer Friedhelm Funkel spiegelte das Leverkusener 4-2-3-1 und schaffte damit im Mittelfeld direkte Duelle. Diese Duelle gewannen in der ersten Hälfte zumeist die Düsseldorfer, Leverkusen kam kein einziges Mal vor das Tor von Michael Rensing.

Zwar korrigierte Leverkusen das Ergebnis in den zweiten 45 Minuten und gewann am Ende mit 2:1, aber im nächsten Spiel gegen Borussia Dortmund darf sich Herrlich etwas einfallen lassen. Denn bei den knappen Siegen gegen Ludogorezk Razgrad, Mainz 05 und nun gegen Düsseldorf sah man zwar ein siegreiches Leverkusen, aber kein überzeugendes.



insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
gammoncrack 27.09.2018
1. Als BVB-Fan freue ich mich
natürlich über dieses spektakulären Sieg. Andererseits befürchte ich aber auch, dass man nun die nächsten Gegner auf die leichte Schulter nimmt. Ein hart erkämpfter Sieg wäre mir deswegen lieber gewesen. Ob beim BVB nun tätsächlich "der Knoten geplatzt ist", wird sich schon im nächsten Spiel gegen Leverkusen herausstellen.
vickyo 27.09.2018
2. In
Gladbach war man skeptisch ob plea soviel Geld werd ist wenn Favre keine Ambitionen hatte von ihn von Nizza mit nach Dortmund zu nehmen. Aber was Plea bisher in den wenigen spielen gezeigt hat ist das er ein robuster mitspielender Stürmer mit starkem Abschluss ist.Ich denke und hoffe das man sich in Gladbach endlich über den ersehnten Gefahrenherd im Strafraum freuen kann
Nonvaio01 27.09.2018
3. sehe ich auch so
Zitat von gammoncracknatürlich über dieses spektakulären Sieg. Andererseits befürchte ich aber auch, dass man nun die nächsten Gegner auf die leichte Schulter nimmt. Ein hart erkämpfter Sieg wäre mir deswegen lieber gewesen. Ob beim BVB nun tätsächlich "der Knoten geplatzt ist", wird sich schon im nächsten Spiel gegen Leverkusen herausstellen.
erst muss der BVB einmal gegen echte gegner beweisen was er kann, danach kann man weiter sehen.
Oihme 27.09.2018
4. Naja, ...
Zitat von Nonvaio01erst muss der BVB einmal gegen echte gegner beweisen was er kann, danach kann man weiter sehen.
... demnächst spielen die Borussen ja schon gegen den Bayern-Schreck Augsburg! :-)
spon1899 27.09.2018
5.
Die arrivierten Europaclubs werden sich diese Saison mit Teams wie Mönchengladbach und Bremen auseinandersetzen setzen müssen.
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