Duisburg im Pokalfinale: Kleine Clubs, große Gefühle

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Duisburg zieht ins DFB-Pokalfinale ein - und jubelt, als ob der Pott schon gewonnen sei. Der Verein zelebriert den Sieg gegen Cottbus als Triumph für die gebeutelte Stadt. Bei den unterlegenen Lausitzern bleibt viel Bitterkeit: Sie hadern mit dem Schiri und der Duisburger Polizei.

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Es war Roland Kentsch, der kurz vor Mitternacht den ganz großen Bogen spannte: Balsam auf die Seele einer leidgeprüften Stadt sei der Einzug des MSV Duisburg ins DFB-Pokalfinale. "Was wir hier dringend brauchen, ist neues Selbstbewusstsein", erklärte der Geschäftsführer des Zweitligisten in Anspielung auf das Unglück bei der Love Parade vor gut sieben Monaten. Die Stadt habe "gezeigt, wie sie hinter dem Club steht, wie sie versucht, sich davon zu befreien, was hier letzten Sommer passiert ist, das hilft", sagte Kentsch - und schoss damit wohl ein wenig über das Ziel hinaus.

Tatsächlich hatten 30.000 Fußballinteressierte ein eher mittelklassiges, am Ende immerhin spannendes Pokalspiel gesehen, das die Duisburger 2:1 (1:0) gegen Energie Cottbus gewannen. Natürlich wurde gefeiert, wenige Momente nach dem Schlusspfiff hatten die siegreichen Spieler eigens gedruckte Final-T-Shirts übergestreift, Trainer Milan Sasic wurde während eines Fernsehinterviews mit Bier aus einem dieser überdimensionierten Humpen überschüttet, die normalerweise erst zum Einsatz kommen, wenn Titel auch gewonnen wurden. Aber Duisburg ist eben ein kleiner Zweitligist und bejubelte den Einzug ins Berliner Endspiel wie einen großen Sieg. Hier gilt: kleiner Club, großes Gefühl.

Und so waren die Beteiligten in einer Art und Weise berührt, die weit über das Sportliche hinausging. "Da kommt vieles aus der Vergangenheit hoch", sagte Trainer Sasic. Er erzählte noch einmal, wie er 1991 "aus einem glücklichen Leben" vor dem Krieg in Jugoslawien flüchten musste, dreieinhalb Jahre auf einer Baustelle arbeitete und einen Kreisligisten trainierte. Das Finale von Berlin ist die Krönung des Aufstiegs in einem fremden Land.

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Pokalhalbfinale Duisburg vs. Cottbus: Per Doppelkopf zum Führungstor
Vielleicht waren die Duisburger Kentsch und Sasic so aufgewühlt, weil die Schlussphase des Spiels wirklich dramatisch war. Der MSV hatte nach Toren von Stefan Maierhofer und Srdjan Baljak 2:0 geführt. Doch ein Foul von Bruno Soares, für das der Verteidiger Rot sah und die Cottbusser einen Elfmeter erhielten, verwandelte die klare Angelegenheit in ein Spiel, in dem alles passieren konnte. Nils Petersen verkürzte per Strafstoß auf 2:1 (78), Cottbus stürmte, aber "das Tor war wie vernagelt, der Ball wollte einfach nicht rein, das war ja Wahnsinn", sagte Petersen.

Wahrscheinlich hatten die Cottbuser sogar einen regulären Treffer erzielt. In der 90. Minute hatte Uwe Hünemeier aufs Tor geköpft, Olivier Veigneau schlug den Ball von der Linie und sagte hinterher: "Ich glaube schon, dass der drin war." Es war wieder mal so ein Moment, in dem der Chip im Ball geholfen hätte, über dessen Einführung das Regelgremium des Weltfußballs am kommenden Samstag entscheiden wird.

Wollitz und die Widrigkeiten des Lebens

Ein Jahr zu spät für die Cottbusser, Trainer Claus-Dieter Wollitz haderte nach dem Abpfiff allerdings mit einer anderen Szene: Schiedsrichter Michael Weiner hatte in der Anfangsphase nach einem Foul von Ivica Banovic an Jiayi Shao im Strafraum auf den Elfmeterpfiff verzichtet. "Das hat er gesehen, das war eine spielentscheidende Situation", unterstellte Wollitz dem Unparteiischen. Der Coach war zutiefst frustriert, die Reise nach Berlin wäre der größte Erfolg seiner noch recht jungen Karriere gewesen. Und einmal in Rage geraten, teilte Wollitz dann auch gegen die Gastgeber aus.

