"Sportstudio"-Moderatorin Hayali Blitz und Donner, bitte!

Dunja Hayali wird neue "Sportstudio"-Moderatorin, und das dürfte eine gute Wahl sein. Die Sendung hat dadurch wieder die Chance auf einen Imagewechsel - wenn die Journalistin ihre Haltung beweist.

Augen zu und durch: Dunja Hayali mit der Goldenen Kamera
REUTERS

Augen zu und durch: Dunja Hayali mit der Goldenen Kamera

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Für die Erwartungshaltung hat Dunja Hayali selbst gesorgt. Die ZDF-Journalistin hat sich in der Vergangenheit politisch positioniert, sie gibt der AfD und ihren unappetitlichen Twitter-Legionen offensiv Kontra, bei Ausländerfeindlichkeit und Flüchtlingspolitik hat sie ebenso Stellung bezogen wie bei der Ehe für alle.

Damit ist sie genau die Richtige für das "Aktuelle Sportstudio".

Wie bitte? Eine politisch wache Journalistin und das "Sportstudio", diese Sendung, die unter all den alten Tanten der alten Tante ZDF vielleicht die älteste ist? Samstags ab 23 Uhr geht sie auf Sendung, wenn jeder Fußballfan die Bundesliga-Ergebnisse schon seit Stunden in- und auswendig kennt und nur noch gespannt darauf wartet, welche Sorte Turnschuhe Sven Voss diesmal aufträgt. Wo Trainer, Profis und Funktionäre artig abgefragt und mit kleinen Spielchen molestiert werden und jeder kleine Beitrag mit Applaus des Publikums verabschiedet wird, bevor man mit der Torwand dann endlich ins Bett geschickt wird. Dazwischen noch 30 Sekunden Taktikanalyse.

Ja, genau, dafür. Denn das "Sportstudio" braucht diese Blutauffrischung dringend. Diese Sendung trägt schwer an der Tradition namens Rainer Günzler, Harry Valérien und Dieter Kürten. Sie war mal die Sendung, in der Uli Hoeneß und Christoph Daum ihre Hahnenkämpfe austragen durften, notdürftig geschlichtet von Moderator Bernd Heller. Sie war die Sendung, in der Kaiser Franz mit Valérien und Marcel Reif aneinandergeriet oder Hoeneß sich mit Michael Palme stritt.

Es war die Sendung, bei der man bei allen Showelementen gewiss sein konnte, dass es auch mal blitzt und donnert im Gespräch. Wenn irgendwo im Sportjournalismus früher überhaupt mal die Fetzen flogen, dann war es im "Sportstudio". Nicht immer, aber ab und zu. Dann kamen Günther Jauch und Johannes B. Kerner, Müller-Hohenstein und Voss. Und vorbei war es mit Blitz und Donner. Das "Sportstudio" ist seitdem eine Schönwettersendung. Und wenn die Sonne zu sehr scheint, hält man gerne ein Nickerchen.

Mit der Berufung von Hayali könnte sich das ändern, wahrscheinlich muss es sich auch ändern. Das "Sportstudio" hat gerade durch den späten Sendeplatz eigentlich die Chance, kritischer, bohrender zu sein als die Konkurrenz. Unangenehme Fragen zu stellen, den Gesprächspartnern ihre Phrasen nicht durchgehen zu lassen, nachzuhaken, das 1:0 mal 1:0 sein zu lassen. Die großen Zuschauermassen muss das "Sportstudio" nicht (mehr) bedienen, aber vielleicht diejenigen, die Hintergründe wollen. Bei aller Samstagsaktualität: Das "Sportstudio" hat eine ganze Woche Zeit, eine spannende, anspruchsvolle Sendung zu bauen. Und dazu noch eine nachfragende, kritische, manchmal gnadenlose Fragerin. Eine Marietta Slomka des Sportjournalismus, das wäre es doch.

Wer sich wie Hayali mit Verve mit der AfD anlegt, dem sollte es doch auch erst recht ein Vergnügen sein, Ralf Rangnick, Karl-Heinz Rummenigge und Clemens Tönnies unangenehme Fragen zu stellen. Jetzt muss sie es nur noch tun.



insgesamt 37 Beiträge
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Seite 1
matthip 25.04.2018
1. Ein guter Journalist...
... macht sich nicht mit einer Sache gemein, auch nicht mit einer guten, sagte Hanns-Joachim Friedrichs einst. Mir sind Journalisten wie Frau Hayali ein Graus, ihre "Haltung" interessiert mich nicht (selbst wenn ich mit ihr bei der AfD in der Sache übereinstimme). Wenn das Sportstudio immer langweiliger geworden ist, liegt es sicherlich auch an mediokren Moderatoren wie Voss oder KMH. Allerdings ist von den Gästen auch nicht mehr viel zu erwarten, da fast alle Profisportler mittlerweile mediengeschult sind und stets denselben Sermon ablässt.
Nordstadtbewohner 25.04.2018
2. Das wird beiden nicht gut tun.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass man dem ZDF Sportstudio und Dunja Hayali damit einen Gefallen tut. Die Sendung lebt davon, dass sie sich nur um Sport dreht. Ein politisches Aufladen und Haltungsjournalismus werden dem Sportstudio und auch selbst Dunja Hayali schaden. Diese Frau wäre meines Erachtens in einem TV-Politikmagazin besser aufgehoben. Dazu kommt, dass Profisport nicht gerade ihre Domäne ist. Das wird unter Umständen Fans vergraulen oder vielleicht auch neue Fans hinter den Fernseher locken.
ichliebeeuchdochalle 25.04.2018
3.
Seit 20 Jahren ist das ASS eine Etiketten-Schwindel-Sendung, denn es ist ja in Wirklichkeit eine nicht-aktuelle Fußball-Sendung. Die Moderatoren sind beliebig, die Texte aus einer 50-Texte-Textbaustein-Datei. Mit anderen Worten: Abschaffen. Ab 23.00 Uhr eine Stunde Bundesliga-Fußball ohne jede Moderation, das Abendspiel etwas ausführlicher.
real men are feminists 25.04.2018
4. Lesen könnte helfen
Natürlich brauchen auch Journalisten eine Haltung, das heißt dennoch nicht, dass sie nicht ausgewogen berichten können. Was Dunja Hayalis Qualifikation im Bereich Profisport betrifft, könnte lesen helfen. Sie hat Sport studiert und war auch bereits jahrelang im Sportjournalismus tätig.
hansfrans79 25.04.2018
5.
Zitat von matthip... macht sich nicht mit einer Sache gemein, auch nicht mit einer guten, sagte Hanns-Joachim Friedrichs einst. Mir sind Journalisten wie Frau Hayali ein Graus, ihre "Haltung" interessiert mich nicht (selbst wenn ich mit ihr bei der AfD in der Sache übereinstimme). Wenn das Sportstudio immer langweiliger geworden ist, liegt es sicherlich auch an mediokren Moderatoren wie Voss oder KMH. Allerdings ist von den Gästen auch nicht mehr viel zu erwarten, da fast alle Profisportler mittlerweile mediengeschult sind und stets denselben Sermon ablässt.
Das ist ja sehr interessant, dass das ein Journalist über den Journalismus sagt.. Mir sind Journalisten wie Frau Hayali alles andere als ein Graus. Mal davon abgesehen, dass ich auch sie zu lasch finde, aber von den bekannten Gesichtern sicher eines der fähigeren. Sie dagegen scheinen eher aus der Zeit von Friedrichs zu kommen, von daher.... als gut.
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