Querelen um Afrika-Cup Angst vor Ebola - und dem Milliardendebakel

Im Januar soll der Afrika-Cup starten - nur wo? Marokko weigert sich aus Angst vor Ebola, das Turnier auszurichten. Für die Fußballfunktionäre ein Desaster, es geht um sehr viel Geld.

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Caf-Präsident Issa Hayatou: Der Verband bangt um die Einnahmen
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Caf-Präsident Issa Hayatou: Der Verband bangt um die Einnahmen


Bis zuletzt haben die Funktionäre versucht, Marokko zum Einlenken zu bewegen. Der Präsident der Confédération Africaine de Football (Caf), Issa Hayatou, gab alles - vergebens. Aus Angst vor Ebola weigert sich das nordafrikanische Land, den für kommenden Januar geplanten Afrika-Cup auszutragen. Selbst die Disqualifikation der eigenen Mannschaft änderte nichts an dieser Haltung.

Wer sich vergegenwärtigt, wie sehr sich viele Länder um die Gastgeberrolle bei solch einem großen Fußballturnier reißen, der kann ermessen, wie mächtig die Furcht vor der in Westafrika wütenden Ebola-Epidemie in Marokko sein muss.

Aus Sorge, Spielerberater, Fans, Delegationsmitglieder oder Journalisten könnten das Virus einschleppen, hatte der königlich-marrokanische Fußballverband immer wieder darum gebeten, das Turnier statt in den Wochen vom 17. Januar bis 8. Februar 2015 zu einem späteren Zeitpunkt austragen zu dürfen. Das wurde auf einer Sitzung des Caf-Exekutiv-Komitees am Dienstag endgültig abgelehnt.

Schon vor dem Treffen hatte Hicham El Amrani, der Generalsekretär des Kontinentalverbands, darauf hingewiesen, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) keine Bedenken habe, und die Caf daher keinen Grund für eine zeitliche Verlegung sehe. Die Empfehlung der WHO sei "sehr klar", sagt El Amrani, abgeraten werde lediglich "von Massenveranstaltungen in den schwer betroffenen Ländern Guinea, Sierra Leone und Liberia".

Im Hintergrund geht es aber - wie so oft im afrikanischen Fußball - um Geld. "Der finanzielle Schaden und die Konsequenzen für den Verband und seine Marketingpartner wären zu schwerwiegend, als dass man das Turnier einfach absagen könnte", sagte der Kongolese Constant Omari, der im Exekutivkomitee sitzt, in einem Interview mit dem französischen Radiosender RFI.

Neben den Fifa-Zuwendungen an die Nationalverbände, die oft zweckgebunden in Projekte fließen, sind die Einnahmen aus dem Kontinentalturnier die mit Abstand wichtigste Geldquelle für Afrikas Fußball. Ohne diese fest einkalkulierten Gelder droht möglicherweise sogar die Zahlungsunfähigkeit.

"Ein Ebola-Kranker mischt sich nicht unter Leute oder reist"

Es ist also leicht nachzuvollziehen, warum die Caf so beharrlich an dem Termin festhält, zumal Afrika-Cup-Teilnehmer und -Besucher nach einhelliger Expertenmeinung kaum gefährdet sind. Ebola sei "keine Erkrankung, die, wie Influenza, durch die Luft übertragen wird", sagt Andrea Ammon, die stellvertretende Direktorin des Europäischen Zentrums für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten. "So lange jemand keine Symptome hat, kann man sich auch nicht bei ihm anstecken." Und ein Mensch, der Ebola hat, ist "wirklich schwer krank, der mischt sich nicht unter die Leute oder macht eine Reise", sagt sie.

Wirklich gefährlich wäre es, wenn Infizierte ein Stadion besuchten, wo sie in Warteschlangen oder auf den Rängen viele andere Leute berühren oder gar umarmen. In solche einem Szenario könnte sich das Virus sehr einfach ausbreiten. Doch das wird kaum passieren, zumal die Stadien bei einem Afrika-Cup meist nur spärlich besetzt sind. Reisende Fanmassen gibt es fast nicht. Dass allerdings ein einzelner Infizierter einreist, bei dem die Krankheit noch nicht ausgebrochen ist, ist denkbar.

Wer springt nun für Marokko ein?

