Einführung der Dritten Liga Reform mit Schönheitsfehlern

Mit hohen Erwartungen startete der Deutsche Fußball-Bund 2008 die neu eingeführte Dritte Liga. Nach der ersten Saison zieht der Verband ein positives Zwischenfazit. Das Magazin SPONSORS kommt nach Auswertung des DFB-Saisonreports allerdings zu einem anderen Ergebnis.

Fans des Drittligisten Dynamo Dresden: Neue Stadien, höhere Einnahmen
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Fans des Drittligisten Dynamo Dresden: Neue Stadien, höhere Einnahmen

Von Benjamin Reister und Marco Klewenhagen


Am 8. September 2006 begann ein neues Kapitel im deutschen Fußball. Der außerordentliche DFB-Bundestag beschloss die Einführung der Dritte Liga. Aus den Regionalligen Nord und Süd wurde eine neue Spielklasse, aus 37 wurden 20 Clubs. Ziel der Reform war und ist, die Dritte Liga als bundesweite dritte professionelle Spielklasse und Marke zu positionieren und so den Abstand zur Zweiten Bundesliga zu verringern. Was sich jetzt bereits sagen lässt, ist: Die dritthöchste deutsche Fußballliga ist nicht mehr das, was sie mal war. Das besagt auch der DFB-Saisonreport 2008/09, der an alle Drittligisten verschickt wurde und SPONSORS vorliegt.

Beim DFB ist man sich einig: Die Zusammenlegung der beiden Regionalligen kann als Erfolg gewertet werden. Dafür verantwortlich sind, laut Report, professionellere Rahmenbedingungen, "sensationelle" mediale Präsenz und gestiegene Einnahmen, die auch eine wirtschaftliche Annäherung an die Zweite Bundesliga ermöglichten. Kurzum: Die Premierensaison der Dritten Liga erstrahlt aus Sicht des DFB im hellen Licht.

Das positive Zwischenfazit des DFB ist auch durchaus nachvollziehbar. Ein Blick auf die wichtigsten Einnahmenfelder zeigt, warum. Vergleiche zeigen aber auch, woran es noch hapert. Der Zuschauerschnitt stieg im Vergleich zur vergangenen Saison um 42 Prozent auf 5587 Besucher pro Spiel. Gleichzeitig wurden zuletzt weniger zahlende Besucher in der 2. Liga gezählt, da Fanmagneten wie Borussia Mönchengladbach und der 1. FC Köln in die Bundesliga aufgestiegen sind.

Größere Stadien, höhere Fernsehgelder

Darüber hinaus konnten nach DFB-Zählung die Spieltagserlöse um 54 Prozent auf durchschnittlich 1,18 Millionen Euro pro Club gesteigert werden. Grund für diese Steigerung sind sicherlich nicht zuletzt die Aus- beziehungsweise Neubauten von Stadien in Liga 3 wie beispielsweise in Dresden. Die Investitionen in die Sportstätten der Drittligisten waren nötig geworden, nachdem der DFB neue und strikte Anforderungen nach einer modernen Stadioninfrastruktur ausgegeben hatte.

Während die Einnahmen aus dem Spielbetrieb schon in der Premierensaison deutlich gestiegen sind, erhöhten sich die Fernsehgelder erst zur aktuellen Saison. Durch den neuen Gesamtvertrag des DFB mit SportA, dem Rechtevermarkter von ARD und ZDF, stiegen die TV-Einnahmen pro Club auf 800.000 Euro, was einem Zuwachs von 36 Prozent entspricht. Trotz dieser offensichtlichen Steigerung ist die Lücke zu den Fernseheinnahmen der Zweiten Bundesliga noch immer erheblich: Ein Zweitligist erhält durchschnittlich 4,8 Millionen Euro aus dem Fernsehtopf, also rund sechsmal so viel. Somit ist ein Abstieg in die Dritten Liga wirtschaftlich weiterhin nur sehr schwer zu verkraften.

Günther Großmann, Geschäftsführer bei Erzgebirge Aue, formuliert deshalb klare Forderungen Richtung DFB: "Um langfristig den Abstand zur Zweiten Liga zu verringern, muss die Fallhöhe bei den TV-Erlösen verringert werden. Gerade als Absteiger wäre ein Fixbetrag von 1,5 Millionen Euro aus den Fernsehgeldern notwendig, um die Dritte Liga wirtschaftlich stemmen zu können", so der Chef der Auer. Von Seiten des DFB wird den Vereinen in dieser Hinsicht wenig Hoffnung gemacht. "Eine Steigerung der TV-Gelder ist aufgrund der aktuellen Lage auf dem Fernsehmarkt nicht realistisch", sagt Helmut Sandrock, Direktor der Dritten Liga.

Drittligisten von Wirtschaftskrise verschont

Lieber verweist man beim Fußballverband auf die mediale Präsenz der Dritten Liga. denn die befindet sich durchaus schon auf Zweitliga-Niveau. Durch die regelmäßige Berichterstattung der öffentlich-rechtlichen Sender verfehlte die Dritte Liga mit insgesamt 796 Millionen Zuschauern die kumulierte Reichweite der Zweiten Bundesliga (866 Millionen) nur knapp. Auf jeden Fall aber konnten die Drittligisten auf Anhieb eine deutlich höhere Reichweite als andere Profiligen außerhalb des Fußballs erzielen.

Die gestiegenen Erträge aus Fernsehrechten und Spielbetrieb haben dazu geführt, dass bei den Drittligisten ein etwas ausgewogeneres Verhältnis unter den Ertragsfeldern entstanden ist, wenngleich noch lange nicht so wie bei den beiden "großen Brüdern": Die 1. und die 2. Liga generieren aus Spielbetrieb, Medien, Werbung und Sonstigem ungefähr gleich viele Erlöse. Dagegen dominieren in Liga 3 die Werbeumsätze mit 45 Prozent der Gesamteinnahmen noch immer deutlich. Diese Abhängigkeit könnte gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zum Problem werden.

Allerdings wurden die Drittligisten in der vergangenen Saison von der Wirtschaftskrise noch verschont. Im Gegenteil: Die Erträge stiegen sogar durchschnittlich um 34,5 Prozent auf 2,51 Millionen Euro (siehe Grafik oben). Ob dieser Trend fortgesetzt werden kann, ist nicht abschließend zu beurteilen. Sandrock ist jedenfalls guter Hoffnung: "Bisher konnten wir keine Entwicklung erkennen, dass die Werbeeinnahmen der Vereine zu dieser Saison sinken werden. Wir haben mit der Dritten Liga ein professionelles Umfeld geschaffen, in dem die Sponsoren sich wohlfühlen", so der DFB-Direktor.

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