Dritte Fußball-Liga: Viel Leid, kaum Geld

Von Nils Lehnebach

Geplant war die Dritte Liga als Unterbau für die Profiklassen. Das sportliche Niveau sollte verbessert werden. Die Realität sieht anders aus. Die vor drei Jahren gegründete Liga steckt in einer großen Krise. Etliche Clubs kämpfen ums Überleben.

Bremens Schiller: Trotz sportlichem Abstieg nächstes Jahr in der Dritten Liga? Zur Großansicht
Bongarts/Getty Images

Bremens Schiller: Trotz sportlichem Abstieg nächstes Jahr in der Dritten Liga?

"Die SGD ist wieder da." Diese frohe Botschaft prangte auf den T-Shirts der Dresdner Spieler nach erfolgreich überstandener Relegation gegen den Zweitligisten Osnabrück. In Hinblick auf die finanzielle Situation des Vereins wäre allerdings die Formulierung "Die SGD ist noch da" passender gewesen.

Der Aufstieg hat Dresden vor dem finanziellen Ruin bewahrt. Nun muss der Verein beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) eine deutlich niedrigere Bürgschaft vorlegen. Genau 830.000 Euro, 2,045 Millionen wären es für die Dritte Liga gewesen. Die Höhe der TV-Einnahmen macht den Unterschied, im Fall des Neu-Zweitligisten Dresden den entscheidenden.

Andere Drittliga-Clubs stehen weitaus schlechter da. Rot Weiss Ahlen musste in der Vorwoche ein Insolvenzverfahren eröffnen. Für den Club, der sich sportlich am letzten Spieltag gerettet hatte, darf nun der eigentliche Absteiger Wacker Burghausen in der Liga bleiben.

Mit dem Reserveteam des Erstligisten Werder Bremen hat sogar ein weiterer sportlicher Absteiger die Chance auf den Klassenverbleib. Grund dafür ist die klamme Kasse beim SV Babelsberg. Mittlerweile hat die Stadt dem Verein einen einmaligen Zuschuss in Höhe von 700.000 Euro zugesagt. Das reicht aber nur für den Spielbetrieb in der Regionalliga.

Babelsberger Vorstand wurde aufgelöst

Für die Dritte Liga müsste bis Mittwochnachmittag noch einmal dieselbe Summe zusammenkommen. Fans haben bislang gut 65.000 Euro gespendet, vermutlich wird es dennoch nicht reichen. Am Montag trat der Babelsberger Vorstandsvorsitzende Rainer Speer zurück, der Vorstand wurde aufgelöst.

Thomas Bastian, ein Kinobetreiber, soll nun den Neuanfang organisieren. Wohl in der Regionalliga. Erschwerend hinzu kommt, dass inzwischen sogar strafrechtlich gegen Babelsberg ermittelt wird. Bei der Hinterlegung von Bürgschaften soll nicht alles mit rechten Dingen zugegangen sein. Spezialisten für Wirtschaftsstraftaten des Landeskriminalamtes und der Staatsanwaltschaft durchsuchten am Dienstag die Räume des Clubs und stellten Unterlagen sicher.

Auch für Arminia Bielefeld könnte der Absturz erst in der vierthöchsten Spielklasse enden. Und dies, obwohl der Zweitliga-Absteiger schon 1,25 Millionen Euro aus dem Sicherungsfonds der Deutschen Fußball Liga (DFL) erhalten hatte. Es fehlen weiterhin 2,9 Millionen Euro für die Zulassung zum Spielbetrieb der Dritten Liga. Diese Summe soll durch eine Fan-Anleihe generiert werden.

"Die ersten Signale sind positiv. Es gibt eine breite Bereitschaft der Anhänger", so ein Arminia-Sprecher. Auf einem Stadtfest und einer Champions-League-Party am vergangenen Wochenende zeichneten Bielefeld-Fans weitere Anteile. Ob das reichen wird, ist fraglich. Bis Mittwoch um 15.30 Uhr muss der Finanzplan dem DFB vorliegen.

Bayern-Nachwuchs würde nachrücken

Sollte Bielefeld das Geld nicht zusammenbekommen, würde ein weiterer Startplatz in der 20 Teams umfassenden Dritten Liga frei. Die zweite Mannschaft der Bayern bliebe drin, das Team hatte als Schlusslicht den Klassenerhalt klar verpasst.

Auch Koblenz (11. der vergangenen Drittliga-Saison), Unterhaching (14.) und Jena (15.) ist die Lizenz wegen finanzieller Probleme noch nicht sicher. Bei weiteren finanziell begründeten Abstiegen, würde die Liga sogar reduziert werden. In der Spielzeit 2011/2012 würden dann entsprechend weniger Teams absteigen, um die Liga wieder auf 20 Vereine aufzufüllen.

"Ich bin fest davon überzeugt, dass es eine Erfolgsstory wird", hatte DFB-Präsident Theo Zwanziger zum Start der Dritten Liga gesagt. Die Realität sieht anders aus. Die Zwangsabstiege finanzschwacher Vereine führen den sportlichen Wettbewerb ad absurdum. Keine Punkte, aber Geld - so kann es auf Dauer nicht funktionieren.

Doch nicht nur in der Dritten Liga, in der jeder Club rund 800.000 Euro pro Saison aus dem zentralen Verkauf der Fernsehrechte bekommt, gibt es Finanzsorgen. Nach der Spielzeit 2009/2010 mussten in der Regionalliga West in Rot-Weiss Essen, der Bonner SC und Waldhof Mannheim gleich drei Clubs die Liga wegen finanzieller Probleme verlassen.

Ulm beginnt den Neuanfang in der Oberliga

Der insolvente Süd-Regionalligist Weiden zog diese Saison die Mannschaft zur Winterpause zurück. Ulm hielt durch, die Partien des SSV wurden aber nicht gewertet. Der Club startet in der Oberliga Baden-Württemberg einen Neuanfang.

Der Sprung in den überregionalen Fußball ist für viele Vereine ein zu großes Wagnis. Die Auflagen des DFB sind hoch, die TV-Gelder in der Regionalliga gering. In Hamburg beispielsweise verzichten seit Jahren viele Oberligisten auf ihr Aufstiegsrecht.

Der DFB hat die Situation erkannt und inzwischen reagiert. Zur Spielzeit 2012/2013 gibt es statt bisher drei Regionalligen (Nord, Süd und West) fünf (Bayern, Nord, Nordost, Südwest und West).

Die Clubs versprechen sich dadurch eine finanzielle Entlastung wegen niedrigerer Reisekosten und höherer Einnahmen durch mehr Zuschauer bei den Lokalduellen. Sicher ist, dass das sportliche Niveau niedriger sein wird.

Den Clubs der Dritten Liga will der DFB durch die neu ins Leben gerufene "AG Finanzen" helfen. Etwaigen Problemen soll durch Beratung entgegenwirkt werden. Das Kernproblem bleibt dennoch: Die TV-Gelder sind zu niedrig.

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