Die Marokkaner waren vor allem besorgt, dass sich ein Infizierter nach Ausbruch der Krankheit in einem marokkanischen Krankenhaus behandeln lässt und dort Menschen ansteckt. Denn so wird die Krankheit außerhalb der am heftigsten betroffenen Länder meist weitergetragen, das zeigten die Fälle in Spanien.

Doch schon ohne die verstärkte Reisetätigkeit, die so ein Turnier hervorruft, sei "Marokko von allen nordafrikanischen Ländern das Land mit der höchsten Importwahrscheinlichkeit", sagt der Pandemieforscher Dirk Brockmann von der Humboldt Universität in Berlin, und dieses Risiko wollten die Behörden auf gar keinen Fall erhöhen. Schließlich würden bereits zwei, drei Einzelfälle Marokko als Ebola-Nation brandmarken - mit wahrscheinlich fatalen Folgen für die Tourismusindustrie, die mit einem Gesamtvolumen von jährlich rund sieben Milliarden Dollar ein wichtiger Wohlstandsfaktor ist.

Die Caf ist deshalb heilfroh über "einige Bewerbungen von nationalen Föderationen, die ihren Wunsch zum Ausdruck gebracht haben, den Wettbewerb zu den vereinbarten Daten auszurichten", heißt es in einer Mitteilung vom Dienstagnachmittag. Welche Länder das sein könnten, ist bisher nicht bekannt, abgesagt haben aber bereits Ghana und Südafrika.

Nationen mit florierender Tourismusindustrie werden eher nicht einspringen, aber Angola und Gabun, wo die Turniere von 2010 und 2012 stattfanden, könnten Kandidaten sein. Zumindest verfügen sie über die erforderliche Infrastruktur.

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insgesamt 16 Beiträge
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Erich91 11.11.2014
1. Bei so was zeigt sich doch die wahre Fratze der Sportfunktionäre
Es geht immer nur ums Geld, der Sport ist doch lästige Nebensache, und der Rest der Menschheit ist denen auch egal. Mit Krieg, Völkermord, und wie hier einer weltweiten Bedrohung durch diese schreckliche Seuche, haben wir nichts zu tun, wir kümmern uns nur um Kohle.
wolf130749 11.11.2014
2. Recht haben sie, die Marokkaner !
Entgegen aller optimistischen Vorhersagen wird sich die Seuche nur eindämmen lassen, wenn alle Reisenden aus den betroffenen Gebieten vor ihrer Abreise durch 3-wöchige Quarantäne nachgewiesen haben, dass sie nicht infektiös sind.
n0 by 11.11.2014
3. Hauptreisezeit in Marokko
Nachdem mir die Wintersonne in Marokko in Rentner-Reisen 2012 und 2014 warme Monate von Januar bis März geschenkt hat, ist mir eins klar: Der Massentourismus mit Wohnmobilen bringt Marokko mehr als Fussball-Tourniere. Ein einziger Fall von Ebola nur würde die Touristen in Scharen aus dem Land treiben. Da verzichtet Marokko doch besser auf ein Fußballfest.
mimas101 11.11.2014
4. Richtig so
das Marokko die Volksgesundheit über den schnöden Kommerz stellt und um eine entsprechende Verschiebung gebeten hatte bis die Epidemie abgeklungen ist. Denn es kann auch nicht ausgeschlossen werden das ein symptomloser Erkrankter während der Fußballspiele plötzlich akute Symptome zeigt und dann ist das Problem da. Übrigens: Marokko lebt auch vom Tourismus (ca 10% des BIP mit ca 500.000 Beschäftigten). Da will man verständlicherweise auch nichts riskieren.
luenesir 11.11.2014
5.
Es ist eckelhaft und abstossend wie die Gefahr der Ausbreitung einer Epedemie wirtschaftlichen Interessen untergeordnet wird. Hier zeigt der durch Geldgierige Verbände organisierte Fußball sein wahres Gesicht. Fans werden ohnehin quasi als Gelbgeber ausgequetscht. Eine Art Notsituation wird hier schamlos ausgenutzt. Denn was ist ein Fußballfan? Besser gesagt ein Vereinsfan. Nun ja. Eine psychologische Abhandlung will ich hier nicht ablegen. Es kann sich jeder Leser selbst informieren oder ein eigenes Bild verschaffen. Schmutzig bleibt diese Art von Sport auf der finanziellen Ebene trotzdem.
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