Afrika-Cup in Äquatorialguinea Der Autokrat darf Retter spielen

Aus Angst vor Ebola wollte Marokko den Afrika-Cup verschieben. Nun richtet Äquatorialguinea das Turnier aus und darf mitspielen, obwohl die Mannschaft gar nicht qualifiziert war. Das Land ist eine der brutalsten Diktaturen Afrikas.

Präsident Teodoro Obiang (r.): Seit 1979 an der Macht
AFP

Präsident Teodoro Obiang (r.): Seit 1979 an der Macht


Anfang der Woche verschickte das Presse- und Informationsamt Äquatorialguinea eine bemerkenswerte Mitteilung: Wieder einmal sei das Land Ziel von Kritik geworden, schreibt die Behörde. "Dieses Mal wegen der Organisation des Afrika-Cups." Dabei seien alle Beschuldigungen falsch, absurd. Das Land sei keine Diktatur, und Präsident Teodoro Obiang fahre auch keine PR-Kampagne.

Im Januar und Februar findet in dem kleinen westafrikanischen Land das wichtigste Turnier des afrikanischen Fußballs statt. Äquatorialguinea ist kurzfristig als Gastgeber eingesprungen.

Kritiker sehen darin einen Versuch des autokratisch regierenden Präsidenten Obiang, seinen zweifelhaften Ruf aufzubessern. Das Land gilt unter Menschenrechtlern als eine der brutalsten Diktaturen des Kontinents. Der Präsident dagegen inszeniert sich als Retter des Turniers.

Eigentlich hätte der Afrika-Cup in Marokko stattfinden sollen. Aus Angst vor Ebola hatte die Regierung aber eine Verschiebung des Turniers gefordert. Das Risiko, Spieler oder Zuschauer könnten Ebola ins Land bringen, war den Verantwortlichen zu groß. Die Afrikanische Fußball-Konföderation Caf lehnte eine Verschiebung ab, entzog Marokko nach wochenlangen Diskussionen die Rechte für die Austragung und die Teilnahme.

Nun rückt Äquatorialguinea nach. Die Gefahr, dass der Afrika-Cup die Ebola-Verbreitung beschleunigt und verschäft, sei gering, sagt die Regierung von Äquatorialguinea. Experten teilen diese Einschätzung. Das Virus wird nicht über die Luft übertragen. Von den drei am stärksten von Ebola betroffenen Ländern Sierra Leone, Guinea und Liberia hat sich nur Guinea für den Afrika-Cup qualifiziert.

Das Team von Äquatorialguinea war eigentlich disqualifiziert, weil es einen nicht lizenzierten Spieler eingesetzt hatte. Das Land war 2012 bereits Austragungsort, gemeinsam mit dem Nachbarland Gabun.

Äquatorialguinea liegt in Westafrika, ist ungefähr so groß wie Brandenburg und hat rund 700.000 Einwohner. Durch die Öl- und Gasförderung vor der Küste gehört das Land - gemessen am Bruttoinlandsprodukt pro Kopf - zu den reichsten Ländern in Afrika.

Kritiker halten dagegen, dass trotz des Reichtums noch immer drei Viertel der Bevölkerung in Armut leben. Die Hälfte hat keinen Zugang zu Wasser oder Toiletten. Das Pro-Kopf-Einkommen ist vergleichbar mit dem von Tschechien oder Griechenland, die Lebenserwartung kaum höher als in der Demokratischen Republik Kongo.

Menschenrechte interessieren den Präsidenten weniger

Denn das Pro-Kopf-Einkommen sagt nichts über die Verteilung des Reichtums aus. Geld bleibt vor allem im Umfeld des Präsidenten. Teodoro Obiang regiert seit 1979 und gilt damit als der am längsten regierende Präsident der Welt. Zuletzt ließ er sich mit 95,4 Prozent der Stimmen wiederwählen. Seine Partei hält 99 von 100 Sitzen im Parlament und 74 von 75 Sitzen im Senat. Menschenrechte gehören nicht unbedingt zu seinem Tagesgeschäft - darum kümmert sich der dritte Vizepremierminister.

Geld investiert die Regierung außerdem gern in Prestige-Objekte oder verwendet es für die Organisation von internationalen Konferenzen, Turnieren und Messen. "Präsident Teodoro Obiang liebt es, internationale Events nach Äquatorialguinea zu holen, um die Aufmerksamkeit von Unterdrückung und Korruption zu lenken", kritisiert Lisa Misol von Human Rights Watch. Fußball sei ein Mittel, um von den Verbrechen am Volk abzulenken. "Aber wenn sich Sportjournalisten und Fußballfans hinter die Stadien wagen, werden sie auch Menschenrechtsverstöße sehen."

Das Komitee zum Schutz von Journalisten (CPJ) führt Äquatorialguinea unter den zehn Ländern mit der stärksten Zensur. Regelmäßig werden Journalisten festgenommen oder aus dem Land geworfen. 2011 wurde ein Team des ZDF für mehrere Stunden festgehalten und dazu gezwungen, Aufnahmen zu löschen.

Die Regierung weist die Anschuldigungen zurück. Der Autokrat gibt sich demonstrativ bescheiden. Nicht Präsident Obiang sei es gewesen, der den Afrika-Cup nach Äquatorialguinea geholt habe - er sei von der Caf darum gebeten worden. "Der Präsident der Republik, der damit wieder einmal seine panafrikanischen Überzeugungen zum Ausdruck brachte, nahm das Hilfeersuchen einer afrikanischen Organisation an", teilt das Presse- und Informationsamt mit.

Nur drei Tage nach der Entscheidung soll sich Obiang bereits mit den Verantwortlichen des technischen Komitees getroffen haben. Um ihnen Anweisungen für die Austragung des Afrika-Cups zu geben.

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 1 Beitrag
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
norman.schnalzger 24.11.2014
1. Demokratie?
Ist doch im Fußball egal. 95,4%, fast wie bei der CSU.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.