Bei der Ankunft wurden die Gäste von einer Gruppe MSV-Anhänger mit Tritten gegen den Bus und Schlägen gegen die Scheiben empfangen. "Wenn so was in Cottbus passiert, dann gibt es einen Aufschrei in Deutschland", sagte Wollitz und erhob schwere Vorwürfe gegen die Duisburger Polizei. Die Beamten hätten tatenlos zugesehen. "Das war einfach unterirdisch, aber so ist das halt in unserer Gesellschaft, es ist viel Hass drin", sagte er.

Die Arena hatte sich längst geleert, da redete Wollitz immer noch auf seine Zuhörer ein, er referierte über "Moral", über "Leidenschaft" und erhofft sich "eine Trotzreaktion". Nur die Einsicht, dass Energie nach 90 Minuten Fußball der verdiente Verlierer war, fiel ihm schwer. Wahrscheinlich hätte Wollitz im Erfolgsfall erklärt, welch eine weitreichende Bedeutung eine Finalteilnahme für Cottbus, die Lausitz und ganz Ostdeutschland gehabt hätte. Dabei war es doch nur ein Fußballspiel zwischen zwei Zweitligisten.

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1. Dabei war es doch nur ein Fußballspiel zwischen zwei Zweitligisten.
mw33 02.03.2011
"Dabei war es doch nur ein Fußballspiel zwischen zwei Zweitligisten." ... eben darauf kann man das eben nicht reduzieren.
2. Zum ersten Mal im Leben ...
1895olé 02.03.2011
... werde ich heute abend schon vor einem Spiel zum FCB halten. Dann spielen die Meidericher nächstes Jahr international und die Schalker dürfen sich was ausdenken, wie sie an die Millionen für die Schuldzinsen und die Spielergehälter kommen.
3. Glückwunsch zum Einzug ins Finale MSV Duisburg
derandersdenkende 02.03.2011
Zitat von sysopDuisburg zieht ins DFB-Pokalfinale ein - und jubelt, als ob der Pott schon gewonnen sei. Der Verein zelebriert den Sieg gegen Cottbus als Triumph für die gebeutelte Stadt. Bei den unterlegenen Lausitzern bleibt viel Bitterkeit: Sie hadern mit dem Schiri und der Duisburger Polizei. http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,748520,00.html
Der Gastgeber war, neben dem Schiedsrichternkollektiv, über weite Strecken des Treffens spielbestimmend. Für Cottbus bleibt das Traumata, ausgelöst vom damaligen Skandalspiel in Bochum ( steht unter Betrugsverdacht ) welches den letzten Abstieg aus der 1. Bundesliga einleitete, das im Ruhrpott nichts zu holen ist. Vielleicht sollte man künftig Kräfte sparen, und mit dem DFB aushandeln, künftig von vornherein dem Gegner den Sieg zu überlassen. Ich denke das wäre ehrlicher.
4. Oder kräftig mithelfen!
Robert Rostock 02.03.2011
Zitat von derandersdenkende...Vielleicht sollte man künftig Kräfte sparen, und mit dem DFB aushandeln, künftig von vornherein dem Gegner den Sieg zu überlassen. Ich denke das wäre ehrlicher.
Noch besser wäre es, den DFB bei seinem Vorhaben kräftig zu helfen. Soweit ich weiß, kam das Fußballspiel mit den meisten Toren (irgendwo in Asien) so zustande, dass die sich benachteiligt fühlende Mannschaft im Sekundentakt Eigentore geschossen hat...
5. wo bleiben die Klagen?
_unwissender 02.03.2011
Mit einem Zweitligisten in die Europa-Liga? Und die verpatzen dann den deutschen Champignons den 4. Startplatz für die Pilzliga? Und immer noch ruft keiner danach, dass Erstligisten in Pokalspielen vor dem Anpfiff 2 Tore Vorsprung haben müssen? Ich glaube, da ist was faul im Lande...
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Zum Autor
Daniel Theweleit, 1972 in Freiburg im Breisgau geboren, liebt den Fußball immer noch. Auch die Lügen, die Abgründe und die Egoismen in dieser merkwürdigen Parallelwelt haben daran nichts geändert, denn die dunklen Seiten machen den Fußball aufregend. Daher schreibt er auch nach über einem Jahrzehnt immer noch mit großem Vergnügen für diverse Zeitungen, Zeitschriften und Buchprojekte über das wunderbarste Spiel dieses Planeten.

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