Von Birger Hamann
8, 11, 17, 19, 40, 41, Zusatzzahl 1: So lautet die persönliche Erfolgsformel von Maximilian Beister. Nicht, dass der Offensivmann von Fortuna Düsseldorf im Lotto gewonnen hätte. Zumindest ist davon nichts bekannt. Es sind die Kennzahlen einer Hinrunde, in denen Düsseldorf der beste Club und Beister der überragende Spieler der zweiten Bundesliga gewesen ist. 8 Tore und 11 Vorlagen in 17 Spielen bedeuten für Beister 19 Scorerpunkte, mehr als jeder andere Zweitligaprofi. Damit hatte er entscheidenden Anteil an den 40 Toren und 41 Punkten der Fortuna nach der Hinrunde, die der Club auf Platz 1 abschloss.
"Wir haben bisher ein fantastisches Jahr gespielt", sagt Düsseldorfs Trainer Norbert Meier, der sich kurz vor Weihnachten noch auf das "Bonusspiel" freut. Am Dienstagabend empfängt der Zweitliga-Tabellenführer den Deutschen Meister Borussia Dortmund im Achtelfinale des DFB-Pokals (20.30 Uhr, Liveticker SPIEGEL ONLINE). "Von so etwas haben wir vor nicht allzu langer Zeit doch nur träumen dürfen. Das ist ein echtes Highlight für uns und unsere Fans", so Meier.
Düsseldorf gegen Dortmund: In der kommenden Saison könnte dieses Duell fester Bestandteil des Bundesliga-Spielplans sein. Doch vom Aufstieg redet bei der Fortuna kaum jemand, zumindest nicht öffentlich. "Es besteht immer die Gefahr, dass man nachlässt oder das Selbstbewusstein in Arroganz umschlägt", sagt Meier, der mit seiner Warnung vor allem seinen derzeit wohl prominentesten Spieler im Blick haben dürfte: Maximilian Beister.
Medien tauften Beister "Mini-Arjen-Robben"
Alle reden über Düsseldorfs 21 Jahre alten Flügelflitzer, nur er selbst redet nicht. Zumindest nicht mit den Medien. Seit Wochen schirmt sein Club ihn ab, Interviewanfragen werden abgeblockt. Bei der Fortuna wollen sie verhindern, dass Beister abhebt. Denn selten hat es in den vergangenen Jahren einen derartigen Hype um einen Zweitliga-Spieler gegeben.
"Maxi ist ein junger Mann, der sehr spektakulär spielt", sagt Düsseldorfs Manager Wolf Werner. Viel mehr Lob gibt es von Vereinsseite für den U21-Nationalspieler aus pädagogischen Gründen nicht. Anders die niederländischen Medien: Nachdem Danny Blind, Manager von Ajax Amsterdam, Beister beobachtet und befunden hatte, der Spieler passe "ganz hervorragend" ins Spielsystem des Traditionsclubs, war nur noch vom "Mini-Arjen-Robben" die Rede.
In der Tat erinnert Beister auf dem Platz wegen seiner Spielweise an den Top-Star des FC Bayern. Beide agieren auf der rechten Angriffsseite, laufen häufig frontal auf ihre Gegenspieler zu, um sie im Dribbling auszuspielen. Und beide ziehen gerne nach innen, um mit links den Abschluss zu suchen. Sie verfügen dabei über eine exzellente Schusstechnik. Meier attestierte Beister einmal "einen Schuss wie ein Pferd". In der vergangenen Saison, seiner ersten in Düsseldorf, kam Beister in 26 Spielen auf sieben Tore und sechs Vorlagen. Beide Werte hat er in dieser Spielzeit schon nach der Hinrunde getoppt.
Vertrag beim HSV bis 2013
Solche Zahlen, gepaart mit Beisters spektakulärer Spielweise, rufen Interessenten auf den Plan. Neben Ajax und dem FC Fulham aus der englischen Premier League hat die halbe Bundesliga den Namen Beister auf dem Zettel. 1899 Hoffenheim soll sich ebenso intensiv um ihn bemühen wie der VfL Wolfsburg, Bayer Leverkusen und Borussia Dortmund. Mit BVB-Trainer Jürgen Klopp ("superspannender Spieler") hat sich Beister angeblich schon zu Gesprächen getroffen. "Ich mag das nicht glauben, dass sich ein Trainer gerade mit Blick auf so ein Spiel mit einem Spieler von uns trifft. Das widerspräche jeder Ethik im Fußball", kritisierte Werner.
Bei all den Spekulationen geht allerdings vergessen, dass Beister schon bei einem Erstliga-Club unter Vertrag steht: dem Hamburger SV. 2004, im Alter von 13 Jahren, war er vom VfL Lüneburg zum HSV gewechselt. 2010, mit 19, wurde er dann für zwei Jahre nach Düsseldorf ausgeliehen. In Hamburg hat Beister einen Vertrag bis zum 30. Juni 2013. Die Verantwortlichen beim HSV bemühen sich seit Wochen um eine vorzeitige Verlängerung.
"Er ist wie eine Rakete hochgeschossen, hat den Durchbruch geschafft", sagt Hamburgs Sportchef Frank Arnesen. Der Däne steht mit Beister in ständigem Kontakt. "Ich hatte ein sehr konstruktives Gespräch mit Beister und habe ein sehr gutes Gefühl, dass er bis 2016 bei uns bleibt", sagte Arnesen jüngst.
Beim HSV wollen sie das Talent um (fast) jeden Preis halten, um nicht den gleichen Fehler wie vor anderthalb Jahren zu machen. Damals kehrte Sidney Sam nach Hamburg zurück, nachdem er zwei Jahre an den 1. FC Kaiserslautern ausgeliehen war. Mit zehn Toren und sieben Vorlagen hatte er entscheidenden Anteil am Aufstieg des FCK in der Saison 2009/2010. Beim HSV glaubten sie dennoch, der Flügelspieler würde sich im Oberhaus nicht durchsetzen und verkauften ihn für zwei Millionen Euro nach Leverkusen. Dort gelang ihm der Bundesliga-Durchbruch, heute ist er ein vielfaches wert.
Eine Entscheidung, ob Beister in Hamburg verlängert, fällt erst 2012. Aktuell steht der Pokal an. Düsseldorf kann gegen Dortmund in Bestbesetzung antreten. Mit Abwehrchef und Elfmeter-Experete Jens Langeneke, mit Dauerläufer, Kapitän und Kultfigur Andreas Lambertz im defensiven Mittelfeld, mit Oldie Sascha Rösler im Sturm, und eben mit Beister auf der Außenbahn. BVB-Coach Klopp sagt: "Die Möglichkeit, dass wir die Fortuna unterschätzen, liegt bei null."
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