Dynamo Dresden und Pegida Gespaltene Stadt, gespaltener Verein

Dynamo Dresden plädiert für einen Dialog mit den Pegida-Demonstranten. Anhänger werfen dem Fußball-Drittligisten deswegen "Kumpanei" vor. Tatsächlich geht es dem Klub darum, keine Seite zu verärgern.

Aus Dresden berichtet

Pegida-Demo neben Dynamo-Stadion: "Verstoß gegen die Satzung"
DPA

Pegida-Demo neben Dynamo-Stadion: "Verstoß gegen die Satzung"


Am Montagabend werden wieder Tausende Dresdner auf den Straßen sein, um mit oder gegen Pegida zu demonstrieren. Der Riss wird dabei auch durch die Fanszene des Drittligisten Dynamo Dresden gehen. Von dessen Anhängern traten zuletzt einige bei den Gegendemonstrationen auf. Deutlich mehr allerdings sah man bei den Pegida-Aufmärschen selbst.

"Ein Fußballstadion bildet den Bevölkerungsdurchschnitt ab, das ist bei uns nicht anders", sagt Dynamo-Geschäftsführer Robert Schäfer SPIEGEL ONLINE. Die vielen Dynamo-Schals bei Pegida gefallen ihm allerdings gar nicht: "Wer mit Dynamo-Fanutensilien auf eine Pegida-Demo geht und Mitglied ist, verstößt gegen unsere Satzung. Dafür müssen wir weiter sensibilisieren."

Sensibilisieren. Es ist ein vorsichtiges Wort, mit dem Schäfer das Vorgehen gegen die vielfachen Satzungsverstöße beschreibt. Und die Vorsicht passt allgemein gut zum Umgang des Klubs mit dem Pegida-Phänomen. Vereinsausschlüsse will Schäfer jedenfalls nicht aussprechen.

Aufruf Dresdner Klubs: "Gegen Rassismus"

Aufruf Dresdner Klubs: "Gegen Rassismus"

In der vergangenen Woche hat Dynamo zusammen mit anderen Dresdner Vereinen einen Aufruf unterzeichnet, der einen Dialog zwischen Pegida und ihren Gegnern in Gang setzen sollte. In dem kurzen Aufruf grenzen sich die Eislöwen (Eishockey), die Dresden Monarchs (American Football), die Volleyballabteilung des Dresdner SC und der Volleyball Club Dresden im zweiten Satz klar von rechts ab: "Die Dresdner Vereine setzen sich für Akzeptanz und Respekt sowie gegen Diskriminierung, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus ein."

Es wird dann aber der Eindruck erweckt, als habe Pegida mit ebendieser Fremdenfeindlichkeit nichts zu tun: "Aus Sicht des Sports ist es wichtig, den berechtigten Interessen der Bürger zuzuhören, ihre Sorgen ernst zu nehmen (...) und in einen offenen und fairen Dialog einzutreten."

Dementsprechend groß ist der Protest in den sozialen Netzwerken, auch Dynamo-Fans sprechen davon, man könne die Formulierung als "Kumpanei" mit Pegida auffassen. Dabei merkt man den Formulierungen eher an, dass die Verfasser vor allem eines nicht wollen: anecken. Nicht bei den Pegida-Gegnern, denen das klare Bekenntnis gegen Rassismus gefallen dürfte. Und nicht bei deren Unterstützern, die die "berechtigten Interessen" gern zur Kenntnis genommen haben dürften.

Dynamo-Erklärung: "...ihre Sorgen ernst zu nehmen..."

Dynamo-Erklärung: "...ihre Sorgen ernst zu nehmen..."

"Man muss Dynamo zugestehen, dass er in seinem Einflussbereich engagiert gegen Rassismus vorgeht", sagt Danilo Starosta von der Fachstelle Jugendhilfe - Demokratiewerte gegen Rechtsextremismus des Kulturbüros Sachsen. In der Fankurve, dem K-Block, habe es keine Mobilisierung für Pegida gegeben, weite Teile der Ultra-Szene zeigten sich immun gegen deren Themen. Einen Kritikpunkt am Aufruf hat aber auch Starosta: "Mir fehlt das positive Bekenntnis. Ich bin mir jedenfalls sicher, dass es ohne Zuwanderung um den Dresdner Spitzensport schlechter bestellt wäre."

So sieht es auch Benjamin Kümmig, Dresdner Juso und Jugendtrainer beim DSC: "Das Problem ist die Diskrepanz zwischen Vereinsführungen und großen Teilen der Anhängerschaft in solchen Fragen. In Dresden wird penibel drauf geachtet, als 'unpolitisch' zu gelten. Dabei sind Werte wie Respekt, Weltoffenheit und das Einstehen gegen Rassismus Gebote der Menschlichkeit." Die teils heftigen Reaktionen der Anhängerschaft zeigten aber, "dass der Deckmantel des Unpolitischen auch dazu dient, genau diese Gebote abzulehnen".

Dynamo-Geschäftsführer Robert Schäfer hat die Aufregung um den Aufruf registriert: "Bei 18.000 Menschen kann man davon ausgehen, dass da auch Bürger aus der Mitte unserer Gesellschaft dabei sind, mit denen man sich auseinandersetzen sollte, damit sich die Fronten nicht weiter verhärten."

Dass man die Anliegen von Pegida "berechtigt" finde, stimme aber deshalb nicht: "Wir müssen uns als Sportverein politisch neutral verhalten. Aber wir müssen auch unsere Werte hochhalten. Und das bedeutet, sich gegen Fremdenfeindlichkeit und für Vielfalt auszusprechen." Genau das tue man seit Jahren: "Erst im November ist unsere Mannschaft mit dem Schriftzug 'Love Dynamo, hate racism' aufgelaufen."



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