Eigentor des Jahres "Unheimlicher Bock" von Piplica

Eigentlich glaubte man, im Fußball schon alles gesehen zu haben. Doch am 30. Spieltag der Fußball-Bundesliga überraschte Tomislav Piplica, Torwart von Energie Cottbus, die Fußballfreunde mit einem der kuriosesten Eigentore der Liga-Geschichte.


Tomislav Piplica, völlig zerknirscht: "Ich habe gedacht, der Ball fällt auf die Latte"
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Tomislav Piplica, völlig zerknirscht: "Ich habe gedacht, der Ball fällt auf die Latte"

Cottbus - Nach dem Schlusspfiff hatte Tomislav Piplica nur ein Ziel: Nichts wie weg! Der Keeper von Fußball-Bundesligist Energie Cottbus entledigte sich mit einem Sprint der wissbegierigen Journalistenschar. 3:2 hatte sein Team gegen Borussia Mönchengladbach in Führung gelegen, und der Klassenerhalt in der zweiten Bundesliga-Saison schien bereits beschlossene Sache, ehe Piplica in der 85. Minute mit einem der kuriosesten Eigentore in die Bundesliga-Geschichte einging.

Was war passiert? Radoslav Kaluzny fälschte einen harmlosen Schuss von Marcel Witeczek ab, der Ball machte eine hohe Bogenlampe, senkte sich unmittelbar vor der Torlatte wie ein schwerer Stein und tropfte vom Hinterkopf des verdutzten Bosniers direkt zum 3:3 (2:1)-Endstand ins eigene Tor. Das einzige Statement, das von Piplica nach dem Schlusspfiff von sich gab, war: "Es ist meine Schuld. Ich habe gedacht, der Ball fällt auf die Latte."

"Fast schon eine Geschichte für Stefan Raab"


So schweigsam sich der Unglücksrabe einen Tag nach seinem 33. Geburtstag gab, so mitteilungsbedürftig waren die anderen Profis. "Ich habe schon viel erlebt, aber so etwas - den köpfe ich höchstens raus", befand Gladbachs Schlussmann Jörg Stiel. "Einfach unglaublich", meinte der zweifache Cottbus-Torschütze Kaluzny. "Man kennt Tomislav ja. Ich dachte, er baumelt gleich an der Latte und der Ball geht aufs Netz. Als Spieler weiß man, wie er sich jetzt fühlt", sagte der Gladbacher Max Eberl mitfühlend, und der spät eingewechselte Witeczek, immerhin Urheber der Szene, meinte: "Fast schon eine Geschichte für Stefan Raab."

Doch obwohl der sonstige Spaßvogel Piplica mit seinem Aussetzer die frühzeitige Rettung für die Lausitzer vereitelte, brach sein oft so gestrenger Coach Eduard Geyer eine Lanze für seinen Torwart. "Das war schon ein Tor der Kategorie ulkig, aber Tomislav hat uns schon einige Spiele gerettet und uns oft geholfen", erklärte Geyer den "unheimlichen Bock" seines Keepers und fügte mit Ironie hinzu: "Am besten schmeiße ich ihn raus".

Zuspruch vom gegnerischen Trainer


Auch Gladbachs Trainer Hans Meyer sprach Piplica Trost zu: "Ich habe schon verrückte Dinge in 30 Jahren erlebt. Aber wenn sich einer den Ball ins eigene Tor wirft, ist das schöner? Fakt ist, er hat über viele Wochen richtig stark gehalten." In der Tat. Denn immerhin hatte Piplica mit seinen Vorderleuten zuvor alle Heimspiele im Jahr 2002 im Stadion der Freundschaft gewonnen, dabei in sechs Spielen nur ein Gegentor zugelassen und damit den Grundstein für die gute Ausgangsposition im Abstiegskampf geschaffen. "Wenn Spieler Schelte verdienen, dann ganz andere", meinte auch Geyer, der sich mit der Punkteteilung trotz des Fauxpas' insgesamt zufrieden zeigte.



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