Effenbergs Abrechnung "Matthäus ist ein echter Verpisser"

Stefan Effenberg und Lothar Matthäus, zwei der größten Egozentriker des deutschen Fußballs, verband bei Bayern München in den neunziger Jahren eine tiefe Abneigung. Die Niederlage im legendären Champions-League-Finale 1999 gegen Manchester United nimmt Effenberg nun zum Anlass, dem Erzrivalen Feigheit vorzuwerfen.


Traute Zweisamkeit der Rivalen: Bayern-Stars Stefan Effenberg (r.) und Lothar Matthäus
AP

Traute Zweisamkeit der Rivalen: Bayern-Stars Stefan Effenberg (r.) und Lothar Matthäus

Hamburg - Im mit 1:2 gegen ManU in der Nachspielzeit verlorenen Champions-League-Endspiel sei Matthäus "ein echter Verpisser" gewesen, so Effenberg. "Ich weiß heute noch nicht, warum er in der 80. Minute für Thorsten Fink vom Platz gegangen war. Wir führten 1:0 und mussten das Spiel nur noch über die Zeit bringen. Wie kann man sich da als Libero auswechseln lassen? Da müsste ich mir schon ein Bein gebrochen haben", fragt Effenberg in einem Vorabdruck seines Buches "Ich hab's allen gezeigt" in der "Bild"-Zeitung.

Matthäus, mittlerweile Trainer von Partizan Belgrad, hat sich nach Meinung von Effenberg aber nicht nur einmal seiner Verantwortung entzogen. "Wenn es drauf ankam, hatte Lothar schon häufiger den Schwanz eingezogen", stellte der 34-Jährige fest. Dabei verweist der Ex-Nationalspieler auf das erfolgreiche WM-Finale von 1990 gegen Argentinien (1:0), in dem Matthäus den entscheidenden Elfmeter Andreas Brehme überlassen hatte. Der damalige Nationalmannschaftskapitän Matthäus war zum Strafstoß nicht angetreten, weil die Sohle seines Schuhs gebrochen war.

Auch Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge bekommt sein Fett weg. "Killer-Kalle, wie er bei uns Spielern hieß, war dafür bekannt, dass er einem selten die Meinung offen ins Gesicht sagte, sondern oft nur hintenrum anderen erzählte, was er von einem hielt", schreibt Effenberg. Rummenigge habe dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) bei der WM 1994 auch gesteckt, "dass ich den Fans den Mittelfinger gezeigt habe".

Weitere Opfer Effenberg'scher Breitseiten sind die TV-Kritiker Paul Breitner, Günter Netzer und Udo Lattek. "Irre, wie sich Breitner einzelne Spieler vornimmt. Als ich neulich durchs Programm zappte, sah ich ihn am Kochtopf bei Alfred Biolek. Das sah richtig gut aus, was er da bruzzelte. Vielleicht sollte er sich künftig mehr auf diesem Gebiet bewegen", ätzt Effenberg. Zudem macht er sich lustig über Netzers Frisur und urteilt über Lattek: "Er reimt sich aus der Distanz immer irgendetwas zusammen."



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