Stasi-Vergangenheit des Ex-Trainers Dynamo-Vereinslegenden treten als Ehrenspielführer zurück - wegen Ede Geyer

Mehr als zehn Jahre hatte Ede Geyer für die Stasi gearbeitet. Vereinslegenden von Dynamo Dresden wollten deshalb, dass dem Ex-Trainer die Ehrenspielführerschaft aberkannt wird - und sind nun zurückgetreten.

Ede Geyer
picture alliance / dpa

Ede Geyer


Der Streit um Eduard Geyer beim Fußball-Zweitligisten Dynamo Dresden ist eskaliert. Die Vereinslegenden Klaus Sammer, Dieter Riedel und der langjährige DDR-Auswahlspieler Hans-Jürgen Kreische hatten von der Vereinsführung gefordert, den 73-Jährigen wegen dessen Stasivergangenheit als Ehrenspielführer abzusetzen.

"Wenn so jemand die Tradition von Dynamo verkörpert, läuft irgendwas falsch. Entweder das Bild von Geyer wird aus dem Stadion entfernt - oder meins. Ich will nicht neben ihm hängen", hatte der 70-Jährige Kreische gesagt. Geyer war unter dem Decknamen "Jahn" mehr als zehn Jahre lang als Inoffizieller Mitarbeiter für die Staatssicherheit der ehemaligen DDR tätig. Das war jedoch schon länger bekannt.

"Was jetzt berichtet wird, sind keine neuen Erkenntnisse. Das habe ich schon 1992 von mir aus publik gemacht, 2000 noch mal Stellung bezogen, als es nach dem Bundesliga-Aufstieg von Energie Cottbus noch mal hochgekocht wurde", sagte Geyer der "Sächsischen Zeitung".

Fotostrecke

18  Bilder
Fussball: Ost-Helden - die Karrieren der besten Fußballer und Trainer

Geyer wollte sich entschuldigen

Die Klubführung entschied sich dazu, der Forderung der drei Ehrenspielführer nicht nachzukommen. "Bei der Ernennung zum Ehrenspielführer werden ausschließlich sportliche Kriterien herangezogen", hieß es in einer Stellungnahme. "Die gegen Eduard Geyer erhobenen Vorwürfe spielten 2014 für das Präsidium der SGD keine Rolle mehr, da er die Betroffenen persönlich um Entschuldigung gebeten und eine umfassende öffentliche Aufarbeitung bereits stattgefunden hatte."

Als Konsequenz kündigten Kreische, Sammer und Riedel an, ihre verliehenen Ehrenurkunden zurückzugeben. "Das ist unsere Reaktion. Ich sehe nicht ein, dass wir jetzt noch ewig einen Krieg führen sollen. Wenn der Verein das so sieht, dann ist es so", sagte Kreische den "Dresdner Neuesten Nachrichten".

Geyer war zuvor offenbar um eine Aussprache bemüht gewesen. "Als ich davon gehört habe, dass einige ehemalige Spieler meine Absetzung als Ehrenspielführer fordern, habe ich sie angerufen. Ich wollte mit ihnen reden und mich entschuldigen, aber das haben sie abgelehnt."

Geyer ist einer von neun Ehrenspielführern des Klubs und war von 1968 bis 1975 Spieler bei Dynamo Dresden. 1986 übernahm er Dynamo als Trainer. Bei Energie Cottbus war Geyer von 1994 bis 2004 Cheftrainer. Unter seiner Leitung spielten die Lausitzer von 2000 bis 2003 in der Bundesliga.

bka/sid



insgesamt 35 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
hello_again 01.06.2018
1. Konsequenzen...
Ich finde es eine ziemliche Unart, diese Dinge hochzukochen. Die Mauer ist seit 29 Jahren weg, Edes Geschichte ist seit 1992 Öffentlich, er bietet Gespräche an und letztendlich geht es um sportliche Leistungen. Wahrscheinlich sind die 3 Herren verbohrte alte Männer. Und ich hoffe, dass die 'Schei*e' , die ich früher mal gebaut habe, vielen bekannt ist, für die ich mich schäme, nicht auch mal hochgekocht wird. Entspannung täte allen gut.
mcbarby 01.06.2018
2. Pro Ede
Ede Geyer ist jemand, der im Gegensatz zu vielen Anderen offene Aufarbeitung seiner Vergangenheit betrieben hat. Das rechne ich ihm hoch an. Dass Kreische & Co. nun plötzlich ein Problem mit der gewährten Ehrung entwickeln, ist für mich nicht nachvollziehbar. Aber wenn dem so ist und sie es als irgendwie sinnvoll erachten, mögen sie ihre Urkunden zurück geben.
leo.dom 01.06.2018
3. Stasi Mitarbeit hin oder her,
entscheidend sind doch folgende Sachverhalte: 1. Hat er jemandem während seiner Tätigkeit geschadet? 2.Hatte er nur wegen der Systemnähe Vorteile in seiner Karriere oder 3. hat man ihn unter Druck gesetzt, IM zu werden, um seinen sportlichen Abitionen nachgehen zu können? Die reine Mitgliedschaft bei der Stasi wird oft überbewertet und sagt noch nicht einmal in jedem Fall etwas über die innere Einstellung. Und, das sei hier bemerkt, über Schicksale anderer soll man nicht leichtfertig urteilen, wenn man nie selber in vergleichbaren Situationen war. Und das ist eine persönlich Erfahrung.
leo.dom 01.06.2018
4. Stasi Mitarbeit hin oder her,
entscheidend sind doch folgende Sachverhalte: 1. Hat er jemandem während seiner Tätigkeit geschadet? 2.Hatte er nur wegen der Systemnähe Vorteile in seiner Karriere oder 3. hat man ihn unter Druck gesetzt, IM zu werden, um seinen sportlichen Abitionen nachgehen zu können? Die reine Mitgliedschaft bei der Stasi wird oft überbewertet und sagt noch nicht einmal in jedem Fall etwas über die innere Einstellung. Und, das sei hier bemerkt, über Schicksale anderer soll man nicht leichtfertig urteilen, wenn man nie selber in vergleichbaren Situationen war. Und das ist eine persönlich Erfahrung.
rigoh 01.06.2018
5. Entspannung
Das was du Sch...e nennst ist ein Straftatbestand. Interessant wäre es was die Ausgespitzelten und ihrer Existens beraupten dazu wohl sagen. Ede Geyer hätte damals sich lieber entspannt als seine Fussballkollegen verraten.